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Lifewatch: Rohdiamant oder Dauerpatient?

Geduldige Anleger werden bei der Lifewatch-Aktie vorerst mal belohnt. Doch das Telemedizin-Unternehmen ringt weiterhin mit dem Turnaround.
27.04.2015 14:55
Von Ivo Ruch
Wann schafft Lifewatch den Turnaround?

Lifewatch befindet sich schon lange im Umbau. Das Telemedizin-Unternehmen mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall ringt seit geraumer Zeit mit dem Turnaround, doch nun macht sich unter den Anlegern Hoffnung breit. Seit letztem August hat sich der Aktienkurs beinahe verdoppelt, im aktuellen Jahr steht ein Plus von 15 Prozent auf 14,20 Franken zu Buche. Die Aktie befindet sich auf dem höchsten Stand seit Mitte 2010.

Die letzten drei Jahre der Lifewatch-Aktie, Quelle: cash.ch

Grund für den Anstieg sind unter anderem positive Nachrichten, wonach das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte 2014 die operative Trendwende vorerst geschafft hat. Über das Gesamtjahr führte eine ausserordentliche Steuerbelastung dennoch zu einem Verlust. Das Management um CEO Stephan Rietiker meint, den Turnaround im laufenden Jahr bestätigen zu können. Für 2015 wird ein Umsatzwachstum von 10 bis 15 Prozent angepeilt.

Aber eben: Das Unternehmen befindet sich immer noch im Umbau. Ein Klumpenrisiko, das sukzessive abgebaut werden soll, stellt die Fokussierung auf den amerikanischen Markt dar. Lifewatch macht derzeit noch 98 Prozent des Umsatzes in den USA. Doch im Moment dürfte der erstarkte Dollar nicht unbedingt eine Stütze sein.

Geduldsspiel für Anleger

Lifewatch will in Zukunft von der Überalterung der Gesellschaft und von Sparmassnahmen im Gesundheitswesen profitieren. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen und Produkte an, mit denen der Gesundheitszustand eines Patienten anhand medizinischer Daten ortsunabhängig überwacht werden kann. Im November wurde beispielsweise eine Zusammenarbeit mit Vital Connect über die Nutzung eines Überwachungspflasters gemeldet.

Im Februar verkaufte Yacov Geva, Lifewatch-Firmengründer und ehemaliger CEO, seine Anteile am Unternehmen an Schweizer Investoren. Die Anteile entsprachen 15 Prozent der ausgegebenen Aktien. Geva war im Frühjahr 2014 nach einem verlorenen Machtkampf per sofort freigestellt worden. Die Schweizer Aktionärsgruppe Schildknecht/Ringler hält derzeit 26 Prozent an Lifewatch.

Im historischen Vergleich ist der jüngste Höhenflug der Lifewatch-Aktie aber nur ein kleiner Hüpfer. Noch 2001 stand der Titel bei 142 Franken, bevor er innert kurzer Zeit auf knapp zwei Franken abstürzte. Zur gleichen Zeit verlegte das in Israel verwurzelte Unternehmen seinen Sitz in die Schweiz.

Konkurrenz aus der Schweiz

Danach wurde die Aktie zum Geduldsspiel für ausdauernde Anleger. Einer von ihnen ist Erhard Lee. Der äusserst erfolgreiche Fondsmanager gehört zu den Investoren, die immer an Lifewatch geglaubt haben und die nun belohnt werden.

Der Markt für Telemedizin gilt als sehr kompetitiv, wo sich weitere Schweizer Unternehmen wie Swisslog, SHL Telemedizin oder Ascom tummeln. Im Interview mit cash sagte Lifewatch-CEO Rietiker unlängst, seine Firma sei ein Rohdiamant, der nun geschliffen und auf den Markt ausgerichtet werde. Ob Rohdiamant oder Umbau-Patient: Ein Investment in Lifewatch bleibt vorerst eine Wette auf einen baldigen nachhaltigen Turnaround.