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Lindt-Aktie erreicht 66'000 Franken

Die Aktie von Lindt & Sprüngli ist in den letzten Wochen wieder in neue Rekordsphären vorgedrungen. Wie lange kann das noch so weitergehen?
06.08.2015 15:06
Von Pascal Züger
Lindt & Sprüngli ist der sechstgrösste Schokoladenkonzern der Welt.

Die Namensaktien des Schokoladeherstellers Lindt & Sprüngli surfen derzeit auf einer beeindruckenden Erfolgswelle: Seit dem 30. Juni - nach vier Monaten mit leicht negativer Entwicklung - legte der Titel 13 Prozent zu. Das entspricht fast der ganzen Jahresperformance 2015.

Mit 65'965 Franken sprang der Titel am Mittwoch auf ein Allzeithoch. Lindt hat damit die mit Abstand schwerste Aktie in der Schweiz.

Entwicklung der Lindt & Sprüngli-Namensaktie in den letzten 3 Monaten, Quelle: cash.ch

Der Auftrieb an der Börse kommt nicht von ungefähr. Denn die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr liessen sich sehen. So stieg der Umsatz  um gut 17 Prozent auf 1,41 Milliarden Franken.

"Lindt gewinnt weiterhin Marktanteile in allen Märkten. Die USA bleiben der Hauptwachstumstreiber", sagt Jean-Philippe Bertschy, Analyst bei der Bank Vontobel, auf Anfrage von cash. In den USA, welcher als Schlüsselmarkt im Schokoladensektor gilt, besteht weiterhin Potential. Zum guten Ergebnis beigetragen hat aber auch der Preis von Kakaobutter. Dieser ist – ganz im Gegensatz zum Preis für Kakaobohnen – im ersten Halbjahr nämlich gesunken.

Vom Frankenschock weitestgehend verschont

Lindt & Sprüngli gehört nicht in den Topf der "Frankenopfer". Obwohl zu einem gewissen Grad von der Währungssituation tangiert, stellt der starke Franken für das in Kilchberg bei Zürich ansässige Unternehmen kein so grosses Problem dar wie für Firmen wie Swatch oder Richemont.

Dies deshalb, weil der Schokoladehersteller seine Produktionsstätten nicht nur in der Schweiz, sondern an allen tätigen Hauptmärkten besitzt. Eine Ausnahme stelle jedoch das Exportgeschäft dar, wo es durchaus einen Transaktionseffekt gäbe, so Bertschy. Der negative Währungseinfluss auf den Umsatz aufgrund des starken Frankens betrug im ersten Semster gemäss firmeneigenen Angaben 7,5 Prozent.

Trotzdem könnte die länger andauernde Frankenstärke zunehmend auf Gewinn und Umsatz drücken. Und es lauern auch noch andere Gefahren: Plötzliche Anstiege bei den Rohmaterialpreisen oder Probleme mit der Eingliederung der im Vorjahr übernommenen US-Firma Russell Stover könnten die Erfolgsmaschinerie im zweiten Halbjahr ins Stocken bringen.

Weiterhin gute Aussichten

Die Integration von Russell Stover hat bei Lindt oberste Priorität. Danach wird wieder das langfristige Ertragsziel (Steigerung der EBIT-Marge um 20-40 Basispunkten pro Jahr) angepeilt. Analysten sehen jedoch keine Gefahr eines Kurseinbruchs. Sowohl die Zürcher Kantonalbank (ZKB) als auch die Bank Vontobel empfehlen weiterhin zum Kauf des Titels.

Den letzten gröberen Einbruch der Aktie gab es im letzten Herbst, als der Titel zwischen Ende September bis Mitte Oktober zehn Prozent nachgaben. Das tat der Gesamtmarkt damals allerdings auch.

Aktiensplit als ewig währendes Thema

Im Zusammenhang mit Lindt & Sprüngli kommt auch immer wieder das Thema Aktiensplit auf.  Eine solche Teilung der Aktien führen Unternehmen dann durch, wenn eine Aktie schwer geworden ist. Der Nennwert wird dann heruntergesetzt und es entsteht eine grössere Anzahl Aktien. Dies wirkt sich meist kursbegünstigend aus, da die Aktien durch die Stückelung erschwinglicher werden und so leichter gehandelt werden können.

Bei Lindt & Sprüngli wäre dies beim stolzen Aktienpreis von 66'000 Franken natürlich eine Option. Gespalten sind hier, eigentlich ganz passend zum Thema, die Meinungen unter Analysten: Während für Bertschy von Vontobel ein Aktiensplit derzeit kein Thema sei, hört man anderenorts die Meinung, dass mit jedem weiteren Kursanstieg eine Teilung näher rückt.

Über die Durchführung eines Aktiensplits entscheidet letztendlich der Verwaltungsrat. Noch im März betonte Ernst Tanner, CEO und VR-Präsident in Personalunion, im Video-Interview mit cash, dass in diese Richtung nichts geplant sei. Dies ist keine klare Zusage zum Aktiensplit, aber auch kein klares Dementi. Der Raum für Spekulationen bleibt weiterhin offen.