Lokal-Champion ohne Panik - China lässt Auslands-Ratingfirmen zu

Der weltweit zweitgrösste Markt für Unternehmensanleihen öffnet sich ausländischen Ratingagenturen. Das bringt den chinesischen lokalen Champion allerdings nicht aus der Ruhe.
17.06.2017 14:25
Wohn- und Geschäftsviertel in Schanghai.
Wohn- und Geschäftsviertel in Schanghai.
Bild: Pixabay

Er sieht einen weiteren Fall von Firmen aus Übersee, die sich auf einem hart umkämpften Markt auf dem Festland versuchen und sich möglicherweise die Finger verbrennen. Nach Jahren an US-amerikanischem Lobbying, Finanzdienstleistungen für ausländische Konkurrenten zu öffnen, hatte sich China im vergangenen Monat bereit erklärt, es Unternehmen im Auslandsbesitz bis zum 16. Juli zu erlauben, Kredit-Ratings in der Volksrepublik anzubieten. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Branchenriesen S&P Global Ratings, Moody’s Investors Service und Fitch Ratings, die allesamt den Schritt begrüssten. Bislang waren ihre Aktivitäten auf Jointventure begrenzt.

China Chengxin International Credit Rating, an der Moody’s mit 30 Prozent beteiligt ist, hat den grössten Marktanteil bei Bonitätsnoten für Wertpapiere auf dem 9 Billionen Dollar schweren chinesischen Anleihemarkt. Die Firma sieht einen vollen Einstieg von Wettbewerbern aus Übersee nicht als Bedrohung.

“Wir sind nicht besorgt über die Auswirkung, die sich aus dem potenziellen Einstieg von internationalen Ratingfirmen ergibt”, sagte Yan Yan, Chairman von China Chengxin, in einem Interview mit Bloomberg. “Anfangs wird der Markt den fortgeschritteneren Methoden von internationalen Ratingagenturen vielleicht mehr Aufmerksamkeit schenken. Doch nach acht oder zehn Jahren werden inländische Firmen beweisen, dass sie einen Vorteil haben."

Zwar war einigen internationalen Service-Unternehmen der Einstieg auf dem chinesischen Markt gelungen, darunter Hotelbetreiber wie Intercontinental Hotels und Marriott International. Doch es gibt in der Vergangenheit auch genügend Beispiele für ein Scheitern, darunter Amazon.com, eBay und Uber Technologies.

Ungünstiger Zeitpunkt

Auch der Zeitpunkt könnte für die ausländischen Ratingagenturen besser sein. Sie erhalten Zugang in einem Umfeld, in dem die chinesischen Aufsichtsbehörden bei der Verschuldung die Zügel anziehen, was zu viel Unruhe auf den Anleihemärkten und einem Rückgang bei den Emissionen geführt hatte.

Dennoch: Die drei Marktteilnehmer aus Übersee sind eigenen Andeutungen zufolge interessiert daran, ein Geschäft in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt aufzubauen. Und globale Investoren, für die es zunehmend einfacher ist, chinesische Inlands-Anleihen zu kaufen, dürften sich wohler bei Bonitätsnoten fühlen, die von Unternehmen kommen, deren Namen sie kennen. 

Yan verwies derweil auf die Vorteile, die lokale Anbieter haben würden. So verwenden die chinesischen Ratingagenturen eine andere Skala bei der Bewertung von Unternehmen, was in der Regel zu höheren Noten führt als bei Anbietern aus dem Ausland. Das legt ein Arbeitspapier der People’s Bank of China nahe. Hinzu käme, dass die lokalen Agenturen geringere Gebühren von den Emittenten verlangten. 

Derzeit gibt es China sechs wichtige Ratingagenturen. Dazu zählen China Lianhe Credit Rating Co., an der Fitch mit 49 Prozent beteilig ist, und Shanghai Brilliance Credit Rating & Investors Service Co., dem inländischen Partner von S&P. Dieser Wettbewerber hält die Preise niedrig, sagte Yan.S&P, Moody’s und Fitch lehnten es auf Nachfrage ab, die Gebühren, die sie von Kunden verlangen, zu nennen. 

Investoren entscheiden über Glaubwürdigkeit der Ratingagenturen

S&P glaubt, dass den Märkten am besten mit einer weiten Spannbreite an Bonitätseinschätzungen gedient wird, erklärte Michelle Lei von der Agentur in Peking: “Letztlich werden die Investoren und andere Nutzer von Ratings darüber entscheiden, welche Noten glaubwürdig und nützlich sind und welche nicht”.

China Chengxin ist derzeit der lokale Spitzenreiter mit einem Marktanteil von rund 37 Prozent auf dem chinesischen Interbank-Anleihemarkt und etwa 33 Prozent auf dem Exchange-Bondsmarkt, berichtete Yan. Das Unternehmen beschäftige inzwischen mehr als 400 Analysten, verglichen mit gerade einmal 30 bis 30 im Jahr 2005.

Angesichts ihrer grundsätzlich niedrigeren Noten für chinesische Unternehme würde “eine Dominanz von Chinas lokalem Markt durch Agenturen im Auslandsbesitz erhebliche Auswirkungen für chinesische Emittenten haben”, warnte Yan. 

(Bloomberg)