Lonza-Aktie nach Zahlen sehr gefragt

Lonza wartet nicht nur mit einem mässigen Jahresergebnis sondern auch mit einem vorsichtigen Ausblick auf. Analysten sind verunsichert. Dennoch erholt sich die Aktie von den jüngsten Verlusten.
21.01.2015 11:10
Lorenz Burkhalter
CEO Richard Ridinger von Lonza kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Für 2015 gibt er sich noch bedeckt.
CEO Richard Ridinger von Lonza kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Für 2015 gibt er sich noch bedeckt.
Bild: cash

(Ergänzt um die Kommentare von Händlern, Baader Helvea und Kepler Cheuvreux)

Ein Börsenliebling droht in Ungnade zu fallen: Der von Lonza für das Geschäftsjahr 2014 vorgelegte Zahlenkranz weiss nicht zu überzeugen. Sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Kerngewinn werden die jeweiligen Konsensschätzungen verfehlt. Nur dank Sonderfaktoren liegen der operative Gewinn sowie der Reingewinn darüber.

Wenig überraschend setzt der Basler Pharmazulieferer seine Zielsetzungen für die nächsten 12 Monate aus. Nach der Aufhebung des SNB-Mindestkurses werden die Aktionäre bezüglich neuer Ziele auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet.

Nach dem jüngsten Rückschlag weist die Lonza-Aktie an der Schweizer Börse SIX klare Erholungstendenzen auf. Dank aggressiven Deckungskäufen aus dem Ausland gewinnt sie in einem regen Handel 3,3 Prozent auf 97,60 Franken. Vor Wochenfrist stand der Kurs allerdings noch bei 124 Franken.

Vorsicht gehaltener Ausblick enttäuscht

Analysten sind sich uneinig und verunsichert. Einem Kommentar aus dem Hause Vontobel ist zu entnehmen, dass der operative Kerngewinn die bankeigenen Erwartungen in der zweiten Jahreshälfte klar übertroffen habe. Der Verfasser wähnt das Unternehmen im wichtigen Bereich Pharma & Biotech auf Zielkurs und will seine Schätzungen nur geringfügigen Anpassungen unterziehen.

Vom wagen Ausblick für das neue Jahr zeigt sich der Analyst hingegen leicht enttäuscht. Er empfiehlt die Aktie zwar weiterhin zum Kauf, nimmt das 110 Franken lautende Kursziel jedoch in negative Revision.

Jahresergebnis von Sonderfaktoren geprägt

Der für die UBS Investmentbank tätige Berufskollege erwartet, dass Lonza erst Ende April mit konkreten Zielsetzungen aufwarten wird. Er stösst sich ausserdem an der leicht höher als erwarteten Verschuldung. Die Dividendenerhöhung legt man bei der Grossbank als einen Vertrauensbeweis in die zukünftige Barmittelgenerierung aus. Noch wird die Aktie mit einem 12-Monats-Kursziel von 122 Franken zum Kauf empfohlen.

Deutlich zurückhaltender äussert sich die Zürcher Kantonalbank. Sie führt den besseren operativen Kerngewinn sowie den Reingewinn auf Sonderfaktoren wie tiefere Restrukturierungskosten, einen geringeren Finanzaufwand sowie eine tiefere Steuerrate zurück. Auch die Barmittelgenerierung und die Entwicklung der Nettoverschuldung bezeichnet der verantwortliche Analyst als enttäuschend. Er stuft die Aktie deshalb unverändert mit "Marktgewichten" ein.

Starker Franken - und fehlendes Einsparpotenzial

Der Berufskollege von J. Safra Sarasin lobt den in den letzten Jahren erzielten Turnaround. Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank stelle allerdings die Wettbewerbsfähigkeit von Lonza in Frage. Dasselbe gelte für die zukünftige Rentabilität. Nach den Kosteneinsparungen und den Restrukturierungen der vergangenen Jahre sei unklar, ob weitere Massnahmen den gewünschten Erfolg bringen würden. Der Analyst hält daher am "Neutral" lautenden Anlageurteil fest.

Bei Kepler Cheuvreux wird der Standpunkt vertreten, dass der Schuldenabbau länger als bislang erwartet dauern werde. Schliesslich sei Lonza zu 90 Prozent in Franken verschuldet. Seit dem SNB-Entscheid vom vergangenen Donnerstag wird die Aktie mit "Reduce" und einem Kursziel von 75 Franken zum Verkauf empfohlen.

Zuversichtlicher ist der für Baader Helvea tätige Analyst. Er bezeichnet den vorliegenden Zahlenkranz zwar als durchzogen, findet gleichzeitig jedoch Gefallen am starken Wachstum. Das Anlageurteil bleibt deshalb "Buy" und das Kursziel vorläufig bei 130 Franken.