Luxus-Markt stagniert in 2016 - reiche Chinesen bleiben daheim

Der weltweite Markt für Luxusgüter wird in diesem Jahr nicht mehr wachsen. Das geht aus Prognosen des Marktforschers Bain & Co. hervor.
21.10.2016 20:01
Besucher des Wangfujing-Nachtmarkts in Peking: Die reichen Chinesen sind mit dem Geld ausgeben aber zunehmend zurückhaltend.
Besucher des Wangfujing-Nachtmarkts in Peking: Die reichen Chinesen sind mit dem Geld ausgeben aber zunehmend zurückhaltend.
Bild: cash

Die Branche kämpft damit, eine der schwächsten Phasen seit der globalen Rezession hinter sich zu lassen. Der Umsatz mit persönlichen Luxusgütern wie etwa Jacken von Louis Vuitton und Handtaschen von Hermès wird im laufenden Jahr schätzungsweise bei rund 249 Mrd. Euro verharren. Das wäre die schwächste Entwicklung seit 2009 auf der Basis von konstanten Wechselkursen. Bei aktuellen Kursen sei sogar ein Rückgang von einem Prozent zu verzeichnen, schätzt Bain.

Der Ausblick passt zu pessimistischen Nachrichten aus der Branche. Burberry berichtete gerade erst in dieser Woche von Rückgängen im asiatischen Geschäft und sich verschlechternden Ergebnissen in der Grosshandelssparte.

«Neue Normalität» im Luxus-Markt

Der Luxus-Markt tritt in die Phase einer langsameren "neuen Normalität" ein, sagt Claudia D’Arpizio, Leiterin der Luxus-Sparte von Bain & Co. Das obere Ende des Marktes "wird in der nahen Zukunft keine enorme Anzahl von neuen Kunden bekommen".

Ihrer Meinung nach wird die aufstrebende Mittelklasse Chinas das Wachstum nicht in dem Ausmaß antreiben, das Luxusmarken beim vorherigen Boom verzeichnet hätten.

"Es wird einen Krieg um Marktanteile geben", sagt D’Arpizi. "Es gibt bereits Gewinner und Verlierer."

Die Ergebnisse von Modehäusern spiegeln diese neue Realität womöglich bereits wider. Im vergangenen Monat erklärte die Schweizer Cie Financière Richemont, zu der unter anderem die Uhrenmarke Vacheron Constantin gehört, dass der Gewinn im ersten Halbjahr wahrscheinlich um rund 45 Prozent sinken wird, und Hermès International SCA gab das Ziel eines Umsatzwachstums von acht Prozent auf. Nur Tage später jedoch konnte Branchenführer LVMH die Prognosen von Analysten schlagen.

Auf dem chinesischen Festland, wo die Verlangsamung die Luxus-Branche am stärksten belastet hat, setze gerade eine Erholung nach drei Jahren der Stagnation ein, heißt es bei Bain.

China hatte sich von einem Treiber des Luxus-Markes fast zu einer Bremse für den Sektor entwickelt. Dahinter stand vor allem ein Rückgang bei den chinesischen Touristen, die in Länder wie etwa Frankreich fliegen.

Und jene Chinesen, die sich auf Reisen begeben, wählen in diesen Tagen eher das britische London mit seinen vielen Brexit-Rabatten und weniger die edle Champs-Elysees in Paris. Steuerfreie Einkäufe in Frankreich werden Prognosen zufolge in diesem Jahr um ein Fünftel einbrechen. Ein Faktor hierbei dürften auch Sorgen im Zusammenhang mit Terror-Anschlägen sein.

(Bloomberg)