Luxusgüter - Anleger gehen bei Richemont in Lauer-Stellung

Mit einem starken Zwischenbericht von Richemont geht die diesjährige Berichterstattung der SMI-Firmen zu Ende. Allerdings fällt die zuvor starke Luxusgüteraktie überraschend Gewinnmitnahmen zum Opfer.
13.09.2017 11:42
Von Lorenz Burkhalter
Eine Vacheron Constantin-Uhr aus dem Richemont-Konzern.
Eine Vacheron Constantin-Uhr aus dem Richemont-Konzern.
Bild: Bloomberg

Seit Wochen wird dem Luxusgüterkonzern Richemont gerüchteweise einen starken Start ins neue Geschäftsjahr nachgesagt. Folglich trennen die Aktie des traditionsreichen Unternehmens aus Genf nur noch wenige Franken vom Rekordhoch vom Spätsommer vor vier Jahren.

Und tatsächlich weiss der im Vorfeld der Generalversammlung vom Mittwoch abgegebene Zwischenbericht selbst die aufgebauschten Analystenschätzungen zu übertreffen. Nicht zuletzt dank einer günstigen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr steigt der Umsatz in den ersten fünf Monaten des Fiskaljahres 2017/18 in der Bilanzwährung Euro um 10 Prozent (erwartet: 9 Prozent) und in Lokalwährungen gar um 12 Prozent (erwartet: 10 Prozent).

Dennoch fällt die Richemont-Aktie an der Schweizer Börse SIX Gewinnmitnahmen zum Opfer. Nach frühen Tagestiefstkursen von 86,80 Franken verliert sie zur Stunde noch 1,7 Prozent auf 87,35 Franken. Beobachtern zufolge gehen die Anleger nach der starken Kursentwicklung der letzten Wochen erst einmal in Lauer-Stellung.

"Das (Luxusgüter-)Imperium schlägt zurück", titelt der für die Zürcher Kantonalbank tätige Autor eines Kommentars. Damit spielt er auf die bekannte Kino-Reihe "Krieg der Sterne" an. Seines Erachtens übertrifft das Umsatzwachstum in Lokalwährungen die Erwartungen vor allem dank einer starken Erholung im Grosshandelsgeschäft. Um die bekannten Lagerrückkäufe vergangener Tage habe das Wachstum nur 7 Prozent betragen, so schreibt der Analyst. Er begrüsst die Verbesserung des Produktmix in Richtung des hochmargigen Schmuckgeschäfts und erhofft sich in diesem Zusammenhang steigende Konsensschätzungen. Die Richemont-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Starkes Schmuckgeschäft sowie Erholung in China und Hongkong

Ebenfalls positive Worte findet der Berufskollege von Baader-Helvea. Allerdings verweist er einerseits auf die weltweit wieder erwachte Nachfrage nach Uhren und anderen Luxusgütern und andererseits auf die relativ geringe Vergleichsbasis aus dem Vorjahr. Dennoch sieht auch er Raum für leicht nach oben gerichtete Konsenserwartungen. Der Analyst stuft die Aktie vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 80 Franken ein.

Kursentwicklung der Richemont-Aktie rund um den Zwischenbericht (Quelle: www.cash.ch)

Bei Kepler Cheuvreux und RBC Capital Markets wird das starke Abschneiden im Schmuckgeschäft als eigentlicher Lichtblick des Zwischenberichts bezeichnet. Dasselbe gelte für das prozentual zweistellige Absatzwachstum in den Schlüsselmärkten China und Hongkong, so heisst es weiter.

Investmentbank schwenkt von negativ auf positiv für die Aktie um

Die Luxusgüteranalystin von Morgan Stanley fühlt sich im Zwischenbericht gar in ihrer Meinung bestärkt, dass die Richemont-Aktie unter Umständen gar auf 150 Franken klettern könnte. Gerade am starken Wachstumsbeitrag aus dem als margenstark geltenden Schmuckgeschäft findet sie sichtlich Gefallen. Offiziell wird die Aktie mit "Overweight" und einem Kursziel von 103 Franken zum Kauf empfohlen.

Wie aus London zu hören ist, nimmt die Bank of America Merrill Lynch den Zwischenbericht zum Anlass, um die Richemont-Aktie um zwei Stufen von "Underperform" auf "Buy" heraufzustufen. Angeblich erhofft man sich bei der amerikanischen Investmentbank vom starken Schmuckgeschäft ausgehend positive Auswirkungen auf die Margenentwicklung.

Dass die Aktie dennoch unter Druck steht, führen Händler auf die enttäuschende Absatzentwicklung in Europa sowie auf die sich als voreilig erweisende Hoffnung auf eine Erhöhung der firmeneigenen Gewinnprognosen zurück.