Luxusgüterkonzern - Schmuckgeschäft rettet Richemont im Halbjahr nicht

Richemont blickt auf eine enttäuschende erste Jahreshälfte zurück. Selbst das Schmuckgeschäft verhindert nicht, dass der Luxusgüterkonzern die Erwartungen klar verfehlt. Die Aktie gerät unter starken Verkaufsdruck.
09.11.2018 16:09
Von Lorenz Burkhalter
Ein Uhrmacher aus dem Richemont-Konzern arbeitet an einem Uhrwerk.
Ein Uhrmacher aus dem Richemont-Konzern arbeitet an einem Uhrwerk.
Bild: Bloomberg

In den letzten Jahren rettete das Schmuckgeschäft dem Genfer Luxusgüterhersteller Richemont regelmässig das Gruppenergebnis. Wie das am frühen Freitagmorgen veröffentlichte Ergebnis zeigt, konnte aber selbst dieser florierende Geschäftszweig das Ruder in der ersten Hälfte des Fiskaljahres 2018/19 nicht herumreissen.

Denn obwohl das Schmuckgeschäft den operativen Gewinn zwischen April und September im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro steigerte, bleibt der operative Gewinn (EBIT) auf Gruppenebene mit 1,13 Milliarden Euro weit hinter den 1,32 Milliarden Euro lautenden Analystenerwartungen zurück.

Nicht nur das Uhrengeschäft trägt weniger als erhofft zum Umsatzwachstum und zum operativen Gewinn bei, auch das durch Yoox-Net-a-Porter und Watchfinder verstärkte Onlinegeschäft schreibt überraschend einen Verlust. Alles in allem birgt der Zahlenkranz nicht viel, was den Aktionären Freude machen dürfte.

Wenig überraschend wird die Richemont-Aktie an der Schweizer Börse SIX um 7,2 Prozent auf 68,50 Franken zurückgebunden. Die Gewinnflaute im Uhrengeschäft setzt auch der Inhaberaktie des Rivalen Swatch Group zu. Sie verliert zur Stunde noch 5,6 Prozent auf 320,60 Franken.

Einmalige Kosten belasten den Konzerngewinn 

Gleich mehrere Analysten räumen ein, dass sie den Margendruck im Zusammenhang mit dem Ausbau der Onlinepräsenz unterschätzt hätten. Enttäuscht zeigt man sich auch von der Absatzsituation und der Margenentwicklung im Geschäft mit Luxusuhren.

Von der Differenz zwischen den Fünfmonatsumsatzzahlen anlässlich der Generalversammlung von Mitte September und dem vorliegenden Halbjahresergebnis schliesst die Luxusgüteranalystin der UBS Investmentbank auf eine deutliche Wachstumsverlangsamung im September. Sie berichtet von einem schwachen September im Detailhandelsgeschäft sowie in Asien. Was den tiefer als erwartet ausgefallenen operativen Konzerngewinn (EBIT) anbetrifft, so schlägt die UBS-Analystin hingegen verteidigende Töne an. Sie verweist auf einmalige Kosten. Die Richemont-Aktie wird bei der Grossbank weiterhin mit "Neutral" eingestuft, das 90 Franken lautende 12-Monats-Kursziel dürfte hingegen nach unten angepasst werden.

Ähnlich äussert sich der für die Zürcher Kantonalbank tätige Berufskollege. Um den Onlinevertrieb und einen Veräusserungsverlust bereinigt bewege sich das Konzernergebnis im Rahmen der Erwartungen, so schreibt er. Der ZKB-Analyst verweist dabei auf die Bruttogewinnmarge. Diese fiel mit 62,5 Prozent sogar um 30 Basispunkte besser als von ihm erwartet aus. Der Analyst empfiehlt die Richemont-Aktie wie bis anhin mit "Übergewichten" zum Kauf.

Wann belebt sich das Geschäft mit Luxusuhren endlich wieder?

Auch bei der Bank Vontobel macht man vorwiegen einmalige Faktoren für die Gewinnenttäuschung verantwortlich. Angesichts der tieferen Margen im Onlinevertrieb nimmt die Zürcher Bank das 106 Franken lautende Kursziel in negative Revision. Die Aktie wird in Erwartung einer längerfristigen Belebung im Uhrengeschäft unverändert zum Kauf empfohlen. Die DZ Bank nimmt den Kurseinbruch gar zum Anlass, um die Richemont-Aktie in Erwartung einer besseren zweiten Jahreshälfte von "Halten" auf "Kaufen" heraufzustufen. Der faire Wert wird neu noch mit 79,50 (zuvor 88) Franken angegeben.

In diesem Bereich, auch Specialist Watchmakers genannt, wartet Richemont zwar mit einem leichten Umsatzwachstum von 2 Prozent auf. Entsprechende Vontobel-eigene Schätzungen lagen bei mehr als dem Doppelten. Auch der Beitrag von 286 Millionen Euro zum operativen Gewinn weiss nicht zu überzeugen. Erwartet worden war ein Beitrag von 310 Millionen Euro.

In Analystenkreisen wird auf die günstigere Vergleichsbasis für die zweite Jahreshälfte hingewiesen, sah sich Richemont im Uhrengeschäft im vergangenen Jahr doch zum Rückkauf von Ladenhütern im Gegenwert von gut 200 Millionen Euro gezwungen. Diese Bereinigung entlang der Absatzkanäle dürfte sich zusehends bezahlt machen.