Luxusgüteraktien drücken Schweizer Börse ins Minus

Die Schweizer Börse hat am Freitag leicht nachgegeben. Der Markt sei zum Wochenschluss auf einen Konsolidierungskurs eingeschwenkt, sagen Händler.
15.07.2016 17:45
Hatte am Freitag keine guten Nachrichten für die Aktionäre: Swatch-Chef Nick Hayek.
Hatte am Freitag keine guten Nachrichten für die Aktionäre: Swatch-Chef Nick Hayek.
Bild: Bloomberg

Überraschend guten US-Konjunkturzahlen standen insgesamt enttäuschende Firmenbilanzen gegenüber. Zudem wollten die Anleger nach den jüngsten Kurszuwächsen einen Teil ihrer Gewinne ins Trockene bringen. Der SMI gibt 0,2 Prozent auf 8156 Punkte nach. Gegenüber der Vorwoche hat der Leitindex rund 1,4 Prozent gewonnen.

Der Anschlag in Nizza mit mehr als 80 Toten habe die Marktteilnehmer aufgeschreckt, sich aber nicht direkt auf die Märkte ausgewirkt. "Beim Konsum und bei Reisen dürften die schrecklichen Bilder aber eher früher als später zu Buche schlagen", sagt ein Händler. Die Anleger agierten vorsichtig und warteten mit Käufen eher zu. In der Nacht nach dem traditionellen Feuerwerk zum Nationalfeiertag war an der berühmten Strandpromenade von Nizza ein Attentäter mit einem schweren Lastwagen in die Menge gerast. Noch immer ringen Dutzende Menschen um ihr Leben. Die Polizei erschoss den Mann, bei dem es sich um einen Kleinkriminellen tunesischer Herkunft handeln soll.

Die Ergebnisse der US-Grossbanken fielen durchzogen aus. Bei der Citigroup war der Gewinnrückgang weniger stark als befürchtet. Wells Fargo dagegen musste mehr Geld für mögliche Kreditausfälle im Energiebereich zurücklegen. Sowohl Citi-Aktien wie auch die Wells-Fargo-Anteile notieren schwächer. Branchenprimus J.P. Morgan hatte am Donnerstag besser als erwartete Zahlen vorgelegt und damit den Börsen zu Rekordkursen verholfen.

Enttäuschte Swatch-Anleger

Enttäuscht zeigten sich die Marktteilnehmer von Swatch. Der weltgrösste Uhrenproduzent hat einen Gewinneinbruch um 50 bis 60 Prozent im ersten Halbjahr angekündigt. Die Aktien brechen 7,8 Prozent ein und notierten zeitweise so tief wie seit End 2009 nicht mehr. Im Sog von Swatch fallen auch die Titel von Rivalin Richemont um 3,1 Prozent.

Die Finanzwerte büssen anfängliche Kursgewinne wieder ein. Die Aktien der Credit Suisse sind gehalten und die der UBS liegen 0,2 Prozent im Minus. Die Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel geben 0,5 und 1,1 Prozent nach. Die Versicherungsaktien notieren knapp 1 Prozent im Minus.

Unter Druck standen die Aktien von EFG mit 6,6 Prozent Abschlag. Die Privatbank übernimmt beim Konkurrenten BSI in Singapur früher als geplant das Ruder. Citigroup nahm die Empfehlung für den Vermögensverwalter auf "Hold" von "Buy" zurück.

Der als krisensicher geltende Pharmawert Roche gewinnt 0,6 Prozent an Wert. Novartis geben dagegen leicht nach. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestlé, die am Vortag ein Rekordhoch erreicht hatte, ermässigen sich 0,3 Prozent.

Zykliker wenig gehandelt

Die Anteile der zyklischen Firmen zeigten sich meist wenig verändert. "Die Anleger halten sich einfach mit Käufen zurück", sagt ein Händler. Die Aktien von Adecco und Lafarge-Holcim sinken, Clariant und Geberit gewinnen leicht an Wert. Oerlikon sind unverändert. Der Anlagenbauer hat die behördlichen Genehmigungen zum Verkauf der Vacuum-Sparte an Atlas Copco erhalten. Oerlikon erwartet Netto-Mittelzuflüsse von rund 330 Millionen Franken.

Am breiten Markt legen die Aktien von Santhera nach dem Kurssturz vom Vortag 2 Prozent zu. Die Pharmafirma hatte am Donnerstag mehr als ein Drittel an Wert verloren, nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Vorhaben eine Absage erteilt hatte, rasch einen Zulassungsantrag für das Medikament Raxone zur Behandlung von Patienten mit fortschreitendem Muskelschwund zu stellen.

Gefragt waren EMS-Chemie mit 1,2 Prozent Kursplus. Der Polymerhersteller steigerte das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr um knapp 17 Prozent gesteigert und will eine höhere Dividende von 15 Franken ausschütten. Die Straumann-Aktien verlieren 3,5 Prozent. J.P. Morgan hat den Zahnimplantate-Hersteller auf "Underweight" von Neutral" zurückgestuft.

(Reuters)