Machen die Aktien Vekselberg unglücklich?

Die Schweizer Beteiligungen von Grossinvestor Viktor Vekselberg kämpfen mit Bad News und mit tiefen Aktienkursen. Die Krise von Schmolz+Bickenbach trübt das Bild noch zusätzlich.
13.10.2015 14:58
Von Marc Forster
Viktor Vekselberg hält massgeblichen Einfluss bei Sulzer, OC Oerlikon, Schmolz+Bickenbach sowie Züblin Immobilien.
Viktor Vekselberg hält massgeblichen Einfluss bei Sulzer, OC Oerlikon, Schmolz+Bickenbach sowie Züblin Immobilien.
Bild: Bloomberg

Viktor Vekselberg, der öffentlichkeitssscheue russische Milliardär, hat es offenbar auf Unternehmen in Schwierigkeiten abgesehen. Keines der Schweizer Unternehmen, an denen der 58-jährige Beteiligungen hält, ist problemfrei. Schmolz+Bickenbach und Züblin sind sogar Firmen, bei denen er die Macht in Krisenzeiten übernommen hat. Wie aber entwickelten sich die Aktienkurse dieser Firmen? Eine Übersicht:

Schmolz+Bickenbach: Vor ziemlich genau zwei Jahren hat Vekselberg über seine Investitionsvehikel die Kontrolle beim Schweizer Spezialstahlhersteller mit deutschen Wurzeln übernommen. Heute liegt der Kurs um 22 Prozent tiefer, Schmolz+Bickenbach ist ein "penny stock" für aktuell 63 Rappen, Dividende gibt es keine. Operativ hat der Stahlhersteller Fortschritte gemacht, doch die Schuldenlast und nunmehr die fallenden Rohstoffpreise belasten die Industriegruppe. Für die Aktie braucht es eine gewisse Risiko-Bereitschaft: Zumindest Investoren vom Schlage eines Viktor Vekselberg, der gut ein Viertel der Aktien besitzt, verfügen über diese.

Sulzer: Bei Sulzer liefen die Dinge zuletzt nicht in Vekselbergs Sinn. Nach der erforderlichen Lancierung eines Pflichtangebots Vekselbergs an die übrigen Aktionäre fiel der Ölpreis weiter, mit negativen Auswirkungen auf die Sulzer-Aktie. Bei gebotenen 99,20 pro Aktie sahen viele Sulzer-Aktionäre ihren Vorteil und griffen zu, womit Vekselberg – wohl ohne es zu wollen – an 63 Prozent der Aktien und damit die Mehrheit kam. Im Vergleich zu Anfang 2009, als Vekselberg mit rund einem Drittel der Aktien effektiv die Kontrolle bei Sulzer übernommen hatte, liegt der Kurs des Industriekonzerns um rund zwei Drittel höher. Vom Mehrjahreshoch im Juli 2013 gerechnet sind die Valoren aber um 40 Prozent gefallen.

OC Oerlikon: Vekselberg hat die Kontrolle bei OC Oerlikon seit 2008. Verglichen mit damals ist der Aktienkurs des wechselhaften Industriekonglomerats um etwa 80 Prozent tiefer. In der Finanzkrise 2008 kollabierte die hochverschuldete Firma, die davor mit Riesenkrediten den Textilmaschinenbauer Saurer gekauft hatte, beinahe. In letzter Minute stand im April 2010 ein Sanierungsplan mit Kapitalschnitt und Kapitalerhöhung, was Vekselberg rund 400 Millionen Franken kostete. Sein Aktienanteil fiel von über 50 auf 43 Prozent. Oerlikon ist seitdem ein Beispiel für einen gelungenen Turnaround. Wegen des hohen Umsatzanteils in China von 28 Prozent macht sich Oerlikon aber wegen der dortigen Konjunkturschwäche Sorgen.

Züblin: Elf schwierige Jahre sind beim Immobilienunternehmen vergangen, seitdem Vekselberg eingestiegen ist. Der Zerfall der Aktie beträgt 95 Prozent. 2007 waren Züblin einmal 12,95 Franken wert, heute ist die Firma wie Schmolz+Bickenbach ein penny stock mit 43 Rappen Wert. Der Wert des Immobilienparks sank von 2 Milliarden Franken 2008 auf 320 Millionen Franken. Die Beteiligungsgesellschaft Lamesa, hinter der Vekselberg steht, besitzt 33 Prozent der Aktien und hält Züblin mit gut verzinsten Darlehen über Wasser. Lamesa hat aber auch Kapitalmassnahmen verschoben. In wenigen Tagen, am 29. Oktober, sollen die Aktionäre nun über Kapitalrestrukturierungsmassnahmen abstimmen, die dem angeschlagenen Unternehmen einen Neubeginn ermöglichen sollen. Züblin hat sich auf die Schweiz und Deutschland fokussiert und sich zuletzt vom Frankreich-Geschäft verabschiedet, um für den Neustart Ballast abzuwerfen.

Von den Kursentwicklungen her hatte Vekselberg bisher wenig von seinen Investments. Allerdings ist auch wenig bekannt, was der russische Milliardär mit seinen Firmen vor hat. Befürchtungen, er wolle Firmen ausschlachten oder weiterverkaufen, haben sich nicht bewahrheitet. Bei Sulzer bestanden diese Ängste 2009 sehr konkret. Seitdem ging aber lediglich der Verkauf der Sulzer-Oberflächentechnologie-Sparte Metco an OC Oerlikon über die Bühne: Der Deal von 2014 wurde von Analysten als sinnvoll bezeichnet, weil er Oerlikons Portefeuille ergänzt und Sulzer Geld in die Kasse schwemmt - das seitdem allerdings ungenutzt herumliegt.

Vekselberg gibt wenig Interviews und tritt wenig in der Öffentlichkeit auf. Es bleibt ein Geheimnis, wie er mit der schlechten Aktienperformance seiner Investments umgeht.