Märkte 2019 - Auf einige Punkte müssen Aktienanleger im Moment achten

Die US-Investmentbank Morgan Stanley nennt die wichtigsten Punkte, die Aktienanleger in den kommenden Monaten beschäftigen werden. Auch für Schweizer Anleger sind sie von Bedeutung.
19.09.2019 09:39
Von Lorenz Burkhalter
Wie werden sich die Kurse an den Börsen entwicklen?
Wie werden sich die Kurse an den Börsen entwicklen?
Bild: Pixabay

Viele Banken sind für die kommenden Monate positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Doch es gibt auch andere, vorsichtigere Stimmen. Eine dieser Stimmen gehört Morgan Stanley. Die US-Investmentbank erachtet europäische Aktien nach der jüngsten Kurserholung als ausgereizt. Sie nennt in diesem Zusammenhang zehn Dinge, denen Aktienanleger in der Zeit bis Ende Jahr unbedingt Beachtung schenken sollten.

Aus Schweizer Sicht sind insbesondere folgende Dinge von grösserer Bedeutung:

Fällt die Weltwirtschaft in eine Rezession?

Die für Morgan Stanley tätigen Ökonomen rechnen im weiteren Jahresverlauf weltweit mit einer weiteren wirtschaftlichen Wachstumsverlangsamung. Ihres Erachtens ist die Gefahr einer Rezession zuletzt deutlich gestiegen.

Diese Gefahr sei bei europäischen Aktien noch nicht vollständig eingepreist, so warnt die US-Investmentbank. Bankeigenen Berechnungen zufolge weisen zyklische Aktien durchschnittlich nur gerade einen Bewertungsabschlag von 8 Prozent gegenüber konjunkturresistenten Aktien auf. Im Rezessionsfall kann dieser Bewertungsabschlag locker 15 bis 30 Prozent betragen.

Am Schweizer Aktienmarkt tragen konjunkturresistente Valoren wie jene von Nestlé, Roche und Novartis gut 60 Prozent zur Gesamtkapitalisierung des Swiss Market Index (SMI) bei.

Sind Aktien angemessen bewertet?

Diese Frage beantwortet Morgan Stanley mit einem klaren "Ja". Aus Sicht der US-Investmentbank wär im momentanen Umfeld ein Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) zwischen 13 und 14 angebracht. Auf den Gewinnschätzungen für die nächsten 12 Monate errechnet sich für europäische Aktien denn auch ein KGV von 13,3.

Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Aktienmarktbewertung gegen Ende eines Wirtschaftszyklus rückläufig ist. Für gewöhnlich fällt das KGV in den acht Monaten nachdem die Arbeitslosenquote ihren Tiefststand erreicht hat um durchschnittlich 16 Prozent.

Aufgrund des hohen Gewichts von Aktien aus den Wirtschaftszweigen Nahrungsmittel und Pharma weist der Schweizer Aktienmarkt seit je her eine etwas höhere Bewertung auf. Das KGV des SMI liegt bei 17,3.

Sind die Bewertungsunterschiede zu extrem?

Morgan Stanley zufolge waren die Bewertungsunterschiede zwischen den verschiedenen Branchen nur während des Technologiebooms Ende der Neunzigerjahre noch extremer als heute. Das gilt einerseits für einige konjunkturresistente Aktien, andererseits aber auch für die Aktien einiger Wachstumsunternehmen. Am Schweizer Aktienmarkt gelten unter anderem Straumann (KGV 36) und Temenos (KGV 48) als Wachstumsunternehmen.

Die US-Investmentbank rechnet nicht mit einer raschen Normalisierung dieser markanten Bewertungsunterschiede. Jedoch warnt sie davor, dass hochbewerteten Aktien eine scharfe Kurskorrektur blühen könnte, sollten die Zinsen Boden finden. Das schwierigere Wirtschaftsumfeld macht aber auch teure zyklische Aktien verletzlich.

Versprechen Aktienrückkäufe Linderung?

Wie Berechnungen von Morgan Stanley zeigen, liess sich der Gesamtmarkt mit Aktien von europäischen Unternehmen mit einem Aktienrückkaufprogramm über die letzten fünf Jahre klar schlagen. Angesichts der historisch tiefen Zinsen berichtet die US-Investmentbank von einer zunehmenden Rückkauftätigkeit in Europa und sieht darin eine wichtige Stütze für die Aktienmärkte.

Auch in der Schweiz kaufen zahlreiche Firmen eigene Aktien zurück. Unter ihnen sind etwa der Gesundheitskonzern Novartis, die Grossbank UBS oder auch der Nahrungsmittelhersteller Nestlé.

Sind mögliche Kurstreiber am Horizont?

Morgan Stanley berichtet von einem nachlassenden Optimismus rund um geldpolitische Impulse. Die US-Investmentbank schliesst zwar nicht aus, dass europäische Aktien überdurchschnittlich gut abschneiden, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre erst kürzlich bekanntgegebenen Wertschriftenkäufe kräftig ausbauen.

Doch selbst wenn die bankeigenen Ökonomen nicht mit fiskalpolitischen Lockerungsmassnahmen wie etwa einem Konjunkturprogramm in Deutschland rechnen, sieht Morgan Stanley auch darin einen möglichen Kurstreiber.

Hierzulande gilt übrigens der erst im April an die Börse gekommene Schienenfahrzeugspezialist Stadler Rail als Gewinner von fiskalpolitischen Impulsen (cash berichtete).

 
Aktuell+/-%
SMI10'706.59+1.75%
Nestle N96.93+2.03%
Roche Hldg G300.25+0.77%
Novartis N79.69+1.92%
Straumann Hldg N1'125.00+2.37%
TEMENOS N125.65+2.36%
UBS Group N14.405+2.16%
Stadler Rail N45.24-0.35%