Management-TransaktionenWo die Firmenchefs mit Aktien Kasse machen - und wo sie dazukaufen

Top-Manager von Lindt stossen millionenschwere Aktienpakete ab, während bei anderen Schweizer Firmen das Management Titel der eigenen Firma kauft. Ein Überblick über die jüngsten Management-Transaktionen.
06.02.2017 19:05
Von Marc Forster und Daniel Hügli
Käufe und Verkäufe von Top-Managern müssen der Börse gemeldet werden.
Käufe und Verkäufe von Top-Managern müssen der Börse gemeldet werden.
Bild: ©kebox/Fotolia.com

Am 1. Februar verkaufte mindestens ein Mitglied der Firmenleitung von Lindt & Sprüngli in drei Transaktionen Partizipationsscheine (PS) im Wert von insgesamt knapp 1,64 Millionen Franken. Diese Informationen gehen aus den öffentlich einsehbaren Meldungen der SIX Group hervor.

Hier können Interessierte nachschauen, ob und wieviele Aktien der eigenen Firmen die Top-Manager und Verwaltungsräte auf privater Basis kaufen und verkaufen. Interessant sind die Angaben deshalb, weil sich Anleger Hinweise über den Geschäftsgang der Firmen erhoffen. Denn die "Insider" kennen ja den operativen Zustand ihrer Unternehmen genau. Allerdings sind die Angaben auf der Six-Seite oft unkommentiert und für Anleger somit schwierig zu interpretieren.

Lindt ist zum Beispiel eine Firma, die in den Meldungen der Management-Transaktionen häufig mit sehr hohen Beträgen figuriert - und zwar fast ausnahmlos auf der Verkaufsseite.  Im ganzen Januar verkauften Lindt-Manager Aktien für insgesamt vier Millionen Franken. 

Was die Transaktionen genau zu bedeuten haben, kann aus den Meldungen nur ungenügend herausgelesen werden. Teilweise legen die Firmen offen, dass die Transaktionen Teil von Vergütungsprogrammen sind. Dass Manager oder Verwaltungsräte also Aktien zu vergünstigten Konditionen kaufen. Oder dass sie diese verkaufen, weil die Wertpapiere eben als Teil der Vergütungsbestimmungen vorher gesperrt waren. Letzteres kann bei Lindt der Fall sein, entsprechende Hinweise fehlen aber auf der SIX-Website.

Schon in den vergangenen Jahren verkauften Lindt-Manager Partizipationsscheine für viele Millionen Franken. Lindt betont immer wieder, dass Optionen auf die PS im Vergütungssystem wichtig seien. Für drei bis fünf Jahre sind diese Papiere gesperrt, nach sieben Jahren verfallen sie.

Man kann über Motive meist nur spekulieren

Eine andere Interpretationsmöglichkeit für Wertpapierverkäufe ist, dass Manager für private Zwecke grössere Beträge benötigen, etwa für einen Hauskauf. Aber das ist rein spekulativ. Das Timing für die Transaktionen der Lindt-Papiere in diesem Jahr ist jedenfalls mittelmässig. Ein Lindt-PS ist im Moment 5440 Franken wert, Ende Mai 2016 hätte man pro Anteilschein noch 6240 Franken bekommen. Aber der Januar war noch immer besser als ein Monat zuvor, als der Lindt-PS kurzzeitig auf 4880 Franken fiel.

Interessant ist auch die Transaktion jenes Mitglieds des Novartis-Top-Managements, das ebenfalls am 1. Februar für gut 2 Millionen Franken insgesamt 28‘000 Namenaktien des Pharmariesen verkaufte. Ein paar Tage zuvor hatte Novartis die Jahreszahlen für 2016 bekanntgegeben. Ein Zufall? Nein. An diesem Beipsiel sieht man die Einhaltung der so genannten "Quiet period" von Firmen. Das sind gewisse Zeitspannen (in der Regel einige Wochen) vor der Veröffentlichung von Unternehmenszahlen, in denen Handelssperren für die Firmenverantwortlichen gelten. 

Handkehrum darf man sich beim Baselbieter Chemieunternehmen Bachem auch fragen, ob es zu Gewinnmitnahmen gekommen ist. Dort hat ein Top-Manager (oder zwei) im Januar in zwei Transaktionen Aktien im Wert von über einer halben Million Franken verkauft. Bachem war eine der besten Schweizer Aktien im Jahr 2016 und hat auch im neuen Jahr wieder über 20 Prozent zugelegt.

Verkäufe können Hinweise sein

Die Information, dass Aktien von Mitgliedern der Verwaltungsräte und Firmenleitungen gekauft wurden, sind für Anleger in der Regel aber interessanter als die Wertpapier-Verkäufe - wenngleich auch hier gilt: Genaues über die Umstände weiss man meistens nicht. Aber wenn das Management Aktien des eigenen Unternehmens kauft, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Firmenführung offenbar an eine gute Entwicklung der Firma (und des Aktienkurses) glaubt.

Am auffälligsten sind im Monat Januar diesbezüglich die Vorgänge bei Galenica. Am 31. Januar erfolgten neun Transaktionen im Gesamtwert von fast 1 Million Franken, in denen Aktien des Gesundheitskonzerns gekauft wurden. Immerhin ist hier der Grund bekannt: Es handelt sich um Verwaltungsratshonorare bzw. um Aktien, die zum reduzierten Preis gekauft werden konnten. Allzu viel dürfen Anleger in diese Zahlen nicht hineininterpretieren. Dasselbe gilt auch für die drei Aktien-Käufe bei Logitech, die aus ähnlichen Beweggründen über die Bühne gingen.

Aktienkäufe bei Dufry und Clariant

Interessanter ist die Lage bei Clariant. Dort steigen die Aktien seit Anfang Dezember stark an. Das Kursplus bis heute beträgt fast 20 Prozent. In dieser Hausse kaufte ein (oder mehrere) Topmanager des Basler Chemieunternehmens seit Jahresende Aktien im Wert von knapp 1,8 Millionen Franken, dies in vier Transaktionen. Hier können Anleger und Analysten munter spekulieren, ob es der Firma besser geht als allgemein angenommen.

Einen ähnlich guten Lauf haben die Aktien von Dufry und Ypsomed. Bei erster Firma hat eine einem Verwaltungsrat "nahestehende juristische Person" Aktien im Wert von 3 Millionen gekauft (23. Januar). Bei Ypsomed geschah dasselbe im Umfang von rund 1,3 Millionen Franken. Bei beiden Einträgen fehlen weitere Angaben der Firma, was ebenfalls Raum für Spekulationen offen lässt.

Manager und Verwaltungsräte müssen sich bei den Transaktionen indes immer an interne und externe Richtlinien halten, ansonsten drohen sehr unagenehme Konsequenzen. In den Verdacht geraten, Wissen unerlaubt für Aktiengeschäfte eingesetzt zu haben, ist etwa der frühere UBS-Manager und heutige Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft in Frankfurt.

Es geht dabei um den Erwerb von Deutsche-Börse-Anteilen im Wert von 4,5 Millionen Euro durch Kengeter im Dezember 2015. Zwei Monate danach einigte sich die Deutsche Börse mit der London Stock Exchange (LSE) auf eine Fusion, danach stiegen die Aktienkurse beider Unternehmen deutlich. Sollte sich bestätigen, dass Kengeter im Wissen um diese Pläne Aktien kaufte, hätte er sich strafbar gemacht. 

In der Schweiz ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen den bekannten Sanierer Hans Ziegler wegen des Verdachts auf Insiderhandel, wie Ende November bekannt wurde. Laut Finanzmarktaufsicht geht es um Geschäfte mit Titeln von diversen in der Schweiz kotierten Unternehmen.