Mark Denham - «Nestlé muss mehr in die Marken investieren»

Mark Denham vom französischen Fondshaus Carmignac erwartet im europäischen Aktienmarkt baldige Kursgewinne. Zurückhaltend äussert er sich aber zu grossen SMI-Titeln - besonders einem Schweizer Blue Chip misstraut er.
28.01.2019 15:58
Von Marc Forster
Mark Denham ist Leiter der europäischen Aktienanlagen beim Asset Manager Carmignac Gestion.
Bild: cash

Das Pariser Fondshaus Carmignac Gestion hält in seinen Europafonds derzeit keine Schweizer SMI-Schwergewichte. Nicht, dass man etwas gegen Schweizer Aktien hätte, sagt Mark Denham im cash-Video-Interview - vielmehr haften den grössten kapitalisierten Schweizer Unternehmen aus seiner Perspektive des Stock Pickers einige Probleme an. 

So fällt das Urteil über Nestlé kritisch aus: "Wir sind beim Nahrungsmittelsektor recht vorsichtig", sagt Denham, der bei Carmignac die Sparte Europa-Aktien leitet und damit Einfluss hat auf die Zusammensetzung der hauseigenen Aktienfonds. Er bezweifelt, ob die grossen Multis im Food- und Getränkegeschäft ihre bisher kontinuierlichen Umsatzsteigerungen halten können. Mittlere einstellige Wachstumsraten mit ansehnlichen Margen wie bis anhin seien in Gefahr, wenn Konzerne wie Nestlé nicht handelten.

Grundsätzlich ist die Nestlé-Aktie immer dann eine Anlaufstelle für Investoren, wenn die Märkte unsicher werden. Im so volatilen Umfeld, wie es derzeit herrscht, gewinnt die defensive Aktie. So hat der Kurs seit Ende Dezember um 7,6 Prozent zugelegt. Denham fürchtet aber, dass mittelfristige Prbleme dafür sorgen, dass Unternehmen wie Nestlé gebnau dort unter die Räder kommen, wo sie im Moment am besten unterwegs sind. 

Die Kundengruppen würden immer diverser, und speziell in den bisher wachstumsträchtigen Schwellenländern müsse die Nahrungsmittelbranche dies stärker berücksichtigen, sagt Denham: "Sie müssen mehr in den Aufbau ihrer Marken investieren." Auch die Digitalisierung sei ein grösseres Thema, als dies von manchen wahrgenommen werde und könnte die Aktienkurse noch belasten: "Die Bedrohung durch Amazon und andere Onlinehändler auf den Vertrieb der Nahrungsmittelindustrie muss in den Bewertungen erst noch angemessen berücksichtigt werden."

Pharma grundsätzlich gut

Auch von Banken wie UBS oder Credit Suisse lassen die Fondsmanager von Carmignac die Finger. Die Bankenbranche weise genau jene Merkmale auf, die Carmignac beim Stock Picking ablehne: "Die Profitabilität ist tief und volatil." Ein Bild, das sich zuletzt auch wieder beim Jahresabschluss der UBS gezeigt hat, der vergangene Woche präsentiert wurde. Allerdings fällt Denhams Urteil nicht nur für die beiden Schweizer Geldhäuser schlecht aus, er sieht den gesamten Markt von grossen europäischen Banken kritisch.

Besser fällt sein Verdikt zu Roche und Novartis aus. Carmignac ist zwar bei beiden Schweizer Pharmakonzernen nicht investiert, war dies aber in der Vergangenheit schon und könnte die beiden Titel künftig auf wieder in einige der Fonds aufnehmen. Nur: Der französische Branchengigant Sanofi und der dänische Medikamentenkonzern Novo Nordisk gefallen Denham im Moment einfach besser.

Sanofi ist nach Ansicht des Fondsspezialisten an einem Punkt angelangt, wo das Wachstum wieder einsetzt – Bei Roche und Novartis wartet man im Moment noch etwas auf einen solchen "zündenden Moment". Novo Nordisk wiederum hat den Schweizern voraus, im lukrativen und wachsenden Markt für Diabetesbehandlungen fest verankert zu sein.

Europa lädt bald zum Einstieg ein

Grundsätzlich entwickelte sich der Schweizer Blue-Chip-Markt in den jüngsten Turbulenzen aber besser als die diversen europäischen Indices (cash berichtete). Das vierte Quartal und speziell der Dezember erwies sich für Aktienanleger in Europa als eine Phase der Alpträume. An den europäischen Märkten fielen die wichtigen Indices im Schnitt um rund 10 Prozent.

Beim Euro Stoxx 50 summierte sich das Minus auf 12 Prozent. Der deutsche Markt, gemessen am Dax, sowie Frankreichs CAC40 verloren bis Ende Dezember jeweils fast 15 Prozents ihres Werts von Anfang Oktober. Der Schweizer SMI mit einem Minus von -7,6 Prozent nimmt sich dagegen noch als relativ moderater Verlierer aus.

Im Gleichschritt nach unten: Die europäischen Indices Euro Stoxx 50 (rot), Dax (grün) und CAC40 (gelb) sowie der SMI (violett) im vierten Quartal 2018 (Grafik: cash.ch). 

Die Gründe liegen klar an den schlechten Konjunkturaussichten für den Kontinent, sagt Denham: "Der Aktienmarkt hat dies vorweggenommen, genauso wie die Eintrübung der Gewinnaussichten bei den Unternehmen." Carmignac erwartet 3 bis 4 Prozent Gewinnwachstum in Europa und liegt damit deutlich unter dem Konsens, der von 7 bis 8 Prozent ausgeht. 

In diesen Marktverwerfungen sieht Denham aber klar eine Chance: "Wir sind nahe an einem sehr attraktiven Einstiegszeitpunkt für europäische Aktien." Gerade habe die Berichtsaison zu den Jahresabschlüssen begonnen, während der die Märkte noch volatil sein werden. Die Carmignac-Fonds würden aber in den nächsten Wochen wieder mehr Risiken eingehen und zukaufen. 

Im cash-Video-Interview nennt Mark Denham jene europäischen Sektoren, die in nächster Zeit an der Börse florieren dürften: Unternehmen, die aus eigener Kraft wachsen und reinvestieren könnten. Er erklärt, wieso er die Gesundheitsbranche, Pharma, Medizinaltechnik und Biotechnologie sowie die Tech-Branche allgemein dazu zählt . Er nennt zudem je eine Aktie aus Schweden und Grossbritannien, die er für besonders geeignete Investitionen hält.

Das Gespräch mit Mark Denham fand in Paris am Sitz von Carmignac Gestion an der Place Vendôme statt. cash.ch war zu dieser Pressereise eingeladen. 

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