Markt sieht Draghi als Retter am Markt für Unternehmensanleihen

Investoren setzen darauf, dass die durch das Brexit-Votum ausgelöste Unruhe die Europäische Zentralbank veranlassen wird, den Kauf von Unternehmensanleihen, auszuweiten.
02.07.2016 06:01
EZB-Hauptquartier in Frankfurt.
EZB-Hauptquartier in Frankfurt.
Bild: cash

Die Notierungen für Unternehmensanleihen in Euro, die für EZB-Käufe in Frage kommen, sind gestiegen, seit die britische Bevölkerung sich in einer Volksabstimmung in der Vorwoche für ein Ausscheiden aus der Europäischen Union ausgesprochen hat. Der Kursanstieg steht im Gegensatz zu Verlusten bei Anleihen von Emittenten aus dem Finanzsektor mit vergleichbarer Bonität, die vom Kaufprogramm ausgeschlossen sind. Zudem ist nach dem Brexit-Votum der Markt für Neuemissionen zum Erliegen gekommen.

"Ich denke, die EZB wird das Volumen ihrer Käufe von Unternehmensanleihen weiter aufstocken", sagt Luke Hickmore, leitender Investmentmanager bei Aberdeen Asset Management. Falls die laufenden Käufe zur Stabilisierung beitragen, sollte auch der Markt für Neuemissionen wieder in Gang kommen, ergänzte Hickmore.

Die EZB kann lediglich Anleihen in Euro von Nicht-Finanzunternehmen kaufen, wobei ein Rating im Segment ’Investmentgrade’ von mindestens einer Ratingagentur vorliegen muss. Der Renditeaufschlag der Anleihen von Finanzunternehmen gegenüber Unternehmenspapieren im Segment ’Investment Grade’ ist am Freitag auf den höchsten Stand seit Anfang 2013 geklettert, zeigen Index-Daten von Bank of America Merill Lynch.

Böses Erwachen?

"Es ist schwierig, auf kurze Sicht für Qualitätspapiere europäischer Unternehmen ein negatives Szenario zu sehen, wenn die EZB als größerer Käufer agiert", sagt Stefan Isaacs, Fondsmanager bei M&G Investments in London. "Sie könnten ihre Käufe ausweiten, wenn es nötig ist", merkt Isaacs an.

Zum Stichtag 24. Juni hielt die EZB Unternehmensanleihen im Umfang von 4,90 Mrd. Euro. Das Programm befindet sich dem 8. Juni in der Umsetzungsphase. EZB-Präsident Mario Draghi will damit die Bemühungen intensivieren, Investitionen und Wachstum im Euroraum zu fördern.

Am Markt gibt es indes auch Stimmen, die vor einem bösen Erwachen warnen, wenn das Programm ausläuft. Weite die EZB die Käufe aus, werde es schließlich bei Auslaufen der Käufe noch schmerzhafter, da die Kurse einbrechen dürften, sagt Jeroen van den Broek, Leiter Strategie Anleihen und Analyse bei ING Groep in Amsterdam. "Wenn die EZB jetzt mehr Papiere aufkauft als anfänglich angenommen, in einem wirtschaftlichen Umfeld, das etwas schwächer ist, dann werden wir ein Problem haben, wenn sie das Programm einstellt", sagt van den Broek.

(Bloomberg)