Märkte glauben nicht so recht an US-Zinserhöhung im Dezember

Die Vertreter der amerikanischen Notenbank deuten eine Leitzinserhöhung im Dezember an. Die Märkte scheinen die Zeichen zu ignorieren, doch sie könnten überrascht werden.
22.09.2016 09:21
Von Lorenz Burkhalter
An der Börse in New York glaubt niemand mehr so recht an eine Leitzinserhöhung im Dezember.
An der Börse in New York glaubt niemand mehr so recht an eine Leitzinserhöhung im Dezember.
Bild: Pixabay

Seit vergangener Nacht wissen wir nun: Die amerikanische Notenbank hält bei den Zinsen am Status Quo fest. Das Zielband für die sogenannte Fed Fund Rate bleibt wie gehabt bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Allerdings liessen die Notenbankvertreter in ihrer Erklärung unmissverständlich durchblicken, dass ein weiterer Zinsschritt wahrscheinlicher geworden sei.

Doch obschon man sich in Expertenkreisen überrascht von dieser Aussage zeigt, reagierten die Märkte ziemlich entspannt. Nachdem die amerikanische Notenbank seit beinahe einem Jahr immer wieder eine Leitzinserhöhung ankündigt, sich im letzten Moment dann aber doch noch anders entscheidet, scheinen die Anleger ob diesem Verwirrspiel müde geworden zu sein. Folglich zogen die Aktienkurse in New York an, die Anleihenrenditen fielen und der Dollar schwächte sich ab.

Ein Zinsschritt in der Adventszeit?

Zumindest für den Währungsstrategen von der Commerzbank ist diese entspannte Haltung der Märkte nicht leicht verständlich. Nach Jahren der unkonventionellen Geldpolitik hätten letztere den Realitätssinn verloren, so schreibt er in einem Kommentar.

Der Experte selber rechnet fest mit einem Zinsschritt anlässlich des Dezember-Treffens des Offenmarktausschusses. Er begründet dies zum einen mit der entsprechenden Textpassage in der Erklärung von vergangener Nacht, zum anderen aber auch damit, dass nicht weniger als drei Notenbankvertreter sich an diesem Treffen für eine unmittelbare Leitzinserhöhung stark gemacht haben.

Dennoch fiel die vom Geldmarkt abzuleitende Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im Dezember vergangene Nacht leicht von 62 auf 60 Prozent.

Credit Suisse rechnet mit weiteren Verzögerungen

Für die Commerzbank steht deshalb fest: Irgendwann wird die amerikanische Notenbank die Märkte mit einer Zinserhöhung überraschen müssen. Je länger sich aber ihre Vertreter davor drücken, umso grösser wird der Schock.

Anders die für die Credit Suisse tätigen Ökonomen. Sie gehen davon aus, dass die Notenbankvertreter über die nächsten Monate weiter auf Zeit spielen. Einen weiteren Zinsschritt erwarten sie frühestens im Mai kommenden Jahres. Nur wenn der amerikanische Arbeitsmarkt überhitzen oder die Teuerung anziehen sollte, halten sie einen vorzeitigen solchen für denkbar.

Ganz unschuldig an dieser Situation sind die amerikanische Notenbank und ihre Vertreter nicht. Seitdem sie die Fed Fund Rate im vergangenen Dezember erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise der Jahre 2007/08 um 25 Basispunkte angehoben haben, schieben sie den nächsten Zinsschritt auf die lange Bank.