Markttechnik - Gold ist auf dem Weg zu einem Mehrjahreshoch

Seit Tagen flirtet die Gold-Unze mit ihrem Mehrjahreshoch vom September letzten Jahres. Wird aus diesem Flirt noch mehr? Die Sicht von Chartanalysten.
19.01.2018 09:49
Von Lorenz Burkhalter
Zumindest in Dollar betrachtet ist Gold der Start ins 2018 geglückt.
Zumindest in Dollar betrachtet ist Gold der Start ins 2018 geglückt.
Bild: Bloomberg

Nicht nur den Aktien, auch Gold ist der Start ins Jahr 2018 geglückt. In den letzten Tagen kletterte der Preis für eine Unze in der Spitze bis auf 1344,73 Dollar. Bis zum Mehrjahreshoch vom vergangenen September bei knapp 1358 Dollar scheint es bloss ein Katzensprung. Ob das Edelmetall schon bald auf ein neues Mehrjahreshoch vorstösst, darüber sind sich Markttechniker allerdings uneins.

In die Rolle des Optimisten schlüpft Edouard Garrana von Kepler Cheuvreux. Seines Erachtens hat die Gold-Unze im Dezember die Talsohle durchschritten, und er glaubt nicht, dass der damalige Tiefstand von 1235 Dollar im Laufe von 2018 verletzt wird.

Die Gold-Unze hat seit Wochen auftrieb (Quelle: www.cash.ch)

Garrana sieht das Edelmetall bis Ende Februar/Anfang März in die Region von 1360 bis 1389 Dollar je Unze und damit ans obere Ende eines mehrmonatigen Aufwärtstrendkanals ansteigen. Längerfristig traut der Markttechniker der Gold-Unze gar einen Vorstoss bis auf 1485 Dollar zu.

Dem widersprechen die für Julius Bär tätigen Mensur Pocinci und Alexis Chassagnade mit Vehemenz. Die beiden Autoren der einmal wöchentlich erscheinenden "Technical Investment Strategy" sind nämlich negativ für die weitere Goldpreisentwicklung, solange der Schlüsselwiderstand bei 1350 Dollar nicht nach oben durchbrochen werden kann.

Erholung beim Dollar könnte der Goldpreisentwicklung zusetzen

Mit hinein spielen dürfte nicht zuletzt die Wechselwirkung zwischen dem Goldpreis und dem Dollar. Schon seit Jahren ist stets dasselbe Spiel zu beobachten: Lässt der Greenback seine Muskeln spielen, neigt das Edelmetall zur Schwäche - und umgekehrt. Diese Wechselwirkung kommt daher, dass Anleger das Gold als Wertaufbewahrungsmittel nutzen.

Die negative Haltung von Pocinci und Chassagnade lässt sich damit erklären, dass die beiden Experten den Dollar längerfristig in einem fortgeschrittenen Bodenbildungsprozess wähnen.

Noch unentschieden ist hingegen Rolf Bertschi. Der früher für die Credit Suisse tätige und mittlerweile selbständigerwerbende Markttechniker wähnt das Edelmetall in Dollar betrachtet in einer Seitwärtsbewegung. Auf die Momentum-Indikatoren abgestützt, sieht er die Gold-Unze kurzfristig sogar etwas zurückfallen.

Erste Januar-Wochen für Schweizer Anleger ein Nullsummenspiel

Danach erachtet Bertschi einen Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 1345 und 1365 Dollar als möglich. Bis dahin bleibt er auch auf längere Sicht neutral gestimmt, so hält er in seiner monatlich erscheinenden Publikation "Global Chart Outlook" fest.

Mit einem Plus von gut 2 Prozent seit Anfang Januar kann die Gold-Unze an ein starkes 2017 anknüpfen. Allerdings sorgt der schwache Dollar dafür, dass sich die ersten Wochen des neuen Jahres für in Franken rechnende Anleger als ein Nullsummenspiel erweisen.