Martullo: «Es wird alles nicht so schlimm»

Magdalena Martullo steht mit dem Kunststoffkonzern und Autozuliererer Ems wegen der Frankenstärke im Gegenwind. Warum sie den Mut dennoch nicht verliert, und sogar Chancen sieht, sagt sie im cash-video-Interwiew.
06.02.2015 14:39
Von Marc Forster
Optimistisch trotz Frankenhoch und Rezessionsprognosen: Ems-Chefin Magdalena Martullo.
Bild: cash

Martullo sieht weniger schwarz als eine Reihe von Ökonomen, die die Schweiz wegen der unerwarteten Aufhebung der Euro-Mindestkursgrenze durch die Nationalbank im Januar auf eine Rezession zuschlittern sehen. "Ich bin da deutlich optimistischer als diese Prognosen, weil ich glaube, dass man die Innovationskraft der Firmen unterschätzt", sagt die Konzernchefin im cash-Video-Interview.

Ems-Chemie sei wie die übrige Exportwirtschaft von der starken Aufwertung des Frankens getroffen worden. Die Branche wisse sich aber zu helfen und verfüge über solide Grundlagen: "Die Innovationskraft ist stärker, als man meint, und die Unternehmen werden nicht einfach zuschauen." Indem die Industrie jetzt gefordert sei, könne sie ihre mittelfristigen Chancen zudem verbessern.

Erneut Rekordjahr

Der Chemiekonzern Ems hat im vergangenen Geschäftsjahr 2014 erneut ein Rekordergebnis erzielt und seinen Umsatz auf fast zwei Milliarden Franken gesteigert. Wegen der starken Frankenaufwertung will das Unternehmen Effizienzprogramme beschleunigen. Wie Firmenchefin Magdalena Martullo vor den Medien in Zürich erklärt hatte, fallen die Personalkosten zur Hälfte in der Schweiz an, jedoch nur 2 Prozent des Umsatzes werden in Schweizer Franken fakturiert. Arbeitszeitverlängerungen seien dagegen derzeit nicht geplant, es gelte bereits eine Wochenarbeitszeit von 43 Stunden, hatte

Rund 1000 der etwa 2800 Ems-Beschäftigten sind in der Schweiz, Hauptstandort ist Domat/Ems GR. Es gehe auch nicht darum, jetzt die Investitionen oder den Personalbestand in der Schweiz herunterzufahren, sondern darum, die Produktivität zu verbessern und mehr Produkte zu verkaufen, sagte Martullo zu cash. Ein Vorteil der aufgewerteten Franken sei insofern, dass ein Industrieunternehmen wie Ems etwa Rohstoffe günstiger einkaufen könne.

Martullo will 2015 ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern auf der gleichen Höhe wie 2014 erwirtschaften - der EBIT 2014 betrug 423 Millionen Franken, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. "Weil wir wachsen, können wir die Auswirkungen der Frankenstärke mit dem Wachstum kompensieren", sagte die Firmenlenkerin. Der überraschend positive Ausblick für 2015 ist ein Grund, weswegen der Aktienkurs am Freitag um 5,8 Prozent zugelegt hat.

"Nationalbank hatte keine Wahl"

Die Aufhebung der Euro-Untergrenze war für Martullo unausweichlich: "Die Schweizerische Nationalbank hatte gar keine andere Wahl", sagt Martullo im cash-Video-Interview. Der Euro sei zu stark unterbewertet. Für die weltweit tätige Ems-Gruppe sieht sie weiterhin gute Chancen in den Automärkten. China zeige weiterhin einen Boom und Deutschland, der grösste Absatzmarkt der Gruppe, sei technologisch nach wie vor führend.

Probleme gebe es in Märkten wie Brasilien, Russland oder Thailand. "Wir sind weltweit tätig, da hat man immer ein bisschen von allem etwas." Sorgen bereite schliesslich auch die Geldpolitik, oder auch die seit Dezember geltenden Negativzinsen in der Schweiz, sagte sie.

Im cash-Video-Interview äussert sich Magdalena Martullo auch zum Aktienkurs der Ems-Chemie-Gruppe. Der Kurs war 2014 und auch seit Beginn des laufenden Jahres von deutlichen Schwankungen geprägt.

(cash/AWD)