MedikamentenstudieRoche kostet den SMI mehr als 80 Punkte

Die von Roche zum Brustkrebsmedikament Perjeta veröffentlichten Details einer Medikamentenstudie werden den hohen Analystenerwartungen nicht gerecht. Der Genussschein steht in der Folge unter Verkaufsdruck.
06.06.2017 16:36
Von Lorenz Burkhalter
Severin Schwan, CEO von Roche, muss einen Rückschlag hinnehmen.
Severin Schwan, CEO von Roche, muss einen Rückschlag hinnehmen.
Bild: cash

Wie gewonnen, so zerronnen. Das ist das Motto am frühen Dienstagmorgen für die Aktionäre von Roche. Denn die über das Wochenende veröffentlichten Details der APHINITY-Studie zum Brustkrebsmedikament Perjeta wissen nur bedingt zu überzeugen. Viele Analysten hatten sich rückblickend eine bessere Wirksamkeit des Präparats in Kombination mit Herceptin erhofft.

Der Genussschein des Pharma- und Diagnostikkonzerns aus Basel wird an der Schweizer Börse SIX noch mit einem Minus von 5,6 Prozent auf 250,10 Franken abgestraft. Damit geht die mehrprozentige Tagesavance von Anfang März wieder verloren, als Roche damals noch wenig detaillierte Studienergebnisse zu Perjeta vorlegte. Das Schwergewicht kostet den Swiss Market Index (SMI) am Dienstag gut 80 Punkte. Im vorbörslichen Handel waren es zeitweise sogar fast 100 Punkte.

In einem Kommentar findet die für die Credit Suisse tätige Autorin klare Worte. Sie zeigt sich auf den ersten Blick enttäuscht von den detaillierten Ergebnissen der APHINITY-Studie. An der Wirksamkeit gemessen sei der Vorteil für mit Perjeta behandelte Patientinnen nicht klinisch bedeutend genug, so die Pharmaanalystin. Dennoch empfiehlt sie den Genussschein von Roche vorerst mit "Outperform" und einem Kursziel von 300 Franken zum Kauf.

Umsatzerwartungen vermutlich zu hoch

Ihr Berufskollege von Alliance Bernstein rechnet auf Basis der vorliegenden Studienergebnissen damit, dass Perjeta in Zukunft vor allem bei Hoch-Risiko-Patientinnen zur Anwendung kommt. Das wiederum könnte das kommerzielle Potenzial des Brustkrebspräparats schmälern. Der Experte stuft den Genussschein ebenfalls mit "Outperform" ein, könnte aber das 293 Franken lautende Kursziel kürzen. Bei Baader-Helvea heisst es ergänzend, dass die APHINITY-Studie den überdurchschnittlich hohen Verkaufspreis von Perjeta in Frage stellen könnte.

Der für Barclays tätige Analyst zeigt sich zumindest leicht enttäuscht von den Studienergebnissen. Seines Erachtens reicht die Wirksamkeit von Perjeta allerdings aus, um einen weiterhin starken Markteintritt des Medikaments erwarten zu dürfen. Obwohl er das Umsatzpotenzial auf gut 4 Milliarden Franken beziffert, räumt der Experte ein, dass die Umsatzerwartungen anderer Banken vermutlich zu hoch gegriffen seien. Die Konsensschätzungen für den Spitzenumsatz liegen bei rund 6 Milliarden Franken im Jahr.

Erste Rating- und Kurszielreduktionen treffen ein

Zudem sei Roche jetzt erst recht auf neue Forschungserfolge angewiesen, wolle das Unternehmen dem Patentablauf bei den beiden Schlüsselmedikamenten Herceptin und Rituxan entgegenhalten, so der Analyst weiter. Auch er empfiehlt den Genussschein von Roche mit "Overweight" und einem Kursziel von 320 Franken zum Kauf.

Bryan Garnier stuft den Genussschein von Roche nach dem produktseitigen Rückschlag von "Buy" auf "Neutral" herunter und kürzt den fairen Wert auf 275 (bisher: 285) Franken. Der Experte von Kepler Cheuvreux quittiert die durchwachsenen Studienergebnisse mit einer Reduktion seiner Perjeta-Schätzungen. Neu beziffert er den Spitzenumsatz für das Präparat auf gerademal 1,5 Milliarden Franken. Der Genussschein wird mit "Hold" und einem neu 231 (bisher: 236) Franken lautenden Kursziel eingestuft. Ebenfalls über die Bücher geht sein Berugskollege bei HSBC. Er kürzt sein Kursziel sogar auf 215 (bisher: 230) Franken und bekräftigt das Anlageurteil "Reduce".

Händler schliessen nicht aus, dass die frühen Kursverluste im Tagesverlauf zumindest etwas eingegrenzt werden können.