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Medizinaltechnik - Ypsomed-Aktie erholt sich etwas vom Schock

Die auf Diabetesmedikamente spezialisierte Ypsomed schockt im Juli die Anleger mit dem Verlust des wichtigen Insulet-Geschäfts. War die darauf folgende Kursreaktion an der Börse aus heutiger Sicht übertrieben?
14.08.2017 16:00
Von Pascal Züger
Ypsomed am Standort Solothurn.
Ypsomed am Standort Solothurn.
Bild: ZVG

Nachdem sich die Aktie von Ypsomed in diesem Jahr bis Mitte Juli praktisch unverändert präsentierte, kam am 21. Juli das grosse Schockerlebnis: Auf einen Schlag gab der Kurs um 30 Prozent nach, wie folgende Grafik zeigt:

Kursentwicklung Ypsomed-Aktie seit Jahresbeginn, Quelle: cash.ch

Auslöser dieser deutlichen Korrektur war die überraschende Meldung, dass sich Ypsomed und Insulet nicht mehr auf eine Verlängerung des Distributionsvertrags der schlauchlosen Insulinpumpe OmniPod, die zur Behandlung von Diabetes eingesetzt wird, einigen konnten (cash berichtete). Die Partnerschaft wird im Juni 2018 enden.

Ypsomed ist seit 2010 exklusiver Verteiler von OmniPod ausserhalb der USA. Die Preisforderungen hätten nun aber ein wirtschaftliche Weiterführung des Geschäfts unmöglich gemacht, hiess am Tag der Bekanntgabe bei Ypsomed. 31 Prozent des Gesamtumsatzes von Ypsomed und 43 Prozent des Betriebsgewinnes stammten im letzten Geschäftsjahr aus dieser bald wegfallenden Partnerschaft – kein Wunder also, kam es zu dieser heftigen Kursreaktion.

Ypsomed selbst bleibt gelassen

Während Anleger dies mehrheitlich als massiven Rückschlag sehen, sieht CEO Simon Michel - sein Vater Willy Michel ist Firmengründer und VR-Präsident - das Ende der Partnerschaft sogar positiv: "Für uns ist es ein Befreiungsschlag", sagte er letzten Monat.

Ypsomed will Mitte 2020 mit einer eigenen schlauchlosen Insulinpumpe an den Markt kommen. Der Wegfall des OmniPod-Geschäfts soll dann mit einer zeitlichen Verzögerung gemäss Michel sogar überkompensiert werden. Die Logik dahinter: Die neue Pumpe wird dann Ypsomed selbst gehören, was die Handlungsfreiheit erhöht und einen positiven Effekt auf die Marge hat.

Haben die Anleger also überreagiert? Zumindest lässt dies die Kursentwicklung der letzten drei Wochen vermuten: Seit dem 21. Juli hat sich die Aktie wieder um über 10 Prozent erholt und ist inzwischen Nahe der 150-Franken-Marke - aber noch immer weit entfernt vom Rekordhoch am 23. Mai 2017 bei 228 Franken.

Über die Ypsomed-Aktie wird auch im cash-Forum diskutiert

VR-Michel deckt sich mit Aktien ein

Zur Kurserholung beigetragen hat auch Willy Michel: Der VR-Präsident hat gemäss der Berner Zeitung am 21. Juli fast 200'000 Ypsomed-Aktien im Wert von gut 28 Millionen Franken zugekauft. Dadurch besitzt die Michel-Familie nun neu 74 Prozent des gesamten Aktienkapitals. Das kann als Zeichen gewertet werden, dass die Aktie deutlich unter dem fairen Wert gehandelt wurde und die Michel-Familie die Gunst der Stunde nutzte, um günstig Aktien zu erwerben.

Fraglich ist aber, ob nach dem kurzen Zwischenspurt an der Börse noch immer Luft nach oben besteht. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht den fairen Wert jedenfalls bei 145 Franken pro Aktie – dieser wurde in der Zwischenzeit bereits wieder überschritten. Die Credit Suisse rät mit einem Kursziel von 135 Franken gar zum Verkauf der Aktie.

Ypsomed hat durch das Ende der Partnerschaft einen Umsatz- und Gewinngaranten verloren: "Durch den Wegfall des OmniProd steigt das operative Risiko deutlich",  schreibt dazu ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger. Die Hoffnungen bei Ypsomed ruhen nun auf einem hausinternen Produkt, welches erst Mitte 2020 auf den Markt kommen soll. Eine Ypsomed-Investition drängt sich daher für Anleger nicht unbedingt auf - es sei denn, man nimmt als Anleger bewusst das höhere Risiko in Kauf.