Megatrends beim FahrenSo profitieren Anleger von der Zukunft des Autobaus

Benzin- und Dieselantrieb dominieren noch den Autobau. Doch Elektroautos kommen, so wie selbstfahrende Fahrzeuge kein Tabu mehr sind. Wo Langfrist-Investoren in der Schweiz und anderswo in die Trends investieren können.
16.02.2017 20:00
Von Marc Forster
Die Studie Mercedes EQ soll den Weg in die Elektroauto-Zukunft von Daimler weisen.
Die Studie Mercedes EQ soll den Weg in die Elektroauto-Zukunft von Daimler weisen.
Bild: www.mercedes-benz.com

Elektrisch betriebene Autos, selbstlenkende Autos, Autos von Apple oder Google – die Reise weg vom Benzin- oder Dieselmotor ist zwar noch lang, aber der Wandel kommt. Tesla hat unter Beweis gestellt, dass aus dem Universum der lange belächelten Elektroautos auch ein leistungsstarker Hightech-Flitzer entstehen kann.

Leider ist ein Tesla noch immer eher teuer und verkauft sich in Ländern wie der Schweiz, wo sich ökologisches Bewusstsein und hoher Lebensstandard treffen, besser als anderswo. Noch ist der Marktanteil von Elektroautos in den meisten Märkten unter 1 Prozent - in der Schweiz allerdings bei 1,4 Prozent (Zahlen von 2015), in den Niederlanden bei 9,6 und in Norwegen, gefördert von der Regierung, bei 22,8 Prozent. Besonders elektro-affin ist übrigens der Riesenmarkt China, wo der Marktanteil 2015 bei genau 1 Prozent lag, sich aber innerhalb der vergangenen zwei Jahre indessen jeweils vervierfacht hat.

Starke Zulieferer

Die Schweiz ohne eigene Automarken weist derzeit keinen Hersteller auf, der einen Elektro-Boliden oder ein selbstfahrendes Auto entwickelt. Aber bei der Zulieferung ist die hochtechnologisierte Industrie stark. "Bei der Umstellung auf Elektroantrieb und der Einführung des autonomen Fahrens gibt es Gewinner und Verlierer. Insgesamt dürften die börsenkotierten Unternehmen aber eher zu den Gewinnern zählen", sagt Armin Rechberger, Industrie-Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Wenn man zudem die vielen KMU in die Betrachtung einbeziehe, die an Technologie-Lösungen arbeiteten, sei die Schweiz klar Profiteurin des Wandels.

Von den Unternehmen mit einem substantiellen Umsatzanteil in der Autobranche gehört SFS klar zu den Gewinnern des Wandels, wie eine Studie der ZKB deutlich macht. Das Rheintaler Unternehmen hat beispielsweise eine elektrische Fahrbremse entwickelt, die eine Voraussetzung für autonom gesteuerte Autos sind - zwar ist da die Entwicklung noch weniger weit als bei Elektroautos, denn es existieren noch Sicherheitsbedenken bei selbstfahrenden Autos. Der Trend ist aber da. Ebenfalls sehr gut positioniert ist der Chiphersteller U-Blox: Satelliten- und Funknavigation und Sensoren sind die Basis von selbstfahrenden Autos.

Das Geschäftsmodell von U-Blox ist aber auch auf elektrisches Fahren ausgerichtet. Punkto Elektroautos gehört allerdings Schaffner zu den ganz grossen Gewinnern. Das Unternehmen mit Sitz in Luterbach SO liefert der Autobranche Komponenten für den Antriebsstrang von Elektro- oder Hybridautos.

Allerdings gibt es auch Unternehmen, für die der Wandel eine Herausforderung darstellt. Autoneum - notabene der einzige reine Autozulieferer unter den grösseren Schweizer Industrieunternehmen -  ist stark im Bereich der Hitze- und Lärmdämmung und beliefert eine grosse Zahl von Autoherstellern. Speziell die Hitzedämmung ist klar auf den Verbrennungsmotor ausgerichtet. Auch die Getriebeteile von Feintool (80 Prozent Umsatzanteil mit Autoherstellern) finden Verwendung in traditionellen Antrieben. Georg Fischer Automotive profitiert grundsätztlich vom Trend zu leichteren Autos, die Folgen des Wandels werden von der ZKB im Moment aber als "minim negativ" eingestuft (siehe Tabelle).

Trends und ihre Auswirkungen gemäss ZKB-Studie (Oktober 2016)

  Elektrifizierung des Antriebs Autonomes Fahren Gewichts-
einsparung
Autoneum leicht negativ neutral leicht positiv
Feintool leicht negativ neutral sehr positiv
Georg Fischer minim negativ neutral sehr positiv
Schaffner sehr positiv neutral neutral
SFS minim negativ positiv sehr positiv
U-Blox minim positiv sehr positiv neutral

Quelle: Zürcher Kantonalbank

Grundsätzlich gelten die Schweizer Unternehmen aber als sehr anpassungsfähig, was neue Trends betrifft. Noch voll im Turnaround ist der Energiespeicher-Spezialist Leclanché, der Hightech-Batterien für Busse, Schienenfahrzeuge und Schiffe herstellt. Mit stabileren finanziellen Aussichten könnten die Waadtländer aber auch Batterien für Autos entwickeln. Auch Ems-Chemie mit Spezialkunststoffen oder Klebstoffen für den Karosseriebau passt sich den Trends im Autobau an. Kabel-Komponenten von Komax dürften auch in Zukunftsautos gefragt sein, so wie die Robotik-Technologie von ABB.

Direkt in Hersteller investieren

Jenseits der Schweizer Börse kann man natürlich in bestehende Hersteller investieren, die selbst an der automobilen Zukunft basteln. Pionier ist klar Tesla – die Aktie, die während fast des ganzen Jahres 2016 eine Schwächephase zeigte, steigt im Kurs nun wieder steil an und befindet sich nahe am 2014er Allzeithoch bei 291 Dollar.

Wer bewusst investiert, um von kommenden Trends zu profitieren, tut dies aber ohnehin als Langfrist-Investment. Renault in der Allianz mit Nissan hat derzeit die höchsten Verkaufszahlen für Elektroautos: Die Kompaktwagen Renault Zoe und der Nissan Leaf gehören zu den beliebtesten Modellen aus diesem Segment. Bei den US-Herstellern hat derzeit General Motors die Nase vorn.

Den grossen traditionellen Autobauern in Deutschland wird zugetraut, dass sie den Sprung in die Zukunft schaffen. Die deutschen Autokonzerne wollen bis 2020 rund 40 Milliarden Euro in die neuen Antriebe investieren. Zuletzt ist auch VW auf den Trend aufgesprungen und will nun Milliarden investieren – bis vor kurzem redete man den Wandel noch klein, etwas abgelenkt auch von den Wirren um "Dieselgate".

Gewinner und Verlierer

BMW führt dem Kleinwagen i3 und dem Sportwagen i8 bereits zwei elektrische Autos im Sortiment, allerdings sind weiterhin die neun Haupt-Modellreihen des Münchner Herstellers benzin- oder dieselgetrieben. Daimler baut zwar seit Jahren den Elektro-Smart, hat auch aufregende Studien für schwere und luxuriöse Autos aufgelegt: Der SUV Concept EQ soll zeigen, wie der Traditionskonzern aus Stuttgart zum führenden Hersteller in der Elektromobilität werden soll. Daimler gehörte übrigens in den 80er Jahren zu den ersten Herstellern, die – noch traditionelle Autos – mit sicherheits- und umweltfördernder Elektronik und Sensoren auszustatten begann und ist auch ein Pionier bei den selbstfahrenden Autos.

Es gibt aber auch die Zauderer, die solange Marktanteile halten können, wie die Kunden hauptsächlich auf traditionelle Antriebe zurückgreifen. Wenig in Sachen Elektromobilität tut sich beispielsweise bei Fiat. Auch die einst als sehr innovativ geltende japanische Marke Honda gerät ins Hintertreffen. Solche Hersteller müssen Zukunftstechnologie dazukaufen – oder, wenn der Wandel wirklich mit voller Wucht kommt, dürften sie eines Tages von der Bildfläche verschwinden.