Mehr Arbeit für Bankenombudsman

Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs aufzuheben, hat im vergangenen Jahr auch zu zahlreichen Beschwerden beim Bankenombudsman geführt.
30.06.2016 15:16
Schweizerische Nationalbank (SNB) in Zürich.
Schweizerische Nationalbank (SNB) in Zürich.
Bild: cash

Insgesamt gelangten 2015 etwas mehr unzufriedene Bankkunden mit Reklamationen an die Schlichtungsstelle als im Vorjahr.

Die SNB informierte am 15. Januar 2015 über ihren Beschluss, den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufzuheben. Diese Massnahme hatte Auswirkungen auf offene Transaktionen im Devisenhandel und auf die Abwicklung von Bankgeschäften.

Auch die Abrechnung von Kreditkartentransaktionen in verschiedenen Fremdwährungen und die dafür angewandten Wechselkurse sorgten bei zahlreichen Bankkunden für Unmut.

"Viele Kunden gehen davon aus, es gebe so etwas wie einen offiziellen Wechselkurs, an den sich die Banken halten müssen", sagte Bankenombudsman Marco Franchetti am Donnerstag vor Medien in Zürich. Dem sei jedoch nicht so.

Auch müssten Banken, die auf Devisenhandel spezialisiert sind, nach geltendem Recht nicht prüfen, ob risikoreiche Transaktionen für ihre Kunden angemessen sind. Einige Kunden hätten bei Devisengeschäften deshalb viel Geld verloren.

Negativzinsen

Verbunden mit der Aufhebung des Mindestkurses war auch der Entscheid der SNB zur Einführung eines negativen Einlagesatzes für Banken. In diesem Zusammenhang musste der Ombudsman der Schweizer Banken etwa die Frage beantworten, ob Banken diese Negativsätze für Kredite zu berücksichtigen hätten und ob sich im Extremfall für den Kunden sogar Zinsgutschriften statt Zinsbelastungen ergäben.

Dabei konnten nach Ansicht des Ombudsman beide Parteien valable Gründe für ihre Ansichten vorbringen. In einigen Fällen mussten Kunden auf den Rechtsweg verwiesen werden.

5 Prozent mehr Fälle

Im Berichtsjahr 2015 wurden der Bankenombudsstelle 880 schriftliche Fälle sowie 1182 mündliche Anfragen unterbreitet, wie diese am Donnerstag mitteilte. Rechnet man die Fälle hinzu, die 2014 noch nicht abgeschlossen werden konnten, so wurden im letzten Jahr total 2103 Fälle behandelt.

Dies entspricht einer Zunahme von 5% gegenüber dem Vorjahr, in dem 2002 Fälle behandelt worden waren. Im Berichtsjahr blieb in 88% der Fälle der Streitwert unter 100'000 CHF.

"Wir stellen fest, dass die Kunden kritischer werden", sagte Franchetti auf eine Journalistenfrage. Die Leute seien zum einen besser informiert als früher, unter anderem dank dem Internet. Zudem sei das Vertrauen in die Banken in den letzten Jahre deutlich zurückgegangen.

Ombudsstellen werden gestärkt

An seiner Jahresmedienkonferenz äusserte sich der Schweizerische Bankenombudsman auch positiv über die aktuelle Entwicklung beim Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG).

Der Bundesrat hatte das neue Gesetz am 4. November 2015 zuhanden des Parlaments verabschiedet. Ziel ist es, den Anlegerschutz zu verbessern, namentlich durch Transparenzbestimmungen. In seinem Entwurf weist der Bundesrat den Ombudsstellen dabei eine zentrale Rolle zu.

Sie sollen gestärkt werden, um die Möglichkeit der Bankkunden zur Durchsetzung ihrer Rechte zu verbessern. Zu diesem Zweck sollen sich alle Finanzdienstleister einer behördlich anerkannten Ombudsstelle anschliessen und an Verfahren teilnehmen müssen, die Kunden gegen sie beantragt haben.

Der Schweizerische Bankenombudsman ist heute zuständig für alle Mitglieder der Schweizerischen Bankiervereinigung. Kürzlich ist auch die PostFinance der Vereinigung beigetreten und untersteht damit neu auch der Ombudsstelle.

Mit FIDLEG werden sich auch externe Vermögensverwalter einer Schlichtungsstelle anschliessen müssen. Auch werden die Banken ihre Kunden künftig darüber informieren müssen, dass eine Ombudsstelle existiert. Franchetti begrüsst diese Vorschläge. Die Botschaft des Bundesrats beinhalte eine "vernünftige und zeitgemässe Regelung" für die Streitschlichtung, hielt er an der Medienkonferenz fest.

(AWP)