Mehr Börsengänge im dritten Quartal

Die Zahl der weltweiten Börsengänge hat im dritten Quartal des Jahres deutlich angezogen. Zu verdanken war dies vor allem einem sehr aktiven IPO-Markt in China.
28.09.2016 11:00
Die Börse in Jakarta: Weltweit nimmt die Zahl der Börsengänge zu.
Die Börse in Jakarta: Weltweit nimmt die Zahl der Börsengänge zu.
Bild: Bloomberg

In Europa zeigten sich die Märkte dagegen nach dem "Brexit"-Votum verunsichert und zahlreiche Unternehmen schoben ihre Börsen-Pläne auf. Unter den Schweizer Firmen zieht es weiterhin vor allem Life Science-Unternehmen an die Börse, wie das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschafts EY in einer am Mittwoch publizierten Erhebung schreibt.

Im dritten Quartal 2016 lag die Anzahl der IPO (Initial Public Offering) gemäss EY weltweit bei 252, was einem Anstieg um 21% gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres entsprach. Das Emissionsvolumen nahm sogar um 84% auf 35,4 Mrd USD zu. Insgesamt wurden nicht weniger als fünf "Milliarden-IPOs" gezählt. Grösste Transaktion war das Börsendebüt der Postal Savings Bank of China mit 7,8 Mrd USD - der grösste Börsengang seit dem Alibaba-IPO von 2014 - dahinter folgten das IPO des dänischen Zahlungsabwicklers Nets (2,0 Mrd USD) und dasjenige des japanischen Messaging-Dienstes Line (1,3 Mrd USD).

In China und Hongkong gingen in den vergangenen drei Monaten nicht weniger 102 Unternehmen an die Börse gegenüber nur 30 Unternehmen im Vorjahresquartal, dies mit einer Börsenkapitalisierung von 19,3 Mrd USD. In den USA wagten sich 35 Unternehmen (Vorjahr 33) aufs Börsenparkett, die Erlöse beliefen sich auf 6,4 Mrd USD. In Europa sank dagegen die Zahl der IPO im Umfeld des "Brexit" auf 20 gegenüber 32 im Jahr davor, das Emissionsvolumen betrug noch 3,6 Mrd USD.

Schweiz: Aktive Live-Sciences-Branche

In der Schweiz zieht es Firmen aus der Life-Sciences-Branche an die Börse, allerdings nicht unbedingt an die Schweizer Börse. So wagte im September in Lausanne beheimatete und in der Alzheimerbekämpfung tätige AC Immune den Schritt an die US-Technologiebörse Nasdaq. Auch die im Bereich Gen-Editierung tätige Basler Firma Crispr Therapeutics kündigte eine Kotierung an der Nasdaq an. Die Tessiner Firma Adienne hat einen angekündigten IPO in der Schweiz dagegen aufgrund ungünstiger Marktbedingungen wieder abgesagt.

Trotz der getrübten Börsenstimmung und der bestehenden Unsicherheiten über die zukünftige Preissetzung in den USA wollten Schweizer Biotech-Unternehmen an die Börse, kommentiert EY. "Die Nasdaq übt derzeit eine grosse Sogwirkung auf Schweizer Firmen aus. Die Industrie ist dort noch viel stärker verankert als in der Schweiz und die Investitionsbedingungen sind momentan klar besser", wird Jürg Zürcher, Partner bei EY Schweiz zitiert.

Im bisherigen Jahresverlauf sind damit bisher fünf Firmen mit einem Emissionsvolumen von knapp 920 Mio USD und einer Marktkapitalisierung von knapp 3 Mrd USD an die Börse. Bereits im April und Juni waren der Vakuumventilhersteller VAT und die Immobiliengesellschaft Investis an die Schweizer Börse gegangen. Die Genfer GeNeuro, die Therapien gegen Autoimmunerkrankungen entwickelt, ist seit April an der Euronext Paris gelistet, und der Churer Netzwerkdienstleister Talkpool seit Mai an der Nasdaq First North in Stockholm. Die AC Immune folgte nun im September mit dem IPO in den USA.

(AWP)