MEM-Industrie 2017 laut CS mit erstem Wachstum nach Frankenschock

Die Ökonomen der Credit Suisse gehen davon aus, dass die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) 2017 zum ersten Mal seit dem Währungsschock von Anfang 2015 wieder leicht wächst.
10.01.2017 09:12
Die Schweizer Maschinenindustrie ist auf Wachtsumskurs.
Die Schweizer Maschinenindustrie ist auf Wachtsumskurs.
Bild: ZVG

Auch im Gastgewerbe und dem Detailhandel wird mit einer Entspannung gerechnet. Die Schweizer Wirtschaft habe den Frankenschock von Anfang 2015 mehrheitlich überwunden.

Zwei Jahre nach der Aufhebung des EUR/CHF-Mindestkurses sei die Erholung allmählich auch in einer der bedeutendsten Schweizer Exportbranchen angekommen, heisst es im am Dienstag veröffentlichen "Branchenhandbuch 2017" der CS. Als wichtigste Treiber dieser Erholung wird die solide Konjunktur in den Abnehmerländern und die Stabilisierung des Frankenkurses genannt. Der nach wie vor starke Franken stelle aber insbesondere für kleinere Industrie-KMU weiterhin eine Herausforderung dar.

Von den Binnenbranchen am dynamischsten dürften sich die Unternehmensdienstleister und staatsnahe Branchen wie das Gesundheitswesen entwickeln. Aufgrund verschiedener Megatrends wie der Digitalisierung und der demografischen Alterung attestieren die Ökonomen insbesondere den IT-Dienstleistern und den Branchen Pharma, Gesundheitswesen und Medizintechnik ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial.

Erholung noch nicht überall angekommen

So zeige die Exportindustrie immer noch ein geteiltes Bild. Auf der einen Seite wuchsen 2016 die pharmazeutisch-chemische Industrie und die Medizintechnik sehr dynamisch. Auf der anderen Seite waren die Ausfuhren der MEM-Industrie weiterhin leicht rückläufig. Äusserst schlecht verlief das Jahr für die Uhrenindustrie. Mit einem Exportrückgang von über 10% erlebte die Branche 2016 ihr schwierigstes Jahr seit der Krise 2009.

Auch die Unternehmensgrösse spiele eine Rolle. Während grössere Industriebetriebe den Frankenschock mehrheitlich verdaut haben, litten viele kleinere Industrie-KMU weiterhin unter verminderter preislicher Wettbewerbsfähigkeit und gedrückten Margen.

Für den binnenorientieren Detailhandel rechnen die Experten 2017 mit einer allmählichen Stabilisierung der Umsätze. Im Vergleich zu den Rückgängen in den beiden Vorjahren bedeutet dies zumindest eine Entspannung. Zwar dürfte der Einkaufstourismus nicht mehr zunehmen, allerdings wird der Onlinehandel weiter wachsen, was den stationären Handel belastet. Das Wachstum des Privatkonsums dürfte aufgrund des tieferen Bevölkerungswachstums, der stagnierenden Kaufkraft und der unterdurchschnittlichen Konsumentenstimmung nur verhalten wachsen, heisst es.

Das staatsnahe Gesundheits-, Sozial- und Unterrichtswesen werde aufgrund der bestehenden demografischen Treiber 2017 weiter wachsen. Die Dynamik dürfte aber erneut unter dem langfristigen Durchschnitt liegen.

Chancen-Risiken-Bewertung

Mittelfristig, das heisst für die kommenden drei bis fünf Jahre, attestieren die Ökonomen der Credit Suisse der Informatikbranche das höchste Potential. Auch dem Gesundheitswesen, der Pharmaindustrie und der Medizintechnik werden gute Chancen eingeräumt. Es gebe aber auch Verlierer der Digitalisierung. So wird bei der Druck- und Verlagsbranche wie in den Vorjahren auch 2017 eine stark unterdurchschnittliche Chancen-Risiken-Bewertung gesehen. Auch der Energieversorgung, der Metallindustrie, dem Gastgewerbe und den Banken werden unterdurchschnittliche Aussichten eingeräumt.

(AWP)