Merken Sie sich diese gefallenen Aktien

Starke Gewitter entladen sich über die weltweiten Aktienmärkte. Auch die Schweizer Börse bleibt davon nicht verschont. Doch jeder Sturm zieht einmal vorüber. cash nennt Aktien, bei denen sich ein Einstieg lohnen kann.
25.08.2015 07:20
Von Pascal Züger
Chinas Aktien-Einbruch hat die Märkte weltweit erschüttert.
Chinas Aktien-Einbruch hat die Märkte weltweit erschüttert.
Bild: iNg

Die letzten Börsentage haben vielen Anlegern den Angstschweiss auf die Stirn getrieben: Chinas Aktienmarkt sackte am Montag um bis zu 9 Prozent ab. Ein stärkerer Fall konnte nur vermieden werden, da in China einzelne Werte nicht mehr als zehn Prozent pro Tag fallen dürfen, ansonsten werden sie vom Handel ausgesetzt. 

Am Montag traf es auch den Swiss Market Index hart. In der Spitze verlor der Schweizer Leitindex über 7 Prozent und erreichte um 15:30 Uhr mit 8155 Punkten den tiefsten Stand seit der Aufhebung der Kursuntergrenze Mitte Januar, bevor er sich in den letzten zwei Handelsstunden auf minus 3,8 Prozent "verbessern" konnte (siehe detaillierte SMI- und SPI-Tabelle unten). Der SMI-Kurszerfall von zehn Prozent in der letzten Woche zeigt, dass auch die Schweiz vom fernöstlichen Börsenzerfall nicht unberührt bleibt. 

Dieser tiefe Fall könnte sich auch als idealer Einstiegszeitpunkt herausstellen, sollte die Talsohle bald erreicht sein. Hier eine Auswahl von Aktien, die in den letzten Tagen stark gefallen sind und bei denen sich ein Einstieg lohnen könnte.

Swisscom: Solide "Defensive"

Der Fall der Aktie innert Wochenfrist mit minus 10 Prozent war vergleichsweise noch gering. Die Aktie fiel am Montag zweitweise unter 490 Franken, damit ist sie so billig wie lange nicht. Für die Titel der zu 51 Prozent dem Staat gehörenden Firma sprechen die deutliche Marktführerschaft in der Schweiz, die konstante Dividendenausschüttung sowie der Hauptfokus auf den Schweizer Markt. Swisscom ist eine typische defensive Aktie. Das 12-Monats-Kursziel der Analysten reicht von 505 Franken (S&P Capital) bis 630 Franken (Nomura). Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Nomura geben als einzige Banken Kaufempfehlungen aus. 

LafargeHolcim: Drei-Jahres-Tief

Der Zusammenschluss von Holcim und Lafarge im Juli 2015 führte zum mit Abstand grössten Zement-Konzern der Welt. Die Titel verloren innerhalb einer Woche 11,6 Prozent an Wert. Und derzeit ist noch einiges im Ungewissen: Wie gelingt der Unternehmensführung der anspruchsvolle Integrationsprozess? Wie entwickeln sich die Schwellenländer, wo LafargeHolcim sehr aktiv ist? Nichtsdestotrotz ist der Mega-Konzern weltweit führend und kann von der Erholung der Baukonjunktur in den USA profitieren. Die Credit Suisse und die Bank Vontobel raten zum Kauf und sehen das Kursziel bei 80 respektive 83 Franken pro Titel. Aktuell ist eine Aktie keine 60 Franken mehr Wert, zurückgerechnet ist das der tiefste Stand seit drei Jahren. Sie machte am Montag bereits ein Minus von 6 Prozent wett.

Syngenta: Es ist kompliziert

Im Mai bot Monsanto noch 449 Franken pro Aktie für eine Übernahme des Agrochemiekonzerns - dieser lehnte umgehend ab. Trotzdem erreichte die Aktie bis 435 Franken. Inzwischen liegt der Aktienwert Syngentas noch bei 360 Franken, am Montag warens zeitweise noch 345 Franken. Noch ist die Übernahme durch Monsanto nicht vom Tisch, und auch der deutsche Chemiekonzern BASF kommt als möglicher Kauf-Interessent in Frage. Konkretisieren sich die Übernahmespekulationen wieder, könnte dies den Kurs der Syngenta-Aktie wieder nach oben treiben lassen.

Geberit: Enttäuschung auf hohem Niveau

Der europäische Marktleader im Bereich Sanitärtechnik gilt eigentlich als Musterschüler, der regelmässig Resultate über den Erwartungen abliefert. Doch mit dem Halbjahresergebnis 2015 wurden zum zweiten Mal in Folge die Erwartungen nicht übertroffen. Seit Mitte April hat der Titel 20 Prozent nachgegeben und notiert bei 300 Franken. Die grössten Brocken, die das Unternehmen zu verdauen hat, sind der starke Franken und der Kauf des finnischen Badausstatters Sanitec. Für Geberit spricht die starke Abhängigkeit von Europa bei gleichzeitig geringem Engagement in den Schwellenländern. Stärkt sich der Euro weiter, ist der Bauzulieferer einer der grossen Profiteure. Der Analysten-Konsens empfiehlt ein Halten der Aktie, nur Goldman Sachs rät zum Kauf bei einem Kursziel von 375 Franken.

AMS: Apple-Auftrag weg - oder doch nicht?

Bis 13 Prozent hat der AMS-Titel in den letzten sieben Tagen an der Börse eingebüsst. Die Aktie notiert unter 34 Franken, nachdem sie Anfang Juni noch an der 60-Franken-Marke gekratzt hatte. Das zweite Quartal 2015 konnte die Erwartungen leicht übertreffen. Was aber die Analysten ins Stutzen brachte, war der Ausblick für das Folgequartal. Die erwartete Umsatzsteigerung liegt deutlich unter dem, was Analysten zunächst voraussagten. Ausserdem soll AMS einen Auftrag von Apple verloren haben – was den tieferen Ausblick erklären könnte. Mit Kurszielen zwischen 40 bis 57 Franken sehen Analysten immerhin noch ein gewisses Aufwärtspotential. Ausserdem deutet das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis 2016 von 15 auf eine günstigere Bewertung hin. Am Montag hat der Titel bereits 8 Prozent aufgeholt.

Autoneum: Der tiefe Fall vor dem Höhenflug?

Die häufig als Mode-Aktie verschrienen Titel von Autoneum haben am Kurseinbruch besonders stark zu leiden: Minus 16 Prozent innerhalb einer Woche. Auf den ersten Blick überraschend, wenn man bedenkt, dass Asien beim Automobilzulieferer nur 6 Prozent des Nettoumsatzes ausmacht. Doch auf den zweiten Blick wird klarer, wieso Autoneum leidet: 43 Prozent des Umsatzes stammen aus Nordamerika, der wieder schwächelnde Dollar könnte also die Einnahmen mindern. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis 2016 von 11 ist nun verlockend, ausserdem deutet sich im zweiten Halbjahr in Europa eine deutlich höhere Autoproduktion ab, was die Geschäfte des führenden Anbieters in den Bereichen Akustik- und Wärmemanagement für Autos ankurbeln dürfte.

Leonteq: Der Star im schrumpfenden Struki-Markt

Eigentlich läuft beim auf strukturierte Produkte spezialisierten Finanzdienstleister alles wie am Schnürchen: Das Halbjahresergebnis war überzeugend, ausserdem wurden Kooperationen mit J.P. Morgan, Deutsche Bank, Bank of Montreal, Raiffeisen Schweiz und Swiss Life angekündigt. Weitere Partner sollen bald dazukommen. Als Problematisch könnte sich jedoch ein Zinsanstieg erweisen, da dies strukturierte Produkte unattraktiver werden lassen könnte. Auch hätte eine verschärfte Regulierung in diesem Bereich einen negativen Einfluss auf die Geschäfte von Leonteq. Die Aktie rutschte am Montag mit 190 Franken auf ein Vier-Wochen-Tief. Auch Leonteq holte am Montag einen Minusstand von 7 Prozent auf.

Bossard: Wieder zurück zum Aufwärtstrend?

Das auf industrielle Verbindungstechnik spezialisierte Unternehmen hat sich nicht nur als Namensgeber der Bossard Arena des EV Zug einen Namen gemacht. Die Zuger Firma besitzt weltweit rund 60 Standorte. Analysten decken den Titel jedoch kaum ab, Vontobel stellt hier eine Ausnahme dar. Diese gaben zuletzt Mitte Juli eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 140 Franken ab. Derzeit befindet sich die Aktie bei 100 Franken, sie hat seit Mitte Mai zehn Prozent verloren. Vontobel bezeichnet die Bossard-Aktie als solide langfristige Wachstums-Story, welche im zweiten Halbjahr ihren Aufwärtstrend wieder aufnehmen dürfte. Der am Dienstag veröffentlichte Halbjahresbericht hat jedoch bereits einen kleinen Dämpfer parat: Der Ausblick ist etwas vorsichtiger als noch im April.

Die Gewinner und Verlierer am SMI letzte 5 Handelstage (am Tagestiefstand 24.8., 15:30 Uhr)

Beste 10 Schlechteste 10
Titel Performance, in % Titel Performance, in %
Givaudan -6,7 Julius Bär -14,0
Zurich -8,3 Transocean -13,9
Adecco -8,6 Richemont -11,6
Geberit -8,7 LafargeHolcim -11,6
Swiss Re -8,8 UBS -11,4
SGS -9,1 Novartis -11,0
Swatch -9,3 Swisscom -10,1
Nestlé -9,3 ABB -10,0
Roche -9,4 Credit Suisse -10,0
Actelion -9,8 Syngenta -9,9

Quelle: cash.ch, Stand 24.08.2015, 15:30 Uhr

Die Gewinner und Verlierer am SPI letzte 5 Handelstage (am Tagestiefstand 24.8., 15:30 Uhr)

Beste 10 Schlechteste 10
Titel Performance, in % Titel Performance, in %
Emmi +12,3 Kudelski -18,4
Accu +3,9 Forbo -17,0
lastminute.com +3,5 THERAMetrics -16,7
Orell Füssli +3,0 Orascom -16,2
Elma Electronic +2,9 Autoneum -15,8
Zwahlen & Mayr +2,4 Kuoni -15,7
BVZ +2,3 Sunrise -14,5
Swissmetal +2,1 u-blox -14,4
Jurassische Kantonalbank +1,5 Newron -13,9
Perrot Duval +1,2 Clariant -12,9

Quelle: cash.ch, Stand 24.08.2015, 15:30