MesstechnikDer zweite Anlauf von Landis+Gyr an der Börse

22 Jahre nach der Dekotierung will Landis+Gyr wieder an die Schweizer Börse. Die Zuger Traditionsfirma verspricht bereits eine attraktive Dividendenpolitik. Ein Porträt.
06.07.2017 19:00
Von Pascal Züger
Landis+Gyr mit Sitz in Zug ist ein weltweit tätiger Anbieter von Energiemanagement-Lösungen.
Landis+Gyr mit Sitz in Zug ist ein weltweit tätiger Anbieter von Energiemanagement-Lösungen.
Bild: Keystone

Am Donnerstag ist mit der Versandapotheke Zur Rose der jüngste Schweizer Börsengang erfolgreich über die Bühne gegangen: Kurz nach Börseneröffnung stand die Aktie bei 156 Franken, der Ausgabepreis betrug 140 Franken. Positiv entwickeln sich auch die Aktienkurse der beiden anderen Schweizer IPO in diesem Jahr, Idorsia und Galenica Sante

Der Zeitpunkt scheint also günstig für den Gang aufs Börsenparkett. Das wird wohl auch die Landis+Gyr-Besitzerin Toshiba dazu bewogen haben, das in dieser Woche angekündigte IPO (Initial Public Offering) für die den Stromzählerproduzenten bereits im dritten Quartal 2017 durchführen. Derzeit ist Landis+Gyr noch vollständig in japanischem Besitz: 60 Prozent der Anteile hält der kriselnde Technologiekonzern Toshiba, 40 Prozent die staatsnahe Innovation Network Corporation of Japan (INCJ).

Beide Besitzer planen, mit der Börsenkotierung ihre Aktienpakete komplett zu veräussern - falls sie sich in letzter Minute nicht doch noch für einen Verkauf entscheiden. Als Interessenten wurden in der Vergangenheit Hitachi und andere japanische Firmen genannt.

120-jährige Geschichte mit Höhen und Tiefen

Landis+Gyr sieht sich heute wieder auf der Erfolgsstrasse: Das Unternehmen beschäftigt in mehr als 30 Ländern knapp 6000 Mitarbeiter. Dahinter steht eine wechselhafte Geschichte mit vielen Besitzern. 

Gegründet wurde die Firma 1896. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Elektroindustrie sehr schnell, was dem Landis+Gyr einen guten Start ermöglichte. 1956 erfolgte der erstmalige Gang an die Schweizer Börse. In den Folgejahren wuchs die Betriebsgrösse stark an. 1976 beschäftigte das Unternehmen 15'500 Angestellte - mehr als doppelt so viele wie heute.

Die folgenden Jahrzehnte waren indes geprägt von wirtschaftlichen Problemen und Restrukturierungen. Die Erben von Gründer Karl Heinrich Gyr schliesslich verkauften ihre Anteile 1987 an den Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny, welcher die Firma wiederum 1995 an die Elektrowatt AG veräusserte. Gleichzeitig erfolgte auch die Dekotierung an der Börse. 

Landis+Gyr wurde danach munter weitergereicht: an Siemens (ab 1998), an die amerikanische Private-Equity-Gesellschaft KKR (ab 2002), an die australische Investmentfirma Bayard Capital (ab 2004) und schliesslich an Toshiba (ab 2011). In dieser Phase wurde das Unternehmen auch modernisiert und verschlankt.

Intelligente Stromzähler im Trend

Die Firma stellt heute nicht mehr nur traditionelle Stromzähler her, sondern auch Sensoren und Automatisierungstechnik für das Verteilnetz. Mit diesen Instrumenten kann die Nutzung von Energie "intelligent" überwacht und gesteuert werden. Ein Gebiet, in dem Landis+Gyr weltweit führend ist. Energie soll dadurch besser und nachhaltiger genutzt werden können. 

Die weltweite Energieversorungsindustrie wechselt derzeit zunehmend von herkömmlichen Stromnetzen zu sogenannten intelligenten Stromnetzen (englisch: "Smart Grids") - was Landis+Gyr entgegen kommt. Smart Grids seien vor allem in den USA bereits weit fortgeschritten, während Europa aus regulatorischen Gründe hinterher hinke, sagte CEO Richard Mora diese Woche in einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft". Doch die für Landis+Gyr wichtigen Märkte wie Frankreich, Grossbritannien und Skandinavien seind am Aufholen. 

Dividende bereits versprochen

Deshalb auch die Hoffnung, dass sich nach dem Verlust von 62 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende März) das Blatt bald wendet. Der Fehlbetrag in der vergangenen Rechnungsperiode ging auf Restrukturierungskosten und andere einmalige Aufwendungen zurück.

Die Zuger Firma verspricht eine "attraktive Dividendenausschüttungspolitik“, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Das dynamische Wachstumspotenzial, der erwartete starke Cashflow-Ausweis sowie die solide Bilanz würden dies erlauben. Für das Geschäftsjahr 2017 ist eine Ausschüttung von mindestens 70 Millionen Dollar vorgesehen. In den Folgejahren soll dann eine Dividendenauszahlung von mindestens 60 Prozent des Free Cashflows des Eigenkapitals erfolgen.