Meyer-Burger-Aktie gibt frühe Gewinne preis

Analysten warnen, dass bei der von Meyer Burger geplanten Kapitalerhöhung wichtige Fragen noch immer nicht geklärt sind. Nach einem frühen Aufbäumen fällt die Aktie sogar unter den Schlusskurs vom Vortag.
11.11.2016 11:40
Von Lorenz Burkhalter
Meyer Burger muss die Aktionäre ein weiteres Mal um Geld ersuchen.
Meyer Burger muss die Aktionäre ein weiteres Mal um Geld ersuchen.
Bild: ZVG

Mit der Aktie von Meyer Burger haben Anleger in den letzten Jahren vor allem eines: Sehr viel Geld verloren. Im Zuge der am Dienstag angekündigten Bilanzsanierung, welche auch eine Kapitalerhöhung vorsieht, tauchten die Kursnotierungen in die Nähe von 2,20 Franken und damit auf den tiefsten Stand in der Firmengeschichte. Alleine seit Jahresbeginn errechnet sich ein sattes Minus von mehr als 60 Prozent.

Am frühen Freitagmorgen legt das Solarzulieferunternehmen aus dem Bernbiet nun einen Fahrplan für die geplante Kapitalerhöhung vor. Schon bekannt ist, dass den bisherigen Aktionären ein Bezugsrecht eingeräumt wird. Der Bezugspreis und das Bezugsverhältnis werden am 2. Dezember kommuniziert, die Rechte selber ab dem 7. bis zum 13. Dezember an der Schweizer Börse SIX gehandelt. Drei Tage danach sollte dann alles in trockenen Tüchern sein.

Die Aktie von Meyer Burger reagiert mittlerweile eher besonnen auf die Neuigkeiten. Nachdem an der Schweizer Börse SIX im frühen Handel zeitweise Kurse von bis zu 2,47 Franken bezahlt wurden, verliert die Aktie aktuell sogar 1,3 Prozent auf 2,27 Franken.

In einem Kommentar warnt ein Analyst der Bank Vontobel denn auch, dass noch immer wichtige Details der geplanten Kapitalerhöhung ungeklärt seien. Unter der Annahme, dass der Bezugspreis bei 2 Franken je Aktie angesetzt wird, rechnet er damit, dass das Unternehmen 80 Millionen neue Aktien ausgeben muss. Weitere 40 Millionen Aktien sieht er dann entstehen, wenn die noch ausstehende Wandelanleihe gewandelt wird.

Auftragslage sollte sich weiter aufhellen

Gleichzeitig weist der Experte darauf hin, dass eine genehmigte Kapitalerhöhung geplant ist. Da die Nettobarmittel im Anschluss an die geplante Bilanzsanierung nur bei 22 Millionen Franken liegt, schliesst er eine spätere weitere Verwässerung für die Aktionäre nicht aus.

Kursentwicklung der Meyer-Burger-Aktie (rot) im Vergleich zum SPI Extra (grün), Quelle: www.cash.ch

Was die Geschäftsentwicklung anbetrifft, so geht man bei der Bank Vontobel über die kommenden zwei Jahre von leicht steigenden Umsätzen und weiteren Verbesserungen beim operativen Gewinn (EBITDA) aus. Dennoch wird die Aktie nur mit "Hold" und einem Kursziel von 2,47 (alt: 5) Franken eingestuft.

Der Analyst der Zürcher Kantonalbank lässt seine Anlagekunden wissen, dass das Rekapitalisierungsprogramm aus Sicht von Meyer Burger überlebenswichtig sei. Dass der Plan in Gegenseitigkeit ausgestaltete Massnahmen vorsieht, vereinfache das Vorhaben nicht, so schreibt er weiter. Er hält am "Marktgewichten" lautenden Anlageurteil fest.

Bietet sich die Aktie für eine kurze Wette an?

Für die langjährigen Aktionäre von Meyer Burger ist eine Bezugsrechtsemission kein unbekanntes Prozedere. Schon zweimal wurden sie in der Vergangenheit dazu angehalten, dem guten Geld schlechtes nachzuwerfen. Verhält es sich wie rund um die letzten beiden Kapitalerhöhungen herum, könnte sich die Aktie für unerschrockene und sich der Risiken bewusste Anleger für eine kurze Wette anbieten. So verlautet es zumindest aus dem hiesigen Berufshandel.

Dabei wird auf den Umstand verwiesen, dass gewisse Marktkreise die Aktie im Vorfeld der Bezugsrechtsemission gezielt leerverkaufen, um den Kurs zu drücken und eine möglichst hohe Verwässerung zu erzielen. Dies mit dem Ziel, sich über die günstigen Bezugsrechte wieder mit Aktien eindecken zu können. Wer demnach kurz vor der Bezugsrechtsemission einsteigt, könnte von einer anschliessenden Kurserholung profitieren.

Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Kapitalerhöhung ein Erfolg wird. Diesbezüglich ist man sich zumindest bei der Zürcher Kantonalbank mit Verweis auf den recht hohen angestrebten Erlös von 160 Millionen Franken allerdings noch nicht ganz so sicher, ist die Kapitalerhöhung bislang doch keine Festübernahme durch die damit beauftragten Banken.