Meyer-Burger-Aktie nach Zahlen schwach

Das Jahr 2014 bescherte Meyer Burger erneut einen hohen Verlust. Mit ambitiösen Mittelfristzielen setzt das Unternehmen nun auf das Prinzip Hoffnung. Die Aktie gerät unter Abgabedruck.
26.03.2015 11:18
Von Lorenz Burkhalter
Das Geschäftsjahr 2014 bescherte Meyer Burger einmal mehr hohe Verluste.

(Ergänzt um den aktuellen Kurs und den Kommentar der MainFirst Bank)

Nicht zum ersten Mal spielt man bei Meyer Burger auf Zeit: Obschon der im Bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferer auf ein desillusionierendes Geschäftsjahr 2014 zurückblicken muss, verschreibt sich das Unternehmen ambitiösen Mittelfristzielen.

Bis in fünf Jahren soll der Jahresumsatz bei einer EBITDA-Marge von 13 bis 15 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken gesteigert werden. Das entspräche mehr als einer Vervierfachung des Umsatzes.

Dumm nur, dass diesen Zielen in Analystenkreisen mit grosser Skepsis begegnet wird. Das Hauptaugenmerk liegt deshalb auf dem tiefroten Zahlenkranz für das vergangene Jahr sowie auf dem eher schwachen Ausblick für das laufende Jahr.

An der Schweizer Börse SIX gerät die Aktie von Meyer Burger im Laufe des Morgens unter starken Verkaufsdruck. Aktuell verliert sie 4,7 Prozent auf ein Tagestiefst von 6,26 Franken. Beobachter berichten von auffälligen Verkäufen aus dem Ausland.

Barmittelverbrennung höher als befürchtet

In einem Kommentar der Credit Suisse bezeichnet der Verfasser das vorliegende Jahresergebnis als schwach. Obschon der operative Verlust auf Stufe EBITDA unter Ausklammerung einmaliger Kosten im Zusammenhang mit dem Kollaps von GT Advanced Technologies etwas geringer als erwartet ausgefallen ist, rechnet der Analyst dennoch mit einer negativen Marktreaktion.

Der Grund liegt bei der höher als erwarteten Barmittelverbrennung. Bankeigenen Berechnungen zufolge lag der sogenannte Cash-Drain im vergangenen Jahr bei 11 Millionen Franken im Monat. Auch eine etwas deutlichere Erholung der Auftragslage lasse noch immer auf sich warten, so der Analyst weiter. Er empfiehlt die Aktie von Meyer Burger deshalb weiterhin mit "Underperform" und einem Kursziel von 5 Franken zum Verkauf.

Mittelfristziele sehr ehrgeizig

Ähnlich äussert sich sein für die Zürcher Kantonalbank tätiger Berufskollege. Auch er bezeichnet das Jahresergebnis als enttäuschend. Den Ausblick für 2015 hält der Analyst hingegen für erreichbar, entspreche er doch weitestgehend den bankeigenen Erwartungen. Nichtsdestotrotz bleibe die Lage angespannt, so schreibt er. Das Anlageurteil für die Aktie lautet deshalb weiterhin "Marktgewichten".

Bei der Bank Vontobel heisst es, dass die ehrgeizigen Mittelfristziele Hoffnung auf eine bessere Zukunft wecken. Der verantwortliche Analyst selber rechnet bis dahin nur gerade mit einem Jahresumsatz von 700 Millionen Franken und einer EBITDA-Marge von 13 Prozent. Er bleibt aufgrund der vorherrschenden hohen Unsicherheiten verhalten gestimmt und stuft die Aktie mit "Hold" und einem Kursziel von 6 Franken ein.

Der Berufskollege von Baader Helvea zeigt sich hingegen wenig beeindruckt von den neuen Mittelfristzielen. Am weiterhin schwierigen Umfeld ändere sich nichts, so schreibt er. Am "Hold" lautenden Anlageurteil wird ebenso festgehalten wie am Kursziel von 7 Franken.

Einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank ist zu entnehmen, dass der von den Mittelfristzielen abgeleitete faire Börsenwert bei rund 700 Millionen Franken und damit nur ca. 10 Prozent über der aktuellen Kapitalisierung liegt. Der Verfasser gibt allerdings zu verstehen, dass das Erreichen dieser Ziele alles andere als sicher sei.