Meyer-Burger-Aktie wird abgestraft

Meyer Burger senkt überraschend die Umsatzprognosen und erwischt damit viele Analysten auf dem falschen Fuss. Die Aktie hat prozentual zweistellige Kursverluste zu beklagen.
16.11.2015 12:11
Von Lorenz Burkhalter
Nicht zum ersten Mal erweisen sich die Jahresprognosen von Meyer-Burger-Chef Peter Pauli als zu optimistisch.
Nicht zum ersten Mal erweisen sich die Jahresprognosen von Meyer-Burger-Chef Peter Pauli als zu optimistisch.
Bild: cash

Nur wenige Wochen vor Jahresende sieht sich Meyer Burger zu einer Reduktion der diesjährigen Umsatzerwartungen gezwungen. Statt den bislang erhofften 400 Millionen Franken wird der Umsatz gerademal zwischen 290 und 340 Millionen Franken liegen.

In der Folge rechnet das im Bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen auf Stufe des operativen Gewinns (EBITDA) einen Verlust von bis zu 65 Millionen Franken.

Das macht Meyer Burger zum "Wiederholungstäter". Nicht zum ersten Mal kappt das einstige Vorzeigeunternehmen kurz vor Jahresende den Ausblick - und nicht zum ersten Mal erwischt es viele Analysten damit auf dem falschen Fuss.

An der Schweizer Börse SIX fällt die Aktie zur Stunde denn auch um 8,4 Prozent auf 5,80 Franken. Zeitweise wurden Kurse von um die 5,37 Franken bezahlt. Beobachter berichten von grösseren Verleiderverkäufen aus dem In- und Ausland.

Der für die Bank Vontobel tätige Analyst macht Projektverzögerungen für die verhaltene Umsatzentwicklung verantwortlich. Wichtige Projekte seien noch nicht soweit, dass sie vom Kunden abgenommen und in den Umsatz verbucht werden konnten. Anhaltspunkte für solche Verzögerungen habe es schon anlässlich der Halbjahresergebnispräsentation vom August gegeben, so schreibt der Analyst weiter.

Auftragslage hellt sich weiter auf, aber...

Zudem sei seitens des Unternehmens in der Vergangenheit immer wieder auf diese Möglichkeit hingewiesen worden. Positiv wird bei der Zürcher Bank hingegen der Anstieg beim Auftragseingang gewichtet. Obschon die diesjährigen Schätzungen nach unten angepasst werden müssen, sei die sich aufhellende Auftragslage ermutigend. Damit bleibe die Investmentthese intakt, so der Analyst. Er empfahl die Aktie zuletzt mit einem Kursziel von 9,40 Franken zum Kauf.

Auch der Kollege von der UBS Investmentbank wird bei seinen Umsatz- und Ertragsschätzungen über die Bücher gehen müssen. Zwar liegen seine Umsatzerwartungen mit 387 Millionen Franken schon heute unter den bisherigen firmeneigenen Prognosen. Beim operativen Ergebnis sowie beim Reinergebnis wird er hingegen den Rotstift ansetzen. Er hält vorerst sowohl an der Kaufempfehlung als auch am 10 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel für die Aktie fest.

Bei der Zürcher Kantonalbank wird die diesjährige Schätzung für den Verlust je Aktie auf 1,43 (1,04) Franken ausgebaut. Trotz einem deutlich höheren Auftragseingang senke das Unternehmen die Aussichten. Der Titel bleibe allerdings wie bis anhin mit "Marktgewichten" eingestuft, so schreibt der Experte.

Wieviel wussten die Grossaktionäre?

Für den Analysten von Baader-Helvea geht der Auftragseingang bestenfalls in Ordnung. Auf Basis des neuen Ausblicks sei mit massiven Schätzungsanpassungen zu rechnen. Der Anlagekundschaft wird deshalb weiterhin dazu geraten, an der Seitenlinie zu verharren. Das Anlageurteil für die Aktie lautet "Hold" und das Kursziel vorerst 7,50 Franken.

Erst vor wenigen Tagen informierte Meyer Burger die Schweizer Börse SIX darüber, dass der Stimmenanteil von Platinum Investment Management unter den meldepflichtigen Schwellenwert von 5 Prozent gefallen sei. Zuvor zählte der Hedgefonds des australischen Milliardärs Kerr Neilson seit November 2012 zu den grössten Aktionären des Unternehmens.

Die plötzliche Beteiligungsreduktion lässt den Schluss zu, dass Platinum Investment Management die Umsatz- und Gewinnwarnung zumindest erahnt haben dürfte. Wie hoch der Stimmenanteil des Hedgefonds noch ist, darüber lässt sich bloss spekulieren. Fakt ist: Noch wurde der Schwellenwert von 3 Prozent nicht unterschritten.