MiFID II - Wer bezahlt in Zukunft die Research-Kosten?

Während Fondsmanager und Research-Anbieter über die Kosten von Analysen unter den neuen europäischen Regeln streiten, widersetzen sich einige Vermögensverwalter der Idee, überhaupt etwas zu bezahlen.
02.09.2017 06:06
MiFID II wird die Welt der Analysen verändern.
MiFID II wird die Welt der Analysen verändern.
Bild: freeimages.com

Die MiFID-II-Vorschriften sind "nur ein anderer Weg zur Besteuerung von Leuten", sagt Hilmi Unver, Leiter des Bereichs Ultra-High-Net-Worth and Family Office beim Genfer Vermögensverwalter Notz Stucki & Cie. "Sollte ein Fondsmanager versuchen, Research-Kosten weiterzugeben, würden wir den Fonds fallen lassen. Es gibt keinen Grund mehr zu bezahlen."

Die überarbeitete EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) verlangt von den Fondsmanagern, dass sie ab Januar Research getrennt von Broker-Dienstleistungen bezahlen müssen. Dies bedeutet, dass zum ersten Mal Vermögensverwalter entscheiden müssen, wer für Analysen zahlt, die ihnen helfen, ihre eigenen Anlageentscheidungen zu treffen: der Fondsmanager oder der Endanleger.

"Sie wissen, dass es nicht angemessen wäre" für Asset-Manager, die Kosten weiterzugeben, sagte David Bellamy, Chief Executive Officer beim Vermögensverwalter St. James’s Place, in einem Interview im Juli. Es werde eher ein "Kostenfaktor bei der Geschäftstätigkeit werden als dass es bei uns oder den Kunden in irgendeiner Weise, Gestalt oder Form abgeladen wird."

Vermögensverwalter übernehmen die Kosten

Investmentmanager müssen für die Analyse entweder aus ihren eigenen Gewinn- und Verlustrechnungen bezahlen, d.h. sie absorbieren die Kosten selbst, oder über Research-Zahlungskonten, die an den Kunden weitergeleitet werden. St James’s, die 83 Mrd. Pfund (90 Mrd. Euro) verwaltet, erwartet, dass die meisten Fonds, an die sie die Verwaltung delegiert, die Kosten für das Research übernehmen.

"Was passiert mit dem Fondsmanager, der mit den Banken in diesem Herbst verhandelt auf der Basis, dass sie Kundengelder nutzen werden, aber dann im Februar herausfindet, dass sie das nicht können, weil alle Eigentümer der Gelder nein gesagt haben", sagt Neil Scarth von Frost Consulting in London, zu deren Kunden Staatsfonds gehören. "Wenn der Eigentümer der Gelder Nein zum Research-Budget sagt, bedeutet das, dass der Vermögensverwalter für das Research-Budget bezahlen muss, ob er nun will oder nicht."

Einige Vermögensverwalter haben sich bereits entschlossen, die Kosten zu absorbieren. Die britischen Asset Manager Baillie Gifford & Co., Woodford Investment Management, M & G Investments und Jupiter Fund Management, die insgesamt mehr als 540 Mrd. Dollar verwalten, sagten, sie planen, das Research aus ihren eigenen Gewinnen zu bezahlen.

Jüngst erklärte T. Rowe Price Group - der US-Manager verwaltet weltweit ein Anlagevolumen von 927 Mrd. Dollar - dass er für Investmentresearch von Drittanbietern, das von seinen in Grossbritannien ansässigen Fondsmanagern genutzt wird, zahlen werde.

Steigt die Fondsgebühr?

Dennoch dürften einige Vermögensverwalter die Kosten weiterhin an die Investoren weitergeben. Die Investoren zahlen letztlich alle Kosten des Fonds, ob sie nun als Teil einer Managementgebühr anfallen oder separat ausgewiesen werden, sagt Guy Foster, Leiter Research bei Brewin Dolphin Holdings, einer Vermögensverwaltungsgesellschaft, die ein Anlagevolumen von 39,2 Mrd Pfund betreut.

"Es ist in vielen Fällen für Fonds angemessen, ihre Research-Kosten weiterzugeben, wenn die Gesellschaft eine Vielzahl von verschiedenen Produkten hat", sagt er. "Es wird von den Kunden auf die eine oder andere Weise bezahlt werden."

Da die langfristige Tendenz der Gebühren nach unten gehe, wäre es für die Manager schwierig, diese Research-Kosten durch höhere jährliche Managementgebühren zurückzuholen, sagt Dean Frankle von der Boston Consulting Group.

Die in Genf ansässige Anlageberatungsgesellschaft Fundana SA, die 1,1 Milliarden US-Dollar betreut, wird Vermögenswerte von ihren Hedgefonds-Managern abziehen, wenn sie versuchen sollten, zusätzliche oder höhere Gebühren weiterzugeben, sagt Dariush Aryeh, Chief Investment Officer des Dachfonds.

"Wir werden nicht nur keine zusätzlichen Gebühren zahlen, sondern auch dafür sorgen, dass sie sinken", sagt Aryeh. "Die ganze Branche muss ihre Gebührenstruktur überdenken, da die Erträge nicht mehr stark sind."

(Bloomberg)