Milliardenverlust - Credit Suisse mit einschneidender Dividendenkürzung

Wertberichtigungen verhageln der CS das Schlussquartal. Sie kürzt die Dividende deutlich. Einmalige Kosten ausgeklammert, übertrifft die Grossbank die Analystenerwartungen. Die Aktie steigt kräftig.
14.02.2018 13:50
Von Lorenz Burkhalter
Der Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Der Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Bild: Manuel

Flickr, Lizenz CC BY-NC-ND 2.0

In den letzten Wochen stand die Credit Suisse (CS) an der Börse mehr als einmal im Zentrum von Spekulationen. Zuerst wurde der Nummer zwei unter den Schweizer Grossbanken ein Handelsverlust mit einem Volatilitäts-Konstrukt nachgesagt (cash berichtete), was diese umgehend dementierte. Dann war von neuen Klagen gegen das Unternehmen die Rede.

Am frühen Mittwochmorgen sorgt die Credit Suisse nun aber mit etwas ganz anderem für Schlagzeilen: Sie streicht die Jahresdividende von 0,70 auf 0,25 Franken je Aktie zusammen. Analysten hatten zwar mit einer Kürzung gerechnet, allerdings nicht in einem solchen Ausmass. Für 2017 errechnet sich eine eher magere Dividendenrendite von 1,5 Prozent.

Dass dem Unternehmen für das Schlussquartal einen milliardenschweren Verlust ausweist, war hingegen klar. Schuld sind bereits kommunizierte Abschreibungen auf steuerlich abzugsfähigen Verlustvortragen im Zusammenhang mit der US-Steuerreform.

Starkes Ergebnis in nahezu allen Geschäftsbereichen

Einmalige Kosten ausgeklammert, liegt der Zahlenkranz zumindest auf Konzernebene allerdings am oberen Ende der Erwartungsbandbreite.

An der Schweizer Börse SIX scheinen die Anleger der Dividendenkürzung das geringere Gewicht beizumessen. Nur so lässt sich erklären, weshalb die CS-Aktie zur Stunde um 3,6 Prozent höher bei 17,08 Franken gehandelt wird. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei knapp 17,19 Franken.

Bei Baader-Helvea wird das für das Schlussquartal ausgewiesene Ergebnis als solide bezeichnet. In den wichtigsten Sparten sei der bereinigte Vorsteuergewinn um geschätzte 10 Prozent höher als erwartet ausgefallen, so heisst es. Positiv werden auch die Rentabilitätsverbesserungen sowie der starke Gewinnbeitrag aus der Region Asien/Pazifik hervorgehoben.

Wo Licht ist, da ist jedoch auch Schatten. So bleibt die Kernkapitalquote mit 12,8 Prozent etwas hinter den Prognosen von Baader-Helvea zurück. Dass die Credit Suisse die Jahresdividende von 0,25 Franken je Aktie in bar entrichtet, wird begrüsst. Selbst wenn damit die bankeigenen Erwartungen von 0,29 Franken verfehlt werden.

Die von der Nachrichtenagentur AWP zusammengetragenen Konsenserwartungen liegen bei 0,31 Franken je Aktie bei einer Schätzungsbandbreite zwischen 0,25 und 0,70 Franken.

Beobachter führen die eher verhaltene Entwicklung bei der Kernkapitalquote auf höhere risikogewichtete Aktiven zurück. Dabei handle es sich um regulatorische Anpassungen, welche die Rivalin UBS bereits im Frühsommer letzten Jahres vollzogen habe. Das Ausmass der Anpassungen überraschte bei keiner der beiden Grossbanken.

Fragen rund um die Ergebnisqualität

Die CS-Aktie wird bei Baader-Helvea mit einem Kursziel von 20 Franken zum Kauf empfohlen.

Auch in einem Kommentar aus dem Hause J.P. Morgan werden dem Zahlenkranz vorwiegend positive Aspekte abgewonnen. Beim Vorsteuergewinn erklärt sich der Autor die Differenz zwischen dem bereinigten Ergebnis und seinen Erwartungen mit einem besseren Abschneiden im Corporate Center sowie bei der Strategic Resolution Unit (SRU). Diese Aussage lässt auch eine eher mässige Zahlenqualität schliessen. Der Bankenanalyst von J.P. Morgan stuft die CS-Aktie wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 19 Franken ein.

Sein für die Bank Vontobel tätiger Berufskollege lässt ebenfalls durchblicken, dass bei der Ergebnisqualität Abstriche zu machen sind. Ihm zufolge wurde das Spartenergebnis in der Region Asien/Pazifik von zwei einmaligen Erträgen in Höhe von insgesamt 114 Millionen Franken künstlich aufgebläht. Der Vontobel-Analyst hält deshalb am "Hold" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 17 Franken fest.