Mit diesen Produkten will Sonova Wachstum schaffen

Sonova befindet sich in einem Transformationsprozess und kämpft mit der Umsatzentwicklung. Mit Innovationen will der Hörgerätehersteller die Verkäufe ankurbeln.
18.10.2016 16:09
Von Ivo Ruch, Stäfa
«Phonak Belong»: Eines der neusten Produkte aus dem Sonova-Universum.
«Phonak Belong»: Eines der neusten Produkte aus dem Sonova-Universum.

Die Geschäftsentwicklung des Hörgeräteherstellers Sonova hat sich unlängst unter den Erwartungen entwickelt. Die im Mai publizierten Jahreszahlen enttäuschten die Investoren an den Finanzmärkten. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2015/16 lediglich um 1,8 Prozent auf 2,07 Milliarden Franken. Alleine der starke Franken kostete die Gesellschaft fast 81 Millionen Umsatz.

Umso wichtiger war der Investoren- und Analystentag, der am Dienstag in Stäfa stattfand. Das Ziel dabei: einen Überblick über Sonovas jüngste Technologien und Produktlösungen im Bereich Hörgeräte und Cochlea Implantate zu bieten.

Hervorgehoben wurde beispielsweise die neue Produktgeneration "Phonak Belong" (nächstes Bild), ein Hörgerät, das nach drei Stunden Aufladen bis zu 24 Stunden Betrieb bieten soll. Auch Hörgeräte sollen immer grüner werden und wiederverwendbare Akkus mit langen Laufzeiten entsprächen einem Konsumenten-Verlangen wie Geschäftsleitungsmitglied Martin Grieder in seiner Präsentation sagte.

Hörgeräte "Phonak Belong" mit Ladestation (Quelle: cash)

Sonova zeigt sich bisher äusserst zufrieden mit "Phonak Belong". Die Markteinführung im August in den USA und seit ungefähr Mitte September in Europa habe sich "sehr gut" entwickelt, sagte Martin Grieder zu AWP. Der Launch konnte in den europäischen Hauptmärkten bis Mitte Oktober abgeschlossen werden.

Auch Grösse und Komfort von Hörgeräten gewinnen für die Kunden immer grössere Bedeutung. In diesem Zusammenhang verwies Grieder auf eine Untersuchung, wonach 14 Prozent der Menschen, die auf Hörhilfen angewiesen sind, sie nicht tragen wollen, weil sie diese als zu auffällig empfinden. Zudem würden 27 Prozent aufhören Hörgeräte zu tragen, weil sie diese als unbequem erachten.

Während früher die begrenzte Produktpalette an Hörgeräten die Auswahl der Konsumenten einschränkte, entscheidet heute viel eher der individuelle Lifestyle. In diesem Kontext muss auch die kürzlich erfolgte Lancierung der Hörgeräts "Unitron Moxi Now" gesehen werden: das kleinste Gerät seiner Produkt-Gruppe, das nochmals knapp 40 Prozent kleiner ist als sein Vorgänger.

Deutlich kleiner: das neue Unitron Moxi Now (rechts) im Vergleich zu seinem Vorgänger (Quelle: cash)

Neben Phonak und Unitron ist Hansaton die dritte Marke des Hörgerätegeschäfts von Sonova. Der Umsatz des Segments erreichte im Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende März) 1,88 Milliarden Franken von insgesamt 2,07 Milliarden. Der zweite kleinere Bereich ist das Geschäft mit Cohlea-Implantaten.

Transformation in Richtung Digitalisierung

Auch bei der "digitalen Revolution" will Sonova eine führende Rolle mit entsprechenden Dienstleistungen ("e-based technologies") einnehmen. "Andere Industrien waren bei der Digitalisierung früher dran als die Hörgeräte-Branche, jetzt will Sonova diesen Bereich stark fördern", sagte Andi Vonlanthen, Group Vice President Research & Development und Mitglied der Geschäftsleitung, am Investorentag.

So soll etwa ein elektronischer Support über die Entfernung - ohne, dass der Kunde einen Audiologen persönlich aufsuchen muss - grosse Vorteile bringen. Die Einstellung eines Hörgeräts sei auf diese Weise deutlich effizienter, weil sich der Kunde in seiner gewohnten Umgebung befindet und Hörprobleme direkt gelöst werden können. Diese Technologie soll im Laufe des nächsten Jahres eingeführt werden.

Investoren nahmen diese Neuerungen vorerst ohne grosse Freudensprünge auf. Die Sonova-Aktie bewegte sich am Dienstag nur leicht über dem Gesamtmarkt. Bislang kommt der Titel seit Anfang Jahr auf ein Plus von 6 Prozent, während der Swiss Performance Index (SPI) 3 Prozent im Minus steht.

(mit Material von AWP)