Mit einem grossen «Aber» - Die Unabhängigkeit bekommt Alcon gut

Alcon schlägt sich nach der Abspaltung von Novartis gut. Allerdings hat die Unabhängigkeit vom einstigen Mutterhaus ihren Preis. Die Aktie grenzt frühe Kursverluste ein.
20.11.2019 13:31
Von Lorenz Burkhalter
Linsen von Alcon.
Linsen von Alcon.
Bild: Bloomberg

Im April entliess Novartis die einstige Tochter Alcon in die Eigenständigkeit. Das in der Augenheilkunde tätige Unternehmen könne sich unter dem Dach des Basler Mutterhauses nur ungenügend entfalten, so hiess es bis dahin.

Ein Blick auf den Zahlenkranz für das zurückliegende dritte Quartal zeigt, dass Alcon die Unabhängigkeit gut bekommt. Letztere hat allerdings ihren Preis: Anstatt mit 300 Millionen Dollar rechnen die Firmenverantwortlichen neuerdings sogar mit Kosten von bis zu 500 Millionen Dollar für die Abspaltung von Novartis. Hinzu kommen Kosten für ein neues Effizienzsteigerungsprogramm in Höhe von 300 Millionen Dollar

Am Zahlenkranz für das dritte Quartal gibt es hingegen nichts auszusetzen. Dank eines höher als erwartet ausgefallenen organischen Wachstums übertrifft der Umsatz mit 1,84 Milliarden Dollar selbst die kühnsten Analystenschätzungen. Auch der operative Kerngewinn fällt höher aus.

Die Anleger räumen den zusätzlichen Kosten ein ungleich höheres Gewicht als dem soliden dritten Quartal ein. Nach einem frühen Rücksetzer bis auf 55,90 Franken verliert die Alcon-Aktie zur Stunde noch 1,9 Prozent auf 57,23 Franken.

Analysten sind die Zusatzkosten ein Dorn im Auge

Morgan Stanley zufolge hat die Umsatzentwicklung zwischen Juli und September eine Beschleunigung auf 5,7 Prozent erfahren. Die US-Investmentbank begrüsst die Bekanntgabe eines Effizienzsteigerungsprogramms. Ihres Erachtens gilt das Interesse der Alcon-Verantwortlichen zusehends der Margenentwicklung. Bei Morgan Stanley wird die Aktie wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 71 Dollar zum Kauf empfohlen.

Auch Goldman Sachs gewinnt dem Zahlenkranz vorwiegend positive Aspekte ab. Die bankeigenen Schätzungen seien sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Kerngewinn leicht übertroffen worden, so schreibt die mächtige US-Investmentbank. Sie bezeichnet das Ergebnis als ermutigend und fühlt sich davon in ihrer Kaufempfehlung sowie im 12-Monats-Kursziel von 66 Franken bestätigt.

Während J.P. Morgan nur einen geringfügigen Anpassungsbedarf bei den bisherigen Umsatz- und Gewinnerwartungen sieht, stösst sich die Berenberg Bank an den hohen zusätzlich entstehenden Kosten für die Abspaltung von Novartis und die angekündigten Restrukturierungsmassnahmen. Die Zürcher Kantonalbank bezeichnet die Zusatzkosten von 500 Millionen Dollar gar als "sehr hoch" und erachtet die Ergebnisveröffentlichung deshalb insgesamt als "leicht negativ".

Die Restrukturierungsmassnahmen und die höheren Abspaltungskosten würden zeigen, dass sich Alcon noch immer inmitten des Turnarounds befinde, urteilt die Bank Vontobel. Sie warnt zudem vor Folgen von Umstellungen bei der Rückvergütungspraxis in den USA ab dem kommenden Jahr. Wie die Zürcher Bank weiter schreibt, nimmt das Kurs- und Bewertungsniveau bereits einen erfolgreichen Turnaround vorweg. Das Anlageurteil lautet deshalb "Reduce" mit einem Kursziel von gerade mal 51 Franken.

Zweifel an der Erreichbarkeit der Jahresvorgaben verstummen

Alcon nutzt die Ergebnisveröffentlichung, um die diesjährigen Zielvorgaben zu überarbeiten. Während die Bandbreite für das Umsatzwachstum auf 4 bis 5 Prozent(zuvor 3 bis 5 Prozent) nach oben verengt wird, grenzt das Unternehmen jene für die operative Kernmarge auf 17 bis 17,5 Prozent (zuvor 17 bis 18 Prozent) ein.

In den letzten Wochen liessen vor allem saisonale Gegebenheiten leise Zweifel an der Erreichbarkeit der diesjährigen Zielvorgaben aufkommen, gilt das Schlussquartal für gewöhnlich doch als das Schwächste des ganzen Jahres. Beobachter sehen diese Zweifel nun aber verstummen.

 
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Alcon Rg52.98+1.73%
Novartis N81.12+1.01%