Möglicher «Brexit» erschreckt die SMI-Anleger

Aus Angst vor den ungewissen Folgen eines Ausstiegs Grossbritanniens aus der Europäischen Union haben sich zahlreiche Anleger am Montag von der Schweizer Börse verabschiedet.
13.06.2016 17:30
Die Kurse an der Schweizer Börse geben kräftig nach.
Die Kurse an der Schweizer Börse geben kräftig nach.
Bild: cash

"Die Brexit-Angst hat uns fest im Griff", sagte ein Händler. Der SMI knüpfte an den Abwärtstrend der beiden Vorwochen an und verlor weitere 1,7 Prozent auf 7788 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit dem 9. Mai.

Gemäss neusten Umfragen liegen die Befürworter eines Austritts des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union vorne. Grossbritannien stimmt am Donnerstag nächster Woche über den Verbleib oder Austritt aus der EU ab.

Händler erwähnten Konjunktursorgen und die Sitzungen der US-Notenbank Fed und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) als zusätzliche Unsicherheitsfaktoren. Die zwei Zentralbanken werden am Mittwoch und Donnerstag ihre geldpolitischen Pläne veröffentlichen. Ökonomen gehen mehrheitlich nicht von Zinsänderungen aus.

SMI charttechnisch in kritischer Zone

Aus charttechnischer Sicht habe der Leitindex eine kritische Zone erreicht. "Er ist dabei, aus dem Kanal 7800 bis 8200 Punkte herauszufallen", sagte ein Händler. Die Erholung im mittelfristigen Abwärtstrend sei abgeschlossen, hiess es bei der ZKB. Der SMI könnten gegen 7700 Punkte sinken.

Fast alle Standardwerte notierten schwächer. Unter Druck standen die Aktien der Banken: Der Titel der UBS verlor 1,8 Prozent und Credit Suisse fielen um 2 Prozent. Exane BNP hat das Kursziel für die Aktien der zwei Grossbanken gesenkt und stuft sie mit "Underperform" ein. Credit Suisse lagen zeitweise mit vier Prozent im Minus auf 11,61 Franken, dem tiefsten Kurs seit über einem Vierteljahrhundert.

Die Versicherer stimmten ebenfalls in den Rückzug mit ein. Swiss Re verloren 2,5 Prozent auf 81,85 Franken. Credit Suisse hat in einer Branchenstudie die Analyse mit dem Rating "Underperform" und mit dem Kursziel 87 Franken aufgenommen. Zurich sanken ebenfalls um 2,6 Prozent.

Konjunktursorgen lasteten auf den Aktien zyklischer Firmen. Starke Einbussen verbuchten dabei Aktien von LafargeHolcim , die um 3,6 Prozent fielen. Der schwergewichtig in aufstrebenden Ländern tätige Zementkonzern agiere in einem schwierigen Umfeld. Zusätzlich stehe der Weltmarktführer auch wegen des starken Franken im Gegenwind.

Abschläge zwischen ein und zwei Prozent verzeichneten die Papiere des Personalvermittlers Adecco, des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Uhrenkonzerns Swatch und der eigentlich als defensiv beurteilten Pharmatitel Novartis und Roche sowie des Lebensmittelriesen Nestle.

Die Anteile von Syngenta schlossen mit einem Minus von 0,2 Prozent relativ gut ab. Die Aktien des Pflanzenschutzherstellers würden durch das 43-Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot von ChemChina gestützt, sagten Händler.

Meyer Burger mit kräftigem Kursverlust

Am breiten Markt stachen Meyer Burger mit einem Minus von zeitweise vier Prozent hervor. Die Aktien der Solarzulieferfirma verzeichnen stets einen sehr volatilen Kursverlauf und zählen zu den am meisten leerverkauften Schweizer Werten.

Gegen den Trend legten die Aktien von Burckhardt 0,75 Prozent zu. Der Kurs des Kompressorenherstellers erholte sich damit teilweise vom Verlust, die die Aktie nach der Veröffentlichung des Jahresergebnisses in der Vorwoche verzeichnet hatte.

Dividendenjäger kauften die Papiere von Lem. Die Titel des Elektrokomponentenherstellers zählen laut Händlern mit einer Dividendenrendite von über vier Prozent zu den "Perlen".

(Reuters)