Monte dei Paschi muss eigene Rettung teuer bezahlen

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Rettung der italienischen Banca Monte dei Paschi spült den beteiligten Investmentbanken so viel Geld in die Kassen wie kaum eine andere Transaktion in Europa in diesem Jahr.
14.08.2016 02:55
Die Banca Monte dei Paschi di Siena gilt als die älteste noch existierende Bank der Welt.
Die Banca Monte dei Paschi di Siena gilt als die älteste noch existierende Bank der Welt.
Bild: Bloomberg

Rund 250 Millionen Euro an Gebühren muss die 544 Jahre alte Bank aus der Toskana für ihre geplante, rund fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung zahlen, wie drei mit den Plänen vertraute Personen zur Nachrichtenagentur Reuters sagten. Sie ist - wenn sie denn klappt - der Schlüssel zur Sanierung der Bank. 300 Millionen Euro zusätzlich könnte die Ausgliederung fauler Kredite in einen Bankenrettungsfonds kosten, vor allem weil Monte dei Paschi dazu aller Voraussicht nach vorher erst einmal einen sechs Milliarden Euro schweren Überbrückungskredit braucht. Die Bank wollte sich dazu nicht äussern.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hatte für ihre acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung vor zwei Jahren 119 Millionen Euro Gebühren zahlen müssen. Doch die Banken lassen sich die Komplexität der Transaktion und das Risiko, das in der Rettung des Instituts aus Siena steckt, teuer bezahlen. "Das Risikoprofil der Transaktion macht sie weit teurer als jede andere am Aktienmarkt in Europa", erklärt ein Londoner Analyst. Der Misserfolg der beiden bisherigen Rettungsaktionen für Monte dei Paschi, die wackligen Märkte und die Sorge, sich damit stärker in Italien zu engagieren als gewollt, trieben den Preis in die Höhe. Denn Investoren dürften schwer zu begeistern sein, noch einmal Geld in die Bank zu stecken.

Keine Garantie

Organisiert wird die gesamte Rettungsaktion federführend von der US-Investmentbank JPMorgan und der italienischen Mediobanca. Doch die sechs weiteren an der Kapitalerhöhung beteiligten Institute - unter ihnen die Deutsche Bank - haben sich laut Mediobanca-Chef Albert Nagel bisher nicht zu einer Garantie durchgerungen, die neuen Aktien selbst zu übernehmen, sollten sie diese bei Investoren nicht an den Mann bringen. Einige andere hatten gleich von vornherein abgewinkt. Auch bei dem Überbrückungskredit laufen sie Gefahr, auf den Schulden von Monte dei Paschi sitzenzubleiben, wenn andere Investoren nicht mitziehen. Nach den Vorstellungen von JPMorgan und Mediobanca soll die Kapitalerhöhung im November über die Bühne gehen.

Helfen könnte eine Garantie des Staates. Dann liessen sich die Gebühren von 2,5 bis 4,0 Prozent des Transaktionsvolumens leicht auf 0,5 bis 1,0 Prozent drücken, hat die Beratungsfirma Freeman ausgerechnet. Doch eine solche Garantie will Ministerpräsident Matteo Renzi gerade vermeiden. Denn das würde nach den Regeln der EU bedeuten, dass auch Anleihegläubiger und Sparer für die Verluste der Bank geradestehen müssten. Und das könnte Renzis Erfolg im geplanten Verfassungs-Referendum im Herbst gefährden, an das er sein Amt geknüpft hat. Denn die italienischen Geldhäuser haben Anleihen im Milliardenvolumen an private Sparer verkauft.

Unter dem Strich könnten Investmentbanken dann mit Monte dei Paschi innerhalb von drei Jahren eine Milliarde Euro verdient haben. Denn die beiden jüngsten Kapitalerhöhungen hatten die Bank bereits 400 Millionen Euro gekostet. Doch die Käufer der neuen Aktien schrieben nachhaltig Verluste: Die unter faulen Krediten ächzende Bank ist an der Börse nicht einmal mehr 800 Millionen Euro wert. Im Stresstest der EU-Bankenaufseher hatte sich gezeigt, dass ihr Eigenkapital in einer neuen Finanz- und Wirtschaftskrise vollständig aufgezehrt würde.

"Die Gebühren, die auf dem italienischen Bankenmarkt zu holen sind, sind gewaltig", sagt Peter Hahn, Bankenprofessor am London Institute of Banking & Finance. Schliesslich könnte auch die HypoVereinsbank-Mutter UniCredit die Anleger bald um frisches Kapital bitten. Auch hier ist von fünf Milliarden Euro die Rede. Es wäre der nächste Zahltag für die Investmentbanken.

(Reuters)