Nach Air-Berlin-Aus - Lufthansa weist Vorwurf der erhöhten Preise zurück

Die Lufthansa stemmt sich gegen den Vorwurf der Preistreiberei. Beschwerden kommen aus Deutschland und aus der Schweiz.
26.11.2017 10:31
Logos von Flugzeugen der Air Berlin (links) und Lufthansa auf dem Flughafen Tegel Berlin im August 2017.
Logos von Flugzeugen der Air Berlin (links) und Lufthansa auf dem Flughafen Tegel Berlin im August 2017.
Bild: Bloomberg

Das deutsche Bundeskartellamt hatte am Freitag angekündigt, das Preissystem der Lufthansa wegen zahlreicher Beschwerden unter die Lupe zu nehmen. Danach werde die Behörde entscheiden, ob sie ein Verfahren gegen die Airline einleiten werde. "Was kolportiert wird über angebliche Preissteigerungen, ist nachweisbar nicht zutreffend. Das sind Einzelfälle, die es schon früher montagmorgens und freitagnachmittags gab", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister der "Welt am Sonntag". Zu diesen Zeiten ist die Nachfrage nach Flügen gewöhnlich höher. "Für etwa 95 Prozent der Passagiere hat sich beim Preis nichts geändert." Nur fünf, höchstens sechs Prozent müssten mehr bezahlen.

Der Manager betonte, mit den Wettbewerbshütern zu kooperieren. "Wir können dem Kartellamt alles zeigen." Umfassende Daten zu Flugpreisen sind dem Branchenexperten Gerd Pontius zufolge nicht verfügbar. Doch sollen die Durchschnittspreise auf einzelnen Strecken um 30 Prozent gestiegen sein. Die saisonal hohe Nachfrage nach Flügen im vierten Quartal treffe auf 15 Prozent weniger Kapazitäten.

Auch in der Schweiz gibt es Klagen. Die «SonntagsZeitung» berichtete, dass die Lufthansa doppelt vom Air-Berlin-Deal profitiere. So sind die Swiss und andere Lufthansa-Airlines etwa auf den Strecken Zürich–Berlin oder Zürich–Düsseldorf konkurrenzlos unterwegs. Ein Economy-Billett nach Berlin würde an gewissen Tagen gut 750 Franken kosten. Vor dem Air-Berlin-Grounding waren es beim Konkurrenten nur gerade mal 250 Franken.

Seit Ende Oktober steht ein großer Teil der Air-Berlin-Flotte auf dem Boden. "Es ist einfach eine sehr spezielle Situation, wenn ein Wettbewerber wie Air Berlin vom Markt verschwindet und gleichzeitig die Konjunktur boomt", sagte Hohmeister der "Welt am Sonntag". Ein Lufthansa-Sprecher hatte am Freitag erklärt, dass deshalb jetzt Kapazitäten bei innerdeutschen Flügen fehlten, so dass die günstigeren Tickets der Lufthansa schneller verkauft seien. Die Preisgestaltung richtet sich nach einer Software, die automatisch, abhängig von der Nachfrage die Preise für bis zu 26 Buchungsklassen ermittelt. 

(Reuters)