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Nach Baselworld-Desaster - Mutige Anleger kaufen jetzt MCH-Aktien

Die Ereignisse überschlugen sich jüngst bei MCH: Swatch verlässt die Baselworld, CEO René Kamm wirft den Bettel hin. Steht die Messebetreiberin vor existenziellen Problemen oder lohnt sich umgekehrt gar ein Einstieg?
07.08.2018 15:05
Von Pascal Züger
Eingang zur Uhren- und Schmuckmesse Baselworld.
Eingang zur Uhren- und Schmuckmesse Baselworld.
Bild: cash

Viele Jahre galt die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld, die im März 2018 bereits zum 101. Mal stattfand, als die grosse Geldmaschine der MCH Group. Nun sorgte Ende Juli der Rückzug des grössten Ausstellers Swatch für einen grossen Schocker bei den MCH-Aktionären. Die Aktie fiel in der Folge um 8 Prozent von 45 Franken auf unter 37 Franken. Inzwischen hob eine leichte Gegenbewegung den Kurs wieder auf 39 Franken an.

Swatch-Chef Nick Hayek hatte in der "NZZ am Sonntag" die Messebetreiberin scharf kritisiert: MCH habe bei der Erarbeitung eines neuen Konzepts die Aussteller zu wenig einbezogen. Der Gruppe fehle der Mut für tiefgreifende Veränderungen. Der seit 2003 amtierende MCH-CEO René Kamm wies diese Kritik zwar entschieden zurück, verkündete aber überraschend seinen Rücktritt. 

Das Messegeschäft in der Schweiz ist nicht erst seit dem Swatch-Austritt schwierig. Bereits an der letzten Baselworld hat sich die Zahl der Aussteller auf 650 halbiert, ausserdem mussten die Standmieten um 10 Prozent gesenkt werden. Als Folge verkündete MCH beim Gebäude der Messehallen Basel im Februar 2018 eine Wertberichtigung von über 100 Millionen Franken, was das Ergebnis 2017 tief ins Minus zog und einen Dividendenverzicht zur Folge hatte. Die Aktie litt aber bereits seit September 2017, als eine Gewinnhalbierung der Messebetreiberin publik wurde.

Kursentwicklung der MCH-Aktie in den letzten 52 Wochen, Quelle: cash.ch

Seit September 2017 hat sich die MCH-Aktie im Wert mehr als halbiert. Bedroht das Baselworld-Fiasko nun sogar die Existenz der MCH Group, die auch andere bekannte Messen wie die Art Basel, Züspa oder Muba (noch bis 2019) organisiert? Ronald Wildmann, Leiter Research bei Research Partners, winkt ab: "Die Wichtigkeit der Baselworld für die MCH Group wird medial massiv überschätzt", sagt er auf cash-Anfrage. Künftig werde der Gewinn überwiegend aus dem Ausland stammen.

Starker Fokus auf das Ausland

Gemäss der Internationalisierungsstrategie von MCH soll der Umsatz mittelfristig zu 70 Prozent aus dem Ausland stammen. 2017 lag der Ausland-Anteil zwar erst bei 33 Prozent, doch wurden die Weichen gestellt: In der Pipeline stehen zahlreiche neue Veranstaltungen wie die Kunstmesse "Masterpiece" in London, die "ART" in Singapur und die Automobilmesse "Grand Basel" - die neben Basel auch Miami und Hongkong als Austragungsorte haben wird.

Hinzu kommt die 2017 übernommene Event-Marketing-Spezialistin MC2 (Ausgesprochen: MC-Square) aus den USA, die schon ab 2018 mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes ausmachen könnte. Und nach Schätzungen von Analyst Wildmann liegt künftig bei MC2 ein operativer Gewinn (EBIT) von jährlich 10 Millionen Franken drin. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 lagt der EBIT der gesamten MCH-Gruppe bei minus 104 Millionen Franken, 2016 waren es plus 16 Millionen Franken.

Der auf Nebenwerte spezialisierte Schweizer Fondsmanager Erhard Lee glaubt an einen Erfolg dieser Ausland-Strategie und empfiehlt die MCH-Aktie zum Kauf, wie er vergangene Woche im cash-Börsen-Talk verriet. Bereits im nächsten Jahr werde die Gruppe "einen schönen Gewinn" ausweisen, so seine Überzeugung.

MCH ist eine Black Box

Weniger optimistisch ist Wildmann von Research Partners, der die Aktie jüngst von "Kaufen" auf "Halten" herunterstufte und gleichzeitig das Kursziel von 70 auf 40 Franken reduzierte. Ihn stört vor allem die Bilanzstruktur, die sich durch die Probleme mit der Baselworld und durch Zukäufe verschlechterte. Per Ende 2017 lagen die Nettoschulden bei 131 Millionen Franken. Hinzu kommt wohl eine weitere Wertberichtigung, Höhe und Zeitpunkt der Durchführung sind ungewiss.

Möglich, dass diese bereits am 4. September im Rahmen der Halbjahreszahlen über die Bühne gehen wird. Dazu Wildmann: "Ein weiterer Abschreiber im ersten Halbjahr von bis zu 30 Millionen Franken wäre verkraftbar, negativ wäre hingegen ein Wert von 70 bis 100 Millionen Franken."

Ein Engagement bei MCH ist mit zahlreichen Unsicherheiten verbunden: Wie hoch wird die kommende Wertberichtigung ausfallen? Werden die neuen Messen im Ausland erfolgreich sein? Welchen Gewinnbeitrag kann der Eventmarketing-Dienstleister MC2 aus den USA leisten? Wer übernimmt das CEO-Amt?

Die Aktie eignet sich wegen dieser vielen Fragezeichen gegenwärtig nur für risikofreudige Investoren. Alle anderen warten, bis sich der neue Auslandfokus in positiven Geschäftszahlen niederschlägt. Laut Wildmann müsste dies bis spätestens 2020 der Fall sein, während 2019 nochmals ein Übergangsjahr darstellen werde.

 
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MCH Group N14.950+0.67%
The Swatch Grp I192.25-0.49%

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