Nach Corvex-Einstieg - Clariant: Nisten sich noch weitere Finanzinvestoren ein?

Im Aktionariat von Clariant formiert sich Widerstand gegen den geplanten Zusammenschluss mit Huntsman. cash zeigt auf, was dies für den Basler Spezialitätenchemiekonzern und dessen Aktie bedeuten könnte.
04.07.2017 14:55
Von Lorenz Burkhalter
Sieht sein transatlantisches Projekt in Gefahr: Clariant-Chef Hariolf Kottmann.
Sieht sein transatlantisches Projekt in Gefahr: Clariant-Chef Hariolf Kottmann.
Bild: Keystone

Auf beiden Seiten des Atlantiks formiert sich Widerstand gegen das Zusammengehen des Basler Spezialitätenchemiekonzerns Clariant mit dem in etwa gleich grossen amerikanischen Rivalen Huntsman. Der cash Insider berichtete schon seit Ende Mai regelmässig in seiner täglich erscheinenden Kolumne darüber. Zuletzt schrieb er, dass ein Finanzinvestor versucht sein könnte, Clariant zu einem höheren Preis an einen Dritten zu verkaufen.

Genau ein solches Szenario zeichnet sich jetzt ab. Wie eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX verrät, hat sich White Tale mit 5,13 Prozent beim Spezialitätenchemiekonzern eingekauft. Hinter White Tale stecken der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannte Hedgefonds Corvex sowie Standard Industries, ein führender amerikanischer Baumaterialhersteller. Eigenen Angaben zufolge hat der neue Grossaktionär seinen Stimmenanteil in den letzten Tagen sogar auf 7,2 Prozent ausgebaut.

Die Forderungen von White Tale sind knapp aber unmissverständlich: Der Zusammenschluss sei abzulehnen, bewerte dieser Clariant doch zu tief. Und: Das Basler Unternehmen solle sich nach anderen Alternativen umsehen. Zumindest an der Börse finden diese Forderungen Gehör. An der Schweizer Börse SIX gewinnt die Clariant-Aktie zur Stunde noch 3,1 Prozent auf 22,21 Franken. In der ersten Handelsstunde wurden in der Spitze sogar Kurse von bis zu 22,55 Franken bezahlt.

Huntsman nur «zweite Wahl»?

Völlig überraschend kommt dieser Widerstand nicht. Für viele Analysten ist Huntsman als Partnerunternehmen für einen Zusammenschluss aus Sicht von Clariant nur zweite Wahl. Diese Kritik bezieht sich nicht zuletzt auf die Geschäftsfelder, in welchen Huntsman tätig ist. Einige dieser Geschäftsfelder gelten als margenschwach, weshalb sich Clariant über die letzten Jahre konsequent aus ihnen zurückzog.

Die Clariant-Aktie springt nach dem Einstieg des Finanzinvestors nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Aus Sicht des für Baader-Helvea tätigen Analysten wären die beiden amerikanischen Rivalen Ashland und W.R. Grace oder die britische Elementis die besseren Partien für Clariant gewesen. Nach dem Einstieg von Corvex schliesst er selbst eine feindliche Übernahmeofferte für Clariant nicht länger aus. Allerdings lässt der profunde Branchenkenner durchblicken, dass eine Drittpartei tief in die Tasche greifen müsste. Denn bei Baader-Helvea ist von 30 oder mehr Franken je Aktie die Rede.

Der Analyst weist in seinem Kommentar darauf hin, dass niemand geringeres als Keith Meister hinter dem Hedgefonds Corvex steckt. Meister war einst in einer führenden Position für den berüchtigten amerikanischen Milliardär Carl Icahn tätig. Auch Icahn ist für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannt und war unter anderem schon an Transocean und Apple beteiligt.

Weitere Finanzinvestoren könnten aufspringen

Wie schon die heutige Kursreaktion zeigt: Auf kurze Sicht ist bei Clariant wohl mit einem steigenden Aktienkurs zu rechnen. White Tale muss nun weitere Aktionäre hinter sich scharen und von der eigenen Sache überzeugen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Aktie des Basler Unternehmens einen Grossteil der anfänglichen Kursgewinne rund um den Zusammenschluss mit Huntsman wieder preisgegeben hat, dürfte andere Anteilseigner empfänglich für die Ideen von White Tale machen. Gut möglich auch, dass die abtrünnige Aktionärsgruppe weitere Titel zukauft. Dabei könnte sie sich aufgrund der Hebelwirkung sogar Derivaten bedienen.

Wie bei anderen ins Zentrum von Machtkämpfen rückenden Unternehmen dürften sich zahlreiche Trittbrettfahrer bei Clariant einnisten. Dies war in den vergangenen Monaten in der Schweiz schon beim Vermögensverwalter GAM oder bei Leonteq, einem mit Problemen kämpfenden Anbieter strukturierter Produkte, der Fall.