Nach dem Einstieg von Third Point - Pläne von Nestlé provozieren unterschiedlichste Reaktionen

Die Bekanntgabe eines Aktienrückkaufprogramms weniger als 48 Stunden nach dem Einstieg eines Hedge-Fonds bringt Nestlé nicht nur wohlwollende Reaktionen ein. Die Aktie legt zu, schreibt aber keine neuen Kursrekorde.
28.06.2017 15:41
Von Lorenz Burkhalter
Mit seinen Plänen stösst Nestlé nicht nur auf Begeisterung (Hauptsitz in Vevey).
Mit seinen Plänen stösst Nestlé nicht nur auf Begeisterung (Hauptsitz in Vevey).
Bild: Bloomberg

Seit Dienstagabend ist bekannt, dass Nestlé über die nächsten drei Jahre eigene Aktien im Gegenwert von nicht weniger als 20 Milliarden Franken eigene Aktien zurückkaufen will. Ausserdem kündigt der Nahrungsmittelkonzern aus Vevey ergänzende Firmenübernahmen sowie weitere Veränderungen im Firmenportfolio an. Das Schwergewicht soll zukünftig auf den Geschäftsbereichen Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Gesundheit liegen.

Der Zeitpunkt dieser Ankündigung überrascht viele Beobachter, könnte das Ganze doch als Reaktion auf den Einstieg von Third Point weniger als 48 Stunden zuvor missverstanden werden. Der Hedgefonds des US-Milliardärs Dan Loeb ist für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannt, bringt bei Nestlé allerdings gerademal einen Stimmenanteil von 1,3 Prozent auf die Waage.

Gleichzeitig wird das geplante Aktienrückkaufprogramm trotz seiner schieren Grösse als etwas einfalls- und ideenlos bezeichnet. An der Schweizer Börse SIX prallt diese Kritik an der Nestlé-Aktie jedoch ab. Sie gewinnt zur Stunde noch 1,1 Prozent auf 85,25 Franken. Noch im frühen Handel wurden Kurse von bis zu 85,90 Franken bezahlt. Zu diesem Zeitpunkt lag das bisherige Rekordhoch vom Montag bei 86 Franken in unmittelbare Griffnähe.

Überrascht zeigt sich der für Alliance Bernstein tätige Analyst. Das gilt insbesondere für den Zeitpunkt der Bekanntgabe des Aktienrückkaufprogramms, hatte er doch erst anlässlich des diesjährigen Investorentags vom 26. September mit einer entsprechenden Ankündigung gerechnet.

Nestlé nimmt sich der ineffizienten Bilanzstruktur an

Auch wenn Nestlé nicht vollumfänglich auf die Forderungen von Third Point eingegangen ist, so muss sich Nestlé seines Erachtens dennoch den Vorwurf gefallen lassen, sich von einem eher unbedeutenden Aktionär ins Bockshorn jagen gelassen zu haben.

 

Dass sich der Nahrungsmittelkonzern der eher ineffizienten Bilanzstruktur annimmt, begrüsst der Analyst hingegen. Er sieht Nestlé am diesjährigen Investorentag nun aber bestenfalls noch mit zusätzlichen Kosteneinsparmassnahmen und eventuell einem nicht sehr ambitionierten Margenziel aufwarten. Er stuft die Aktie vorerst mit "Market Perform" und einem Kursziel von 80 Franken ein.

Sein Berufskollege von der Credit Suisse weist darauf hin, dass Nestlé die strategische Überprüfung, welche zu den vorliegenden Massnahmen führte, schon im Frühjahr eingeleitet habe. Auch er begrüsst das geplante Aktienrückkaufprogramm. Grösseren Anpassungsbedarf macht der Analyst bei seinen zukünftigen Gewinnschätzungen jedoch nicht aus, hatte er doch sogar mit einem 24 Milliarden Franken schweren Rückkaufprogramm gerechnet.

Bricht eine neue Ära an?

Aufgrund des nicht gerechtfertigten Bewertungsaufschlags von 10 Prozent gegenüber dem Rivalen Unilever wird die Nestlé-Aktie bei der Credit Suisse wie bis anhin mit "Underperform" zum Verkauf empfohlen. Das 75 Franken lautende Kursziel dürfte hingegen angehoben werden.

Die Nestlé-Aktie machte in den vergangenen Wochen gleich mehrere Bocksprünge nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Konkreter wird der Vontobel-Experte. Er sieht bei Nestlé gar eine neue Ära anbrechen und vermutet, dass die bekanntgegebenen Massnahmen letztlich nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Die Ankündigung solle alle jene Anleger überzeugen, die sicher waren, dass es dauern würde, die Dinge in Vevey neu aufzugleisen, so heisst es bei der Zürcher Bank. Einen direkten Zusammenhang mit dem Einstieg von Third Point kann der Experte übrigens nicht erkennen. Neu rät er mit einem Kursziel von 96 (bisher 88) Franken zum Kauf der Aktie.

Ebenfalls Anpassungen nehmen die Analysten von J.P. Morgan und der Deutschen Bank vor. Auf Basis der vorliegenden Neuigkeiten nimmt jener der Deutschen Bank seine Gewinnschätzungen um durchschnittlich 5 Prozent nach oben. Dadurch erhöht sich das Kursziel für die mit "Buy" eingestufte Aktie auf 90 (bisher 85) Franken. Auch die Nahrungsmittelanalystin von J.P. Morgan kommt auf einen fairen Aktienkurs von 90 (bisher 87) Franken. Sie hält am Anlageurteil Overweight fest.

Eines haben diese Kursziele übrigens gemeinsam: Von allen lässt sich für die Nestlé-Aktie nur noch ein geringes Aufwärtspotenzial ableiten. Im hiesigen Berufshandel wird deshalb vor den bereits sehr hohen Erwartungen an das Unternehmen gewarnt, zumal man am Hauptsitz in Vevey angeblich auch weiterhin nichts von einem Verkauf der L'Oréal-Beteiligung wissen will.

Ist der Loeb-Einstieg gut für Nestlé?

Der US-Milliardär Dan Loeb ist mit seinem Hedgefonds bei Nestlé eingestiegen. Sein Ziel: Der Nahrumgsmittelmulti soll für die Aktionäre mehr Wert schaffen. Nestlé solle dafür L'Oreal verkaufen und ein kreditfinanziertes Aktienrückkaufprogramm starten. Ist der Loeb-Einstieg gut für Nestlé?

Ja, dem trägen Nahrungsmittelmulti tut ein Anstoss von aussen gut.
29% (933 Stimmen)
Nein, der US-Hedgefonds hat nicht das Wohl des Unternehmens vor Augen.
71% (2280 Stimmen)
Gesamtstimmen: 3213