Nach Draghi soll es nun Yellen richten

Nach der Notenbanksitzung ist vor der Notenbanksitzung: Die Anleger blicken jetzt auf die Fed in den USA.
11.03.2016 20:00
Fed-Chefin Janet Yellen.
Fed-Chefin Janet Yellen.
Bild: pixabay.com

Da die neue Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) an den Finanzmärkten mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, hoffen Börsianer darauf, dass die US-Notenbank der Anlegerstimmung keinen weiteren Dämpfer verpasst. Im Dezember hatte Fed-Chefin Janet Yellen erstmals seit etwa zehn Jahren die Zinsen wieder angehoben.

Obwohl EZB-Chef Mario Draghi weitere Zinssenkungen, eine Aufstockung der Wertpapierkäufe und zusätzliche Billig-Kredite für Geschäftsbanken ankündigte, verlor der Dax in der alten Woche etwa 1,5 Prozent. "Die Anleger zweifeln an der Wirksamkeit der Massnahmen der EZB, die mit ihrer bisherigen Politik auch schon keinen Erfolg hatte", sagt Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Laut Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London ist auch für die neue Woche nicht mit einer Aktienrally zu rechnen. "Es ist keinesfalls garantiert, dass die EZB-Massnahmen funktionieren. Ausserdem wird es wohl mehrere Monate dauern, bis ihr Effekt auf Wachstum und Inflation spürbar wird."

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die USA. Die Kurse an den Terminmärkten signalisieren bereits seit Wochen, dass Investoren die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung am Mittwoch bei null Prozent sehen. Auch danach wird die Fed die Zügel wohl nur sehr langsam straffen. Anleger wetten darauf, dass der US-Leitzins frühestens 2022 wieder bei einem Prozent liegen wird. Bis die Bank von England (BoE), die am Dienstag über ihre Geldpolitik berät, so weit sein wird, könnte ein Jahrzehnt vergehen. Der Schlüsselsatz der EZB wird diesen Börsenkursen zufolge erst in 60 Jahren diese Marke erreichen. Bei der Bank von Japan könnte es sogar noch länger dauern. Im Jahr 2046 sehen Anleger den dortigen Leitzins gerade einmal bei 0,5 Prozent. Die japanische Zentralbank entscheidet am Dienstag über ihre Geldpolitik.

Konjunkturdaten nur zweite Geige

Die geballten Notenbank-Sitzungen drängen die Konjunkturdaten in der neuen Woche in den Hintergrund. Die US-Verbraucherpreise, die wenige Stunden vor dem Fed-Entscheid veröffentlicht werden, könnten für aber Kursausschläge sorgen. Denn die Inflation ist ein wichtiger Faktor für die Geldpolitik der Notenbank. Daneben stehen Zahlen zum Immobilienmarkt (Mittwoch) und zu den Einzelhandelsumsätzen (Dienstag) auf dem Terminplan. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz sagt einen anhaltenden Aufschwung der weltgrössten Volkswirtschaft voraus. "Neben dem Konsum bleibt der Wohnungsbau ein wichtiger Wachstumstreiber."

In Europa werden am Donnerstag die endgültigen Inflationszahlen für Februar bekanntgegeben. Die Kernrate, bei der die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, könne auf 0,8 von 0,7 Prozent korrigiert werden, prognostiziert Commerzbank-Experte Balz. Damit liegt sie aber immer noch weit unter dem EZB-Inflationsziel von knapp zwei Prozent.

Hexensabbat sorgt für Kursausschläge

Am Freitag, dem sogenannten Hexensabbat, verfallen dann Index-Futures sowie Optionen auf Indizes und einzelne Aktien. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise der Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Zum Abschluss der neuen Woche erscheint zudem Senvion wohl erstmals auf den Kurszetteln. Der Windradbauer war unter dem Namen Repower schon einmal börsennotiert, wurde vor einigen Jahren vom indischen Konkurrenten Suzlon aufgekauft und dann an die Finanzinvestoren Centerbridge und Arpwood weitergereicht.

(Reuters)