Nach Frankreich-Wahl - Italiens Bonds wohl nächste Händler-Manie

Anleiheninvestoren sind schon ein pessimistisches Völkchen. Nach monatelangen Sorgen um Frankreich verschwendet der Markt keine Zeit, eine neue Manie zu finden: dieses Mal gerät Italien ins Fadenkreuz.
14.05.2017 06:02
Flagge von Italien weht in Vieste, Apulien.
Flagge von Italien weht in Vieste, Apulien.
Bild: cash

Die Rendite der zehnjährigen Anleihen des Landes ist seit dem Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich am Sonntag bereits um etwa zehn Basispunkte gestiegen - obwohl dies vor dem Votum als das marktfreundlichste Ergebnis erachtet worden war.

Doch nun richten die Anleger ihr Augenmerk auf die Aussicht, dass die Europäische Zentralbank zuversichtlicher sein könnte, ihr Anleihekaufprogramm im kommenden Jahr zu drosseln. Das könnte womöglich mit einem Wahlgang in Italien zusammenfallen, was für die Verpflichtungen des Landes zu einer toxischen Mischung werden könnte.

Citigroup sagt vor diesem Hintergrund voraus, dass die Renditen zehnjähriger Italien-Anleihen um bis zu 300 Basispunkte über ihr deutsches Pendant steigen könnten. Solch ein Niveau hätte es seit 2013 nicht mehr gegeben und wäre deutlich mehr als der aktuelle Spread von etwa 180 Basispunkten.

Wir sind "sehr vorsichtig" bei der Peripherie, schriebt Jamie Searle, Stratege für festverzinsliche Anlagen bei Citigroup, in einer Note an die Kunden. "Das EZB-Tapering - sei es durch Umsetzungsschwierigkeiten oder durch eine höhere Kerninflation ausgelöst - könnte genau dann erfolgen, wenn das nächste grosse politische Ereignisrisiko, nämlich die Wahl in Italien, ins Blickfeld schnellt."

Höhere Volatilität erwartet

In den jüngsten Wochen kamen nach unterschiedlichen Nuancen in den Aussagen von EZB-Notenbankern Spekulationen auf, dass sich die Zentralbank einem Signal zum Abbau ihrer unkonventionellen Impulse, die seit 2015 laufen, nähert. Italienische Anleihen haben zu den drittgrössten Nutzniessern gehört, wenn die gesamten Käufe betrachtet werden, und liegen damit nur hinter Deutschland und Frankreich.

Die quantitative Lockerung half bislang dabei, europäischen Papiere gegen Risiken durch Wahlen zu schützen. Die Rücknahme dieser Impulse könnte also zu einer höheren Volatilität beitragen, wenn in Italien voraussichtlich im kommenden Jahr Parlamentswahlen stattfinden. Die Fünf-Sterne-Bewegung, die ein Referendum über die Mitgliedschaft des Landes im Euroraum fordert, liefert sich in den Wahlumfragen ein hartes Rennen mit der Demokratische Partei von Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi. Die Abstimmung könnte eher früher als später stattfinden, nachdem das italienische Verfassungsgericht im Januar den Weg für vorgezogene Neuwahlen geebnet hatte.

Nach Einschätzung von Martin van Vliet, leitender Stratege bei ING Bank NV, könnte der Renditeunterschied zwischen Italien und Deutschland vor der Wahl auf bis zu 230 Basispunkte steigen, selbst wenn die Wahl zu einem frühen Termin angesetzt wird.

"Man könnte argumentieren, dass die Wahlen in Italien ein noch grösseres politisches Risiko darstellen als die Wahlen in Frankreich", sagte er.

(Bloomberg)