Nach starkem Zwischenbericht - Julius-Bär-Aktie schreibt neue Kursrekorde

Der Zwischenbericht von Julius Bär lässt keine Anlegerwünsche offen. Der Neugeldzufluss liegt gar über dem Zielkorridor. Der Kurs der Aktie steigt auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte.
20.11.2017 15:35
Von Lorenz Burkhalter
Julius-Bär-Chef Boris Collardi.
Julius-Bär-Chef Boris Collardi.
Bild: Bloomberg

Als heimliche dritte Schweizer Grossbank gilt Julius Bär als eine Gewinnerin des freundlichen Marktumfelds und des zuletzt schwächeren Frankens. Und das nicht ohne Grund, wie der Zwischenbericht vom Montag zeigt.

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres gelangen der traditionsreichen Zürcher Bank sowohl bei der Nettoneugeldentwicklung als auch bei den verwalteten Kundenvermögen kräftige Fortschritte. Die diesbezüglichen Analystenerwartungen werden übertroffen.

Das kommt bei den Anlegern gut an. An der Schweizer Börse SIX steigt die Julius-Bär-Aktie um 2,4 Prozent auf 60,40 Franken.  Kurz zuvor kletterte sie sogar bis auf 61,20 Franken und stellte damit das bisherige Rekordhoch von Ende Oktober bei 59,85 Franken in den Schatten. Seit Jahresbeginn errechnet sich ein Plus von gut 32 Prozent, die Dividende noch nicht miteinbezogen.

Wie der für Baader-Helvea tätige Bankenanalyst schreibt, hat Julius Bär zwischen Juli und Oktober sehr stark abgeschnitten. Positiv unterstreicht er insbesondere den Anstieg bei den verwalteten Vermögen, die Beschleunigung beim Nettoneugeldwachstum sowie die beim Eigenkapital erzielten Fortschritte.

Bruttomarge stösst auf unterschiedliche Reaktionen

Seines Erachtens liegt die Bruttomarge mit "knapp 90 Basispunkten" geringfügig hinter den Erwartungen zurück. Angesichts der hohen Kostendisziplin sieht der Experte die Gewinnschätzungen auf Basis des vorliegenden Zwischenberichts um bis zu 5 Prozent steigen. Er bekräftigt deshalb seine Kaufempfehlung für die Julius-Bär-Aktie und nimmt das Kursziel von 56 Franken in "positive Revision".

Gerade die Entwicklung der Bruttomarge wird in Expertenkreisen unterschiedlich beurteilt. Während sich die Analysten von Baader-Helvea und Vontobel nicht sonderlich an den geringfügig verfehlten Erwartungen stossen, macht ihre für Morgan Stanley tätige Berufskollegin darauf aufmerksam, dass sich die Bruttomarge gegenüber Mitte Jahr um gut 2 Basispunkte verschlechtert hat. Sie macht saisonale Faktoren für diesen Rückgang verantwortlich. Auch der Experte der Zürcher Kantonalbank bezeichnet der Rückgang der Bruttomarge als "ein Wermutstropfen in den Zehnmonatsindikationen". Er sieht diesbezüglich Handlungsbedarf, die Kunden zu mehr Aktivitäten zu motivieren.

Fortschritte beim Eigenkapital weckt Dividendenhoffnungen

Der Bankenanalyst der UBS Investmentbank gewinnt dem Zwischenbericht hingegen vorwiegend positive Aspekte ab. Er führt die etwas schwächer als erwartet ausgefallene Bruttomarge auf geringere Umsätze im Devisenhandelsgeschäft zurück.

Von den Fortschritten beim Eigenkapital schliesst der UBS-Analyst auf steigende Dividendenzahlungen. Für den Moment hält er jedoch am "Neutral" lautenden Anlageurteil sowie am 12-Monats-Kursziel von 60 Franken fest. Ähnlich sieht es die Bankenexpertin der Royal Bank of Canada. Auch sie rechnet sich gute Chancen auf eine grosszügigere Ausschüttungspolitik aus.

Ihr Berufskollege von Mirabaud Securities Limited sieht im Zuge des Zwischenberichts selbst die optimistischsten Erwartungen übertroffen. Deshalb sei die vergleichsweise stolze Bewertung der Aktie durchaus gerechtfertigt, so schreibt er. Der Experte erhöht sein Kursziel auf Basis der vorliegenden Kennzahlen um 4 Prozent auf 57 Franken, stuft die Aktie mangels Aufwärtspotenzial jedoch weiterhin nur mit "Hold" ein.