Nach Treffen - Clariant auf Konfrontationskurs mit oppositioneller White Tale

Clariant zeigt White Tale nach einem Treffen die kalte Schulter. Eine Antwort der oppositionellen Aktionärsgruppe steht noch aus. Weil eine Eskalation droht, unterliegt die Aktie grösseren Stimmungsschwankungen.
24.11.2017 10:35
Von Lorenz Burkhalter
Clariant-Chef Hariolf Kottmann könnte White Tale ein Dorn im Auge sein.
Clariant-Chef Hariolf Kottmann könnte White Tale ein Dorn im Auge sein.
Bild: ZVG

Zu Wochenbeginn trafen sich Teile des Verwaltungsrats von Clariant mit Vertretern der oppositionellen Aktionärsgruppe White Tale. Das erklärte Ziel: Nach der Beendigung des geplanten Zusammenschlusses des Spezialitätenchemieherstellers mit dem amerikanischen Rivalen Huntsman mögliche Wege für eine zukünftige Zusammenarbeit zu finden.

Wie am frühen Freitag in einer Mitteilung an die Medien entnommen werden kann, führte das Treffen allerdings zu keinem Durchbruch. White Tale habe anlässlich des Treffens weder eine eigene Strategie, noch konkrete Pläne vorgelegt, wie Clariant weiterentwickelt werden solle, so heisst es.

In den Augen des Verwaltungsrats ist die Aktionärsgruppe auf eine Zerschlagung des Unternehmens und einen Verkauf der einzelnen Geschäftsbereiche aus. Einmal mehr wird dieser Forderung deshalb eine klare Absage erteilt und auf den kommenden Januar vertröstet. Erst dann will Clariant mit möglichen Strategieanpassungen aufwarten.

Damit gehen die Baselbieter auf Konfrontationskurs mit der Aktionärsgruppe, welche immerhin gut 20 Prozent der Stimmen hält.

White Tale könnte personelle Konsequenzen fordern

Noch steht eine Reaktion seitens von White Tale zwar aus. Beobachter sind sich jedoch einig, dass die Amerikaner den Druck auf den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung erhöhen dürften. Mit dem einen vom Spezialitätenchemiehersteller angebotenen Verwaltungsratssitz sei es nicht getan, so der Tenor.

Im hiesigen Berufshandel wird eine Eskalation deshalb nicht kategorisch ausgeschlossen und gegebenenfalls sogar mit personellen Konsequenzen auf Unternehmensseite gerechnet. Weil Konzernchef Hariolf Kottmann als treibende Kraft hinter dem ursprünglich geplanten Zusammenschluss mit Huntsman gilt, gilt er als angreifbar. In einem Kommentar warnt die Zürcher Kantonalbank denn auch vor einem "für das Tagesgeschäft nicht förderlichen Kräftemessen".

Die Angst vor negativen Folgen überwiegt bei den Anlegern. An der Schweizer Börse SIX verliert die Clariant-Aktie deshalb 0,5 Prozent auf 26,48 Franken. Im bisherigen Tagesverlauf wurden Kurse zwischen 26,41 und 26,68 Franken bezahlt.

Was die in Aussicht gestellten Strategieanpassungen anbetrifft, gibt sich der für Kepler Cheuvreux verantwortliche Chemieanalyst zuversichtlich. Er rechnet mit einer Kombination aus Aktionärswert generierenden Massnahmen und Kosteneinsparungen. Darauf abgestützt bekräftigt der Experte die Kaufempfehlung und erhöht das Kursziel auf 30 (bisher 26) Franken.

Oppositioneller Grossaktionär steht in der Pflicht

Diese Erhöhung hat jedoch ausschliesslich finanzmathematische Gründe, passt der Kepler-Cheuvreux-Analyst doch seine Annahme für die gewichteten Kapitalkosten (WACC) auf 8 Prozent an. Dadurch steigt das Kursziel.

Rückblickend vereitelte vor allem der Widerstand seitens von White Tale den Schulterschluss zwischen Clariant und Huntsman. Wie es im hiesigen Berufshandel heisst, steht die oppositionelle Aktionärsgruppe damit bei den übrigen Mitaktionären in der Pflicht.

Vor gut zwei Wochen berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg davon, dass sich der Risikokapitalgeber CVC Capital Partners und der deutsche Chemiekonzern Evonik zu einem Bieterkonsortium zusammengeschlossen hätten, mit dem Ziel, Clariant zu übernehmen. Damals zweifelten Branchenexperten ein Interesse seitens von Evonik allerdings an. So sind die Mitaktionäre vermutlich dazu verdammt, bis zu den möglichen Strategieanpassungen vom Januar zu warten.

Mit interessanten Berechnungen wartet der Autor eines Kommentars aus dem Hause Baader-Helvea auf. Er siedelt den fairen Wert einer eigenständigen Clariant zwischen 21 und 28 Franken je Aktie an. Im Falle eines Verkaufs des gesamten Unternehmens steigt dieser Wert auf rund 30 Franken und bei einer Unternehmenszerschlagung sogar auf bis zu 35 Franken. Allerdings setze eine Zerschlagung mit einem anschliessenden Verkauf der einzelnen Geschäftsbereiche einen langen Atem voraus, so der Experte. Das "Hold" lautende Anlageurteil und das Kursziel von 25 Franken werden bestätigt.

Vorsichtiger äussert sich der Berufskollege von J.P. Morgan. Er setzt den für eine Unternehmenszerschlagung wichtigen Sum-of-the-Parts-Wert bei gerademal 21,20 Franken je Aktie an. Dennoch stuft der Analyst die Aktie wie bis anhin mit "Neutral" und einem Kursziel von 24 Franken ein.