Nach Trump-Wahl: Rätselraten um Schweizer Hypothekarzinsen

Seit den Wahlen in den USA haben sich langfristige Schweizer Hypotheken deutlich verteuert. Ob der Trend anhält, ist allerdings unklar. Deshalb sind vorschnelle Abschlüsse nicht angebracht - sie könnten sich rächen.
21.11.2016 23:05
Von Ivo Ruch
Bauen in der Schweiz hat sich verteuert. Die Frage ist: Wie lange bleibt das so?
Bauen in der Schweiz hat sich verteuert. Die Frage ist: Wie lange bleibt das so?
Bild: Pixabay

In den vergangenen Tagen ist im Immoblilienmarkt bemerkenswertes passiert. Die Zinsen für langfristige Schweizer Festhypotheken sind seit dem Wahlsieg von Donald Trump deutlich gestiegen. Kostete eine zehnjährige Baufinanzierung vor dem US-Urnengang im Durchschnitt noch knapp 1,4 Prozent, sind es aktuell schon 1,52 Prozent.

Für Immobilienbesitzer oder solche, die es werden möchten, geht dieser Anstieg ins Geld. Hochgerechnet auf die gesamte Laufzeit von zehn Jahren und ausgehend von einer Hypothek über 1 Million Franken zahlen Schweizerinnen und Schweizer nun 12'000 Franken mehr als noch vor der Wahl Trumps zum nächsten amerikanischen Präsidenten.

Hintergrund dieser plötzlichen Verteuerung ist eine veränderte Erwartung an die zukünftige Zinsentwicklung. Die von Trump in Aussicht gestellten umfangreichen Investitionen und die geplanten Steuersenkungen lassen viele Beobachter auf eine vorerst bessere Wirtschaftsentwicklung hoffen.

Das lässt einen Zinsschritt der amerikanischen Notenbank Fed an ihrer nächsten Sitzung (14. Dezember) noch realistischer werden. Laut Teilnehmern an den Finanzmärkten beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt mittlerweile mehr als 90 Prozent. Für das kommende Jahr mehren sich die Stimmen, die von drei weiteren Schritten im Umfang von je 0,25 Prozent ausgehen.

Staatsanleihen bewegen die Hypozinsen

Diese veränderte Sichtweise auf die Zinslandschaft habe auch die langfristigen Schweizer Zinsen ansteigen lassen, sagt Claudio Saputelli, Leiter des Immobilien-Research bei der UBS. In der Tat haben sich die Renditen auf zehnjährige Bundesobligationen in den letzten Tagen stark erholt. Von einem Stand bei -0,66 Prozent Ende September bis auf aktuell -0,12 Prozent – den höchsten Stand im laufenden Jahr, wie der folgende Chart zeigt. "Das betrifft letztendlich auch die Hypothekarzinsen", so Saputelli gegenüber cash.
 

Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der Eidgenossenschaft seit Anfang 2016 (Quelle: cash.ch).

Sind weitere Zinsanstiege bei den Schweizer Hypothekenanbietern bereits eingepreist oder folgen in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere Verteuerungen? Da gehen die Meinungen auseinander. Aus Sicht von Giampiero Brundia von der Hypothekenbörse Uster erleben wir derzeit einen "Zinsbuckel". Mit anderen Worten: Die Zinsen sind zu schnell und zu stark angestiegen, obwohl sich aus Schweizer Sicht fundamental nicht viel geändert hat.

Entscheidend für die weitere Entwicklung der langfristigen Hypothekenzinsen in der Schweiz sind in erster Linie die Kursbewegungen von Schweizer Staatsanleihen. Und diese sind wiederum eng an ihre europäischen Pendants gekoppelt.

"Europa ist noch lange nicht über den Berg, und die Trump-Euphorie wird wieder verfliegen", sagt Brundia. Er erwartet deshalb, dass die Renditen auf Staatsanleihen und mit ihnen die Hypothekenzinsen bald wieder sinken werden und durchaus auf Niveaus des vergangenen Sommers zurückkehren könnten. "Jetzt eine Festhypothek abzuschliessen, ist also gut zu überlegen", so Hypotheken-Berater Brundia.

Eine Bewegung in die andere Richtung hält dagegen UBS-Ökonom Saputelli für wahrscheinlich. Mit Blick auf die zehnjährigen Schweizer Staatsanleihen sei in diesen volatilen Zeiten der Anstieg in den positiven Renditebereich in naher Zukunft durchaus möglich, sagt er zu cash.

Immer informieren und verhandeln

Egal, ob sich zehnjährige Festhypotheken in den kommenden Wochen verteuern oder verbilligen: Im historischen Vergleich sind die Zinsen immer noch tief. Vor einem Jahr musste für dasselbe Produkt durchschnittlich 1,75 Prozent Zins hingelegt werden, vor drei Jahren waren es gar rund 2,6 Prozent.

Unverändert bleibt, dass genaues Informieren und geschicktes Verhandeln ebenso wichtig sind wie der richtige Zeitpunkt beim Abschluss einer Baufinanzierung. Wie Daten des Winterthurer Finanzberaters Vermögenspartner zeigen, beträgt der Unterschied zwischen dem günstigsten (Aargauische Pensionkasse) und dem teuersten (Credit Suisse) Hypothekenanbieter momentan 0,8 Prozent – notabene ein Vielfaches des jüngsten Zinsanstiegs.

Die günstigsten Anbieter von zehnjährigen Festhypotheken

Anbieter Zinssatz (in %)
Aargauische Pensionskasse 1,04
Crédit Agricole Financements 1,19
BVK 1,20
Homegate.ch 1,23
Allianz Suisse 1,25
hypomat.ch 1,26
e-Hypo 1,27
AXA Winterthur, Zurich Versicherung 1,28
EasyHypo 1,29
family-net.ch 1,30

Quelle: Vermögenspartner.ch (Stand: 21.11.16)