Nach übertriebenen Vortagesverlusten - Novartis enttäuscht - Aktie erholt sich jedoch

Glivec rettet Novartis das Schlussquartal. Das Krebsmedikament ist jedoch vom Patentablauf betroffen. Deshalb fällt auch der Ausblick enttäuschend aus. Dennoch kann sich die schon seit Tgen schwache Aktie fangen.
25.01.2017 12:53
Von Lorenz Burkhalter
Hat mit Altlasten seines Vorgängers Daniel Vasella zu kämpfen: Novartis-Chef Joe Jimenez.
Hat mit Altlasten seines Vorgängers Daniel Vasella zu kämpfen: Novartis-Chef Joe Jimenez.
Bild: Bloomberg

Was seit längerem erwartet wurde, ist seit dem frühen Mittwoch Gewissheit: Unter Ausklammerung des vom Patentablauf betroffenen Blutkrebsmedikaments Glivec muss der Basler Gesundheitskonzern Novartis auf ein enttäuschendes Schlussquartal zurückblicken.

Obwohl einige Analysten ihre Schätzungen bereits im Vorfeld nach unten genommen haben, verfehlt der Zahlenkranz die Erwartungen sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Kerngewinn leicht.

Deshalb überrascht nicht, dass sich das Unternehmen für das laufende Jahr eher kleinlaut gibt und mit einem vorsichtig abgefassten Ausblick aufwartet. Das 5 Milliarden Dollar schwere Aktienrückkaufprogramm wird zwar begrüsst, reicht allerdings nicht aus, um die Anleger versöhnlich zu stimmen.

Dennoch kann sich die in den Tagen zuvor schwache Novartis-Aktie an der Schweizer Börse SIX fangen. Zur Stunde gewinnt sie noch 1,7 Prozent auf 70,75 Franken. Im Laufe des Vormittags wurden sogar Kurse von bis zu 71,60 Franken bezahlt.

Von einer "einigermassen akzeptablen Leistung" im Schlussquartal ist in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank zu lesen. Dennoch räumt der Verfasser ein, dass weder die bankeigenen Schätzungen noch jene des Marktes ganz erfüllt werden konnten.

Schlüsselmedikament Cosentyx gewinnt an Fahrt, Entresto noch nicht

Seines Erachtens drückten die Nachahmerprodukte für Schlüsselmedikamente wie Glivec, Exelon und Exforge bei den Baslern auf die Geschäftsentwicklung. Auch bei der in der Augenheilkunde tätigen Tochter Alcon sei es noch zu keiner Stabilisierung gekommen, so schreibt der Analyst weiter.

Als ein Lichtblick bezeichnet er hingegen den starken Umsatzbeitrag mit dem noch jungen Präparat Cosentyx. Das Medikament konnte die Erwartungen in allen drei Anwendungsgebieten übertreffen. Auch das Herzpräparat Entresto sieht der Experte langsam wachsen. Er empfiehlt die Novartis-Aktie deshalb weiterhin mit "Übergewichten" zum Kauf.

2017 ein weiteres Übergangsjahr

Sein für die Bank Vontobel tätige Berufskollege zeigt sich eher enttäuscht von der Absatzentwicklung mit Entresto. Auch der Ergebnisbeitrag der US-Tochter Alcon überzeugt ihn allem Anschein nach nicht. Selbst seine bereits tiefen Prognosewerte seien noch verfehlt worden, so gibt er zu bedenken. Was den Ausblick für 2017 anbetrifft, so deckt sich dieser hingegen mit den Erwartungen des Analysten. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 81 Franken ein.

In einem Kommentar aus dem Hause Baader-Helvea ist von einem Schlussquartal im Rahmen der Erwartungen die Rede. Der Autor sieht Novartis allerdings in ein umsatz- und gewinnseitiges Übergangsjahr übergehen. Dennoch empfiehlt er die Aktie unverändert mit einem Kursziel von 85 Franken zum Kauf.

Kommt endlich Bewegung ins Firmenportfolio?

Für den Analysten der UBS Investmentbank ist offensichtlich, dass der Basler Gesundheitskonzern mit dem bekannt gegebenen Aktienrückkaufprogramm das Übergangsjahr 2017 überbrücken will. Die Rückkäufe seien notwendig, um ein Abrutschen des Gewinns je Aktie zu verhindern, so seine Vermutung. Das Anlageurteil lautet weiterhin "Neutral" und das 12-Monats-Kursziel 72 Franken.

Händlern zufolge sorgt auch die von den Novartis-Vertretern angedeutete Abspaltung des Sorgenkinds Alcon. Angeblich könnte eine solche noch vor Jahresende zu realisieren sein, so heisst es am Markt. Auch die am Platzrivalen Roche gehaltene Beteiligung steht schon eine ganze Weile zur Disposition. Novartis selber wähnt sich allerdings nicht in Eile und wartet auf bessere Kurse.