Nach US-Einigung: Aktie von Julius Bär steigt

Julius Bär hat sich im Steuerstreit mit den US-Behörden im Grundsatz geeinigt. Die Angelegenheit kommt den Vermögensverwalter etwa 630 Millionen Franken zu stehen. Der Markt hatte Schlimmeres erwartet.
30.12.2015 10:24
Von Daniel Hügli
Bei Julius Bär an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Bei Julius Bär an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Bild: Bloomberg

Die bereits bestehenden Rückstellungen von 350 Millionen Dollar hat Bär um 197,25 Millionen Dollar aufgestockt, wie der Vermögensverwalter am Mittwoch mitteilte. Grundlage dafür ist eine vorläufige Einigung mit den US-Behörden, die allerdings noch vom US-Justizministerium bestätigt werden muss.

Damit würde der Steuerstreit Bär zunächst 547 Millionen Dollar kosten. Analysten der Bank Vontobel rechnen noch mit Zusatzkosten von 80 Millionen Franken, was eine Summe von etwa 630 Millionen Franken ergibt.

Das ist zwar mehr als aufgrund der Rückstellungen von der Bank selber erwartet wurde, aber weniger als die "Worst-Case"-Szenarien des Marktes. Denn zu Beginn der Verhandlungen ging man mitunter davon aus, dass Julius Bär den USA bis zu 1 Milliarde Dollar zahlen müsse. Zuletzt war von einer Zahlung von 700 Millionen die Rede.

Investoren erleichtert

Die Aktie von Julius Bär steigt denn auch im frühen Handel am Mittwoch um über 4 Prozent, fällt dann aber etwas zurück. Im 2015 resultiert damit eine Performance von 4 Prozent.

"Wir begrüssen die Bereinigung dieser langwierigen, kostspieligen Angelegenheit", schreibt die Bank Vontobel in einem Kommentar. Sie geht davon aus, dass Bär in der Lage sein wird, die Dividende auf 1,10 Franken zu erhöhen und auch die angekündigten Übernahmen durchzuführen.

"Wichtig ist, dass diese Einigung einen Risikofaktor beseitigt. Das setzt Management-Kapazitäten frei, um weiter an der Sektor-Konsolidierung teilzunehmen", schreibt die Bank J. Safra Sarasin ihrerseits in einem Kommentar. Die Eigenkapitalausstattung von Julius Bär bleibe robust.

Reingewinn erwartet für 2015

Eine definitive Lösung erwartet Bär im ersten Quartal 2016. Die zusätzlichen Rückstellungen werde Bär in der Bilanz 2015 verbuchen. Dennoch erwarte die Bank einen bereinigten Nettogewinn.

Erst rund zwei Drittel der Schweizer Banken haben nach ihrer Selbstanzeige im US-Steuerstreit eine Einigung mit dem US-Justizministerium erzielt. Eigentlich hätte der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA bis Ende Jahr beigelegt sein sollen.

Dennoch darf davon ausgegangen werden, dass nun auch die anderen Schweizer Banken der Kategorie 1, zu der auch Bär gehört, sich bald mit den USA einigen werden. Dazu gehören die Zürcher Kantonalbank und die Basler Kantonalbank.

Bisher höchste Bussen

Die bisher mit Abstand höchste Busse wurde im März, als erster Schweizer Bank überhaupt, der Tessiner Bank BSI mit 211 Millionen Dollar auferlegt. Die nächsthöheren Bussen für Crédit Agricole (Suisse) und Bank Safra Sarasin liegen bei 99,2 Millionen bzw. 85,8 Millionen Dollar.

Relativ glimpflich davon kamen 12 Banken, mit zum Teil deutlich unter 1 Millione Dollar als Vergleichssumme. 14 mussten zwischen einer und 2 Millionen berappen. Einen zweistelligen Millionenbetrag wendeten 16 Banken auf, wobei rund Drittel davon unter 20 Millionen Dollar zahlen musste.

Eine Bewertung der Höhe der jeweiligen Bussen ist laut der Schweizerischen Bankiervereinigung unmöglich. Das US-Justizministerium veröffentlicht kein Berechnungsmodell und kommuniziert nicht, wie die Bussenhöhe zustande gekommen ist. Die Bankiervereinigung ist, wie auch das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF), nicht in die Verhandlungen zwischen dem US-Justizministerium und den Banken involviert.

(Mit Material von Reuters und AWP)