Nachhaltigkeit - Schweizer Fondsmanager setzt auf Haselnüsse

Um das Rätsel zu knacken, wie man den Markt schlagen kann, muss man sich manchmal sehr weit weg begeben von Paradeplatz oder Wall Street - manchmal sogar bis nach Bhutan.
28.10.2017 08:00
Blick aus das Tigernest-Kloster ("Taktshang") im Königreich Bhutan.
Blick aus das Tigernest-Kloster ("Taktshang") im Königreich Bhutan.
Bild: pixabay.com

Das ist nur eine der weit entfernten Gegenden, in denen sich ResponsAbility Investments umgeschaut hat, um die eigenen Erträge aufzupeppen. Der Vermögensverwalter aus Zürich investiert in die Haselnuss-Produktion an den Hängen des höchsten Gebirges der Welt in der Hoffnung, sie an Hersteller von Produkten wie Nutella verkaufen zu können. Wenn es um Haselnüsse geht, werden "70 Prozent in der Türkei produziert", sagt Rochus Mommartz vom Zürcher Fonds. "Aber die Hersteller wollen sich nicht auf Haselnüsse aus der Türkei verlassen."

Mommartz, der in mehr als 40 Entwicklungsländern als Berater tätig war und Regierungen und Aufsichtsbehörden bei der Umsetzung von gesetzlichen Rahmenbedingungen half, hat den 3,3 Milliarden US-Dollar schweren Fonds in einige der ärmsten Regionen der Welt geführt und setzt auf Unternehmen, von denen viele Investoren vermutlich noch nie gehört haben.

Da die Erträge in den Industrieländern aufgrund niedriger Zinsen und verringerter Volatilität unter Druck geraten sind, kaufen Investoren zunehmend passive Produkte wie börsengehandelte Fonds (ETF).

ResponsAbility befindet sich am anderen Ende des Spektrums und investiert in Ländern, in denen es keine Benchmark und nur beschränkte Märkte gibt. Der Vermögensverwalter kauft private Verbindlichkeiten und Beteiligungen in den Bereichen Finanzen, Landwirtschaft und erneuerbare Energien - wobei rund 80 Prozent in Verbindlichkeiten und 20 Prozent in Beteiligungen stecken.

Investition in die Realwirtschaft

Es handelt sich nicht um "Philanthropie", sagt er. "Wir wollen Erträge. Es gibt einen Bedarf - es ist eine gute Investition. Es ist eine Investition in die Realwirtschaft. Es ist keine Investition in irgendeine Art von Instrument. "

Unterm Strich steckt das Geld in rund 550 Unternehmen aus fast 100 Ländern. Zu den Investments zählen mobile Bezahldienste in Ägypten, Mikrofinanzierungen in Georgien und Cashewnüsse in Togo. Der Fonds, dessen grösste Kunden schweizerische Pensionskassen sind, strebt einen Nettoertrag von 15 Prozent bis 18 Prozent bei seinen Private-Equity-Investments in der Landwirtschaft an.

Der Vermögensverwalter nutzt die Nachfrage nach Fonds, die ökologische und soziale Belange berücksichtigen. Solche Anlagen können auch als Absicherung für institutionelle Anleger fungieren, da sie eine geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen aufweisen, sagt Mommartz.

Die "Herausforderung" besteht nach seinen Worten vor allem darin, aus den Investments auszusteigen. In grösseren Märkten wie Indien und Brasilien ist ein Börsengang eine der Alternativen. Anderenorts ist der Verkauf an internationale Banken, die auf einen neuen Markt vordringen wollen, oder an globale Lebensmittelmarken, die eine vertikale Integration anstreben, eine Option.

Politische Einmischung als Risiko

"Sie brauchen den Rohstoff, es gibt strategisches Interesse von verschiedenen Parteien", sagt er. "Wir werden mehr davon sehen, weil die Sicherung der Rohprodukte für Unternehmen immer wichtiger wird."

Grössere Risiken sind politische Einmischung und makroökonomische Stabilität, berichtet Mommartz. "Es gibt bestimmte Länder, in denen wir keine Geschäfte machen", wie etwa Somalia, "mit einem hohen politischen Risiko."

Und für diejenigen, die bereit sind, auf Bhutan und Togo zu wetten, zahlt es sich aus, die Nüsse nicht beim Wachsen zu beobachten.

"Geduld ist das, was nötig ist", sagt er. "Ein Investor, der monatliche Erträge und monatliche Liquidität braucht - das können wir nicht leisten."

(Bloomberg)