Nahrungsmittelhersteller - Deshalb reagieren die Anleger negativ auf die Nestlé-Zahlen

Das SMI-Schwergewicht Nestlé hat heute die Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Obwohl der Konzern leicht über den Erwartungen gewachsen ist, sinkt der Aktienkurs. Wieso?
19.10.2017 10:25
Von Pascal Züger
Mark Schneider ist seit diesem Jahr CEO von Nestlé.
Mark Schneider ist seit diesem Jahr CEO von Nestlé.
Bild: ZVG

Nestlé ist mit einem Börsenwert von 260 Milliarden Franken das grösste Schwergewicht am Schweizer Aktienmarkt – noch vor den Pharmaherstellern Novartis und Roche. Und der Megakonzern hat in diesem Jahr unter dem neuen CEO Mark Schneider seinen Kurs leicht angepasst. Das kam bisher bei den Aktionären gut an, die Nestlé-Aktie konnte seit Jahresbeginn 15 Prozent an Wert zulegen.

Heute liegen nun die Zahlen zum dritten Quartal 2017 vor. Nachdem die ersten beiden Quartale umsatzmässig eher enttäuschten, zog das Wachstum im dritten Quartal wieder an. Trotzdem reagieren die Anleger alles andere als euphorisch. cash wirft einen genaueren Blick auf die Resultate:

Wie reagiert die Nestlé-Aktie?

Nachdem der Nestlé-Titel vorbörslich 0,4 Prozent im Minus notierte, fiel die Aktie nach Börseneröffnung zwischenzeitlich um 1 Prozent. Aktuell beträgt das Minus noch 0,7 Prozent (Stand 10.00 Uhr).

Wie stark wächst Nestlé?

Nachdem das organische Wachstum im ersten und zweiten Quartal schwache 2,3 bzw. 2,4 Prozent betrug, beschleunigte sich dieses im dritten Quartal nun auf 3,1 Prozent. Für die ersten neun Monate ergibt dies ein organisches Wachstum von 2,6 Prozent. Die Konsenserwartungen der Analysten von 2,5 Prozent wurden somit leicht übertroffen. Gemäss Nestlé ist Westeuropa wieder zum Wachstum zurückgekehrt, getragen von einem starken Beitrag der Kategorien Kaffee und Süsswaren. Der stärkste Wachstumsbeitrag kommt jedoch aus den Schwellenländern (+5,1 Prozent).

Sind die Restrukturierungskosten Schuld am Kursabschlag?

Eher nicht. Nestlé-CEO Mark Schneider betonte in der Medienmitteilung von heute Vormittag, dass die Effizienzverbesserung eine wichtige Priorität sei. Um die Margenverbesserung zu beschleunigen, kommt es 2017 zu einem weiteren Anstieg der Restrukturierungskosten (400 bis 500 Millionen Franken), was mit 40-60 Basispunkten auf die operative Ergebnismarge schlagen dürfte.

Bis 2020 dürften die gesamten Kosten der Restrukturierung 2,5 Milliarden Franken betragen. Für die Bank Baader Helvea ändern diese Kosten aber das Gesamtbild von Nestlé nicht: "Die steigenden Restrukturierungkosten von Nestlé sind keine Überraschung; Auch wenn der Betrag am oberen Ende der Erwartungen liegt", schreibt die Bank in einem Kommentar.

Wenn nicht die Restrukturierungskosten, was ist dann ausschlaggebend für die negative Reaktion an der Börse?

Verschiedene Gründe spielen eine Rolle: Einerseits ist die Aktie, wie Eingangs erwähnt, in diesem Jahr bereits ziemlich stark angestiegen (+15 Prozent). Nestlé ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2017 von 24 inzwischen teuer bewertet, weshalb Gewinnmitnahmen eine logische Folge sind.

Für etwas Enttäuschung sorgt auch die Tastsache, dass Nestlé gemäss Guidance im vierten Quartal wieder etwas weniger schnell als im dritten Jahresabschnitt wachsen dürfte. Die Guidance impliziere ein schwächeres Wachstum trotz einfacherer Vergleichszahlen aus dem Vorjahr, heisst es bei der Bank Vontobel. Sie bezeichnet in ihrem Kommentar 2017 für Nestlé als "definitiv ein Übergangsjahr".

Die ZKB sieht noch einen weiteren Grund: Zwar seien die Wachstumschätzungen der Analysten übertroffen worden, doch habe der Markt inzwischen insgeheim noch etwas mehr erwartet. Die Konsensschätzungen sind erfolgt, bevor Danone die Zahlen präsentierte. Und da der Branchenkonkurrent mit plus 4,7 Prozent im dritten Quartal ausserordentlich stark wuchs, könnte dies die Erwartungen an Nestlé noch etwas nach oben geschraubt haben.

Sollen Anleger die Finger von Nestlé-Aktien lassen?

Nicht unbedingt. Auffallend viele Analysten empfehlen derzeit ein Kauf der Nestlé-Titel. In einem Morgan Stanley Kommentar steht etwa: "Wir sehen bei Nestlé weiterhin einen beschleunigten Wandel, welcher ein starkes organisches Wachstum sowie eine attraktive Margenverbesserung durch das Kostensparprogramm bietet". Morgan Stanley gibt daher eine Kaufempfehlung aus, mit einem Kursziel bei 90 Franken (aktueller Kurs: 84,1 Franken). Noch höher ist das Nestlé-Kursziel von J.P. Morgan und Vontobel: 95 bzw. 96 Franken. Das würde ein Aufwärtspotenzial von 10 bis 15 Prozent bedeuten. Hinzu kommt noch eine Dividendenrendite von derzeit 2,7 Prozent.

(Mit Material von AWP)