Nahrungsmittelhersteller - Nestlé prüft strategische Optionen für sein Hautgesundheits-Geschäft

Nestlé-Chef Mark Schneider treibt den Umbau des weltgrössten Nahrungsmittelherstellers weiter voran.
20.09.2018 09:43
Mark Schneider, CEO von Nestlé, treibt den Wandel beim Unternehmen voran.
Mark Schneider, CEO von Nestlé, treibt den Wandel beim Unternehmen voran.
Bild: ZVG

Das Unternehmen habe entschieden, die strategischen Optionen für das Hautgesundheitsgeschäft Nestle Skin Health zu prüfen, teilte Nestle am Donnerstag mit. Der Bereich, der neben Sonnenschutzmitteln unter anderem auch Produkte gegen Akne und Hautkrebs herstellt, kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Franken. Das zukünftige Wachstumspotenzial des Bereichs mit mehr als 5000 Mitarbeitern liege zunehmend außerhalb der strategischen Stoßrichtung von Nestlé.

"Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zu prüfen, welches die beste Eigentümerstruktur für Nestle Skin Health ist, unter der das Unternehmen weiterhin florieren kann", erklärte Schneider. Laut Schneider erzielte Skin Health in den vergangenen zwei Jahren unter dem neuen Management bedeutende Fortschritte. Welche Optionen Nestlé dabei alles im Blick hat, wird offen gelassen. Möglich ist ein Verkauf des Bereichs, nachdem dieser in den letzten Jahren kräftig ausgebaut worden war. Nestlé will bis Mitte 2019 entscheiden, was mit der Hautgesundheitssparte passieren soll. 

Der Fokus von Nestlé solle noch deutlicher auf Nahrungsmittel, Getränke und gesundheitsunterstützende Produkte liegen. Dies bildet laut Aussagen von Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke die "beste Voraussetzung für langfristig profitables Wachstum." Der Verwaltungsrat sei daher überzeugt, dass die Prüfung im besten Interesse von Skin Health als auch der Nestlé-Aktionäre liege. Im Einklang mit der neuen Strategie hatte Nestlé im vergangenen Dezember den kanadischen Vitamin- und Nahrungsmittelzusatz-Hersteller Atrium gekauft.

Der für Marken wie Maggi, KitKat oder Nescafe bekannte Konzern steht unter Druck, das zuletzt verhaltene Wachstum anzukurbeln. Das wachsende Kaffeegeschäft hat Schneider bereits mit mehreren Zukäufen und einer Partnerschaft mit Starbucks gestärkt. Wenig vielversprechende Bereiche wie das US-Süßigkeitengeschäft hat er dagegen verkauft. Zuletzt hatte sich Nestlé auch vom Gerber-Life-Insurance-Geschäft getrennt. Neben Gerber Life hatte sich Nestlé auch von seinem Süssigkeitengeschäft in Neuseeland getrennt und soll gleichzeitig am Kauf des indischen Malzgetränkeherstellers Horlicks vom britischen Pharmamulti GlaxoSmithKline interessiert sein.

Nicht wirklich überraschend

Mit Bekanntgabe der Halbjahreszahlen 2018 zog das Wachstum bei Nestlé nach einigen mageren Quartalen allerdings wieder an. CEO Schneider zeigte sich Ende Juli denn auch zufrieden. "Das Ergebnis zeigt deutlich, dass sich unsere strategischen Initiativen und deren konsequente Umsetzung bezahlt machen", sagte er vor einigen Wochen.

Ob diese ganzen Massnahmen allerdings den US-Investor Third Point zufrieden stellen, wird sich zeigen müssen. Anfang Juli hatte dieser den Konzern nämlich erneut angegriffen und in einem Brief an das Management den "konfusen strategischen Kurs" kritisiert. Nestlé bewege sich nicht schnell genug bei der Abtrennung von Firmenteilen, hiess es damals unter anderem in dem Brief von Third Point. Der US-Investor forderte konkret den Verkauf, die Abspaltung oder andere Massnahmen zur Devestition von 15 Prozent des Umsatzes. Die Mittel daraus sollen für Akquisitionen und weitere Aktienrückkäufe verwendet werden.

Für Analysten kommt die Überprüfung von Skin Health nicht überraschend. Nestlé erfülle Schritt für Schritt die Versprechen des letztjährigen Investorentags, heisst es bei Baader Helvea. Mittlerweile sei der Konzern schon nahe an seinem Verkaufsziel von 5 Prozent des Umsatzes bis 2020. Daher könnten einige Investoren nun eine beschleunigte Transformation fordern. Die schwächeren Bereiche wie das europäische Süsswarengeschäft, Tiefkühlprodukte, US-Eiscremegeschäft, Thomy sowie das US-Wassergeschäft müssten nun zeigen, dass sie nachhaltiges profitables Wachstum erzielen können und somit ihren Verbleib im Konzern rechtfertigen.

Die Bank Vontobel lobt den Schritt - nachdem Investoren den 2014 sehr überraschenden Eintritt in die Hautpflege nie wirklich nachvollziehen konnten, sei dieser Entscheid zur Überprüfung nun eine der besten strategischen Schritte, so Jean-Philippe Bertschy. Auch er geht davon aus, dass Nestlé im Portfolio weiter aufräumen wird. An der Börse wurden die Nachrichten gelassen aufgenommen. Zum Handelsstart zeigten sich die Titel mit +0,3 Prozent etwas freundlicher als der Gesamtmarkt.

(Reuters/AWP/cash)