Nahrungsmittelkonzern - Stapelt Nestlé beim Ausblick für 2018 absichtlich tief?

Nestlé blickt auf ein verhaltenes Jahr zurück. Wachstum und Margen enttäuschen. Die neuen Zielvorgaben fallen vorsichtig aus, wobei Analysten Kalkül dahinter vermuten. Das hilft der Aktie jedoch herzlich wenig.
15.02.2018 13:07
Von Lorenz Burkhalter
Will den Überraschungsmoment auf seiner Seite wissen: Nestlé-Chef Mark Schneider.
Will den Überraschungsmoment auf seiner Seite wissen: Nestlé-Chef Mark Schneider.
Bild: ZVG

Auf Nestlé-Chef Mark Schneider wartet noch immer eine ganze Menge Arbeit. Das zumindest verrät das am Donnerstagmorgen veröffentliche Jahresergebnis des Nahrungsmittelkonzerns aus Vevey.

Nachdem das organische Umsatzwachstum im Schlussquartal eine deutliche Verlangsamung erfuhr, verfehlt das Resultat die diesbezüglichen Analystenerwartungen klar. In Kombination mit hohen einmaligen Kosten schlägt das beim operativen Gewinn sowie beim Reingewinn negativ zu Buche.

Was die Zielvorgaben für 2018 betrifft, so liegen die Markterwartungen beim organischen Umsatzwachstum mit 3,5 Prozent am oberen Ende der mit 2 bis 4 Prozent angegebenen Erwartungsbandbreite. Bei den operativen Margen strebt das Unternehmen hingegen - wenig aussagekräftig - eine Verbesserung zu konstanten Wechselkursen an. Beobachter vermuten, dass Nestlé absichtlich tiefstapelt.

Das hilft der Nestlé-Aktie an der Schweizer Börse SIX allerdings herzlich wenig. Zur Stunde wird sie nochmit einem Minus von 2,5 Prozent auf 75,36 Franken abgestraft, was den Swiss Market Index knapp 50 Punkte kostet. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 75,14 Franken.

Aus Sicht der Citigroup verfehlt das vorliegende Jahresergebnis die Erwartungen an das Umsatzwachstum ziemlich deutlich. Für die US-Investmentbank steht die organische Umsatzverlangsamung im Schlussquartal in einem starken Kontrast zur insgesamt starken Margenentwicklung, einmalige Kosten ausgeklammert.

Wachstumskategorien enttäuschen, Kritik wird laut

Die Analysten der Citigroup folgern daraus, dass Nestlé die Prioritäten von der Margenentwicklung auf das zukünftige Wachstum verlagern sollte. Zudem fordern sie von Konzernchef Mark Schneider weitere Anpassungen im Beteiligungsportfolio.

In Erwartung grösserer Veränderungen wird die Aktie weiterhin mit einem Kursziel von 96 Franken zum Kauf empfohlen.

Der für die Zücher Kantonalbank tätige Berufskollege geht davon aus, dass Nestlé beim Wachstum im Schlussquartal schlechter als die zugrundeliegenden Absatzmärkte abgeschnitten hat. Auch die eigentlichen Wachstumskategorien wie Kaffee, Heimtiernahrung, Nutrition und Wasser hätten zuletzt ein organisches Umsatzwachstum von weniger als 4 Prozent aufgewiesen, so schreibt er und stuft die Aktie wie bis anhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Steckt Kalkül hinter den vorsichtigen Zielvorgaben?

In einem Kommentar der UBS gewinnt der Autor dem Zahlenkranz nicht nur negative Aspekte ab. Das organische Umsatzwachstum verfehle die Erwartungen zweifelsohne, so schreibt er. Seines Erachtens sind gerade die um einmalige Kosten bereinigten Fortschritte bei der Margenentwicklung ziemlich ermutigend. Bei der Grossbank wird sowohl am "Neutral" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 88 Franken festgehalten.

Wie hiesige Händler ergänzen, hinterlassen die Zielvorgaben für 2018 einen eher konservativen Eindruck. Man vermutet, dass die Bandbreite für das organische Umsatzwachstum absichtlich vorsichtig formuliert ist, um diese im Jahresverlauf übertreffen zu können. Es stecke deshalb wohl Kalkül dahinter, so heisst es.

Bei der Bank Vontobel wähnt man Nestlé denn auch auf Zielkurs und vertritt die Ansicht, dass sich das Unternehmen auf die richtigen Problemfelder konzentriert. Mit ersten positiven Effekten rechnet man bei der Zürcher Bank bereits im Laufe dieses Jahres. Während die Kaufempfehlung für die Aktie bekräftigt wird, wird das Kursziel von 96 Franken in negative Überprüfung genommen.

Noch einen Schritt weiter geht Julius Bär, will man im Anschluss an die Ergebnisveröffentlichung doch sowohl die Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 83 Franken überprüfen.