Nationalbank  - SNB sieht erhebliche Risiken für Schweizer Wirtschaft

Der Schweizerischen Nationalbank steht die wirtschaftliche Erholung des Landes auf wackeligen Beinen. An einer Veranstaltung versuchte sie auch, ihre Anlagepolitik näher zu erklären.
23.03.2017 18:28
Andréa Maechler, Mitglied des Direktoriums der SNB, hielt am Donnerstagabend in Zürich eine Rede.
Andréa Maechler, Mitglied des Direktoriums der SNB, hielt am Donnerstagabend in Zürich eine Rede.
Bild: ZVG

Zwar zeichne sich eine Aufhellung der Weltkonjunktur ab und auch für die Schweizer Wirtschaft seien die Aussichten verhalten positiv, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler am Donnerstag , am SNB-Geldmarkt-Apéro in Zürich. "Doch bestehen weiterhin erhebliche Risiken", erklärte sie.

"Dabei dominieren zurzeit vor allem politische Unsicherheiten, wie zum Beispiel die Ausgestaltung der künftigen US-Wirtschaftspolitik, verschiedene Wahlen in Europa und die komplexen Brexit-Verhandlungen", so Maechler weiter.

Die Geldpolitik der Zentralbank sei neben Preisstabilität auch darauf ausgerichtet, die Wirtschaft zu unterstützen. Die SNB stütze sich dabei weiterhin auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen. "Mit der Politik, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, treten wir vor allem in Phasen außerordentlicher Nachfrage nach Franken dem verstärkten Aufwertungsdruck entgegen", sagte Maechler. Die Landeswährung sei noch immer deutlich überbewertet und darunter würden nach wie vor weite Teile der Exportwirtschaft sowie Branchen mit Importkonkurrenz leiden.

Die Währungshüter hatten vergangene Woche ihren geldpolitischen Kurs bekräftigt. Der Franken notierte am Donnerstagnachmittag mit 1,0694 pro Euro erstmals seit fast zwei Wochen wieder unter der Marke von 1,07. 

Aktienanteil steigt

Die SNB gab an der Veranstaltung auch einen Einblick in ihren Handelsalltag. Der Grund: Mit den steigenden Devisenreserven gerät auch die Anlagepolitik der Nationalbank in den Fokus. Kritiker befürchten Marktverzerrungen.

Die SNB hat den Anteil Aktien an den Devisenreserven seit 2005 schrittweise auf 20% erhöht, wie ander Veranstaltung am Donnerstag bekannt wurde. Aktuell entspricht der Aktienanteil einem Wert von über 130 Millarden Franken. Um den Anteil trotz des wachsenden Devisenbergs konstant zu halten, muss die Nationalbank laufend Aktien hinzukaufen. Auch Kursveränderungen und Anpassungen in Aktienindizes zwingen die Währungshüter dazu Titel zu kaufen oder wieder abzustossen.

Mit ihren Transaktionen will die SNB die Aktienkurse aber möglichst wenig beeinflussen. Es sollen keine Signale ausgesendet werden, die von den anderen Marktakteuren möglicherweise falsch interpretiert werden könnten.

"Bei der Geldpolitik geht es darum, mit einem dosierten Einsatz von Mitteln am Markt einen möglichst grossen Effekt zu erzielen. Bei der Anlagepolitik lautet die Devise hingegen, den Markt möglichst nicht zu bewegen, auch wenn grosse Volumen investiert werden", sagte das stellvertretende SNB-Direktoriumsmitglied Dewet Moser.

Dieses Ziel erreicht die SNB durch den Einsatz von Algorithmen, die sicherstellen sollen, dass die Ausführungen marktschonend über die Bühne gehen. "Jede Kauforder in einer Einzelaktie wird so, abhängig vom Nominalwert, der Anzahl Stücke und des Aktienkurses, nochmals in mehrere hundert Transaktionen portioniert, die im Tagesverlauf ausgelöst werden", erklärte Moser.

Bei der SNB entfallen rund 10% des Devisenbestands auf amerikanische Titel, Ende 2016 lag deren Wert bei 58,6 Mrd USD. Doch selbst in jenem Quartal des vergangenes Jahres, in dem die Schweizer Währungshüter am aktivsten waren, betrug der Anteil der SNB-Transaktionen am täglichen Handelsvolumen durchschnittlich weniger als 0,15%.

"Noch ein relativ kleiner Fisch"

"Die SNB gehört also absolut betrachtet zu den weltweit grössten institutionellen Anlegern, ist aber selbst bei aus unserer Sicht gewichtigen Umschichtungen immer noch ein relativ kleiner Fisch im grossen Ozean des US-Aktienmarktes", sagte Moser.

Zusätzlich versucht die Nationalbank ihren Markteinfluss zu reduzieren, indem sie vor allem dann aktiv ist, wenn die Umsätze ohnehin hoch sind. Als besonders liquid gilt der Markt am späteren Nachmittag, nämlich dann, wenn sich die europäische und die amerikanische Handelssession überschneiden. In einem solchen Umfeld bewegt laut Moser eine einzelne Transaktion den Preis weniger als in einem illiquideren Markt.

(Reuters/AWP/cash)