Negative Renditen breiten sich im Osten aus

Auch Länder in Osteuropa weisen zunehmend negative Bond-Renditen auf.
09.10.2016 06:20
Blick ins Zentrum von Warschau. Auch für Polen sind die Fremdkapitalkosten in den negativen Bereich gerutscht.
Blick ins Zentrum von Warschau. Auch für Polen sind die Fremdkapitalkosten in den negativen Bereich gerutscht.
Bild: Bloomberg

Bei Ländern mit Bond-Renditen unter Null fallen einem unmittelbar Japan, die Schweiz, Deutschland und Frankreich ein. Doch auch Staatsanleihen von europäischen Schwellenländern, die zu negativen Renditen gehandelt werden, sind in den vergangenen 12 Monaten um mehr als das Fünffache angeschwollen. Und Länder, die davon profitiert haben, umfassen die Tschechische Republik, die Euro-Mitglieder Lettland, Litauen, Slowenien und Slowakei sowie Polen und Rumänien.

Die Ausbreitung der Renditen unter Null zeigt, wie sich die Bondkaufpolitik der Europäischen Zentralbank auf die neuesten Mitglieder des Euroraums ausgewirkt hat. Sie spiegelt auch die wirtschaftlichen und politischen Fortschritte von Ländern wider, die vor 27 Jahren den Kommunismus hinter sich gelassen haben. Der Beitritt zur Europäischen Union hat die Handels- und Finanzbeziehungen mit reicheren westlichen Ländern gestärkt und die fiskalpolitische Verantwortung gefördert. In der Folge haben die meisten neuen Mitglieder nun niedrigere Schuldenlasten als Deutschland oder Frankreich.  

“Investoren behandeln diese Länder nicht mehr als reine Schwellenländer - die Unterscheidung ist in Europa immer weniger relevant geworden", sagt Regis Chatellier, Leiter Anleihestrategie Schwellenländermärkte bei Société Générale in London. “Was wir nun in Zentral- und Osteuropa beobachten, ist die direkte Folge der Politik der Europäischen Zentralbank."

Zwar denkt die EZB Kreisen zufolge über einen Weg nach, die Bondkäufe zu beenden. Indes sind die Auswirkungen der Käufe auf dem ganzen Kontinent und darüber hinaus zu spüren, was Investoren in Anlagewerte mit höheren - oder zumindest weniger negativen - Renditen strömen lässt.

Nicht-Euro-Länder bekommen es auch zu spüren

Fast 47 Mrd. Euro an osteuropäischen Staatspapieren mit einer Restlaufzeit von zwölf Monaten oder mehr wiesen Ende September negative Renditen auf, verglichen mit 8,3 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Die EZB hat direkte Wertpapierkäufe von Ländern wie Lettland, Slowenien und Slowakei zusammen mit anderen Euro-Ländern getätigt, was dazu beigetragen hat, die Renditen ihrer zweijährigen Papiere auf weniger als minus 0,2 Prozent zu drücken. Damit liegen alle unter der Rendite von italienischen Bonds gleicher Laufzeit.

Nicht-Euro-Länder bekommen es auch zu spüren. Die tschechische Republik verzeichnet die niedrigste Rendite, seit das Land zusätzliche Impulse von Spekulationen erhielt, dass die Krone anziehen wird sobald die Notenbank die Deckelung aufheben wird - wahrscheinlich im nächsten Jahr.

Auch für Polen sind die Fremdkapitalkosten in den negativen Bereich gerutscht. Die Rendite für 2 Mrd. Euro an Bonds mit Fälligkeit Juni 2018 sind in den vergangenen acht Monaten um 45 Basispunkte auf minus 0,33 Prozent gesunken. Die Rendite von Eurobonds vergleichbarer Laufzeit aus Rumänien ist um 41 Basispunkte auf minus 0,07 Prozent gefallen.

(Bloomberg)